Schülerinnen und Schüler erinnern beim Gedenkgang in Kaiserswerth an die jüdischen Verfolgten
Rund um den Kaiserswerther Markt führt am Sonntag, 8. November, ein Gedenkgang zu den Häusern, in denen jüdische Familien lebten, bevor die Nationalsozialisten sie vertrieben, deportierten und ermordeten. Treffpunkt ist um 15 Uhr der Klemensplatz. Schülerinnen und Schüler aus vier Kaiserswerther Schulen gestalten für die Stationen Schaufenster und stellen sie unterwegs selbst vor. Der Gedenkgang erinnert an den Novemberpogrom von 1938.
Beim Pressegespräch am Kaiserswerther Markt stellten Bezirksbürgermeister Benedict Stieber, Andrea Sonnen, Geschäftsführerin der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Düsseldorf, sowie Astrid Hirsch-von Borries (Öffentlichkeitsarbeit), Anna Schlieck (Leiterin Bildungsarbeit) und Jona Winstroth (wissenschaftlicher Mitarbeiter) von der Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf das Vorhaben vor. Beteiligt sind Schülerinnen und Schüler der Gemeinschaftsgrundschule Kaiserswerth, des Berufskollegs Kaiserswerth, des Theodor-Fliedner-Gymnasiums und des Suitbertus-Gymnasiums.
Zu den Wohnorten gehört das Haus Kaiserswerther Markt 8. Dort lebte die jüdische Familie Bornheim, an die heute fünf Stolpersteine im Pflaster erinnern. Siegfried und Babette Bornheim wurden im Oktober 1941 mit ihren Kindern Alex und Margot und mit Rudolf Bornheim in das Ghetto Litzmannstadt deportiert. Keiner von ihnen überlebte. Margot Rosa Bornheim war zwölf Jahre alt, als sie im September 1942 im Vernichtungslager Chełmno ermordet wurde.

Am anderen Ende des Marktes, vor dem Haus Kaiserswerther Markt 55, in dem heute die Löwen-Apotheke ist, liegt der Stolperstein für den Viehhändler Albert Wolf. Er floh 1939 hochbetagt in die Niederlande und starb im Februar 1942 mit 89 Jahren bei seiner Verhaftung in Venlo. Auch am Rathaus macht der Gedenkgang Station. Er erzählt die Lebensgeschichten der Verfolgten und zeigt zugleich, welche Rolle die Mehrheitsgesellschaft und die Täter vor Ort spielten.
Die Schaufenster stehen bei Augenoptik Pingel, in der Stadtteilbibliothek Kaiserswerth, in der Buchhandlung Thalia und bei der Finanzagentur Emittendo. Den historischen Rahmen liefert eine Folierung der Fenster durch den Gestalter Paul Plasma. Die Installationen bleiben bis Ende November zu sehen, also auch für alle, die den Gedenkgang selbst nicht mitgehen können.
Um 17 Uhr beginnt in der evangelischen Stadtkirche an der Fliednerstraße 12 ein ökumenischer Gedenkgottesdienst. Kinder und Jugendliche der beteiligten Schulen wirken daran mit.
Kaiserswerth ist das dritte Viertel, in dem die Reihe Station macht. Jedes Jahr rückt ein anderer Düsseldorfer Stadtteil mit den Lebensgeschichten der als jüdisch verfolgten Menschen in den Mittelpunkt. 2024 führte der Gedenkgang durch das Zooviertel, 2025 durch Eller und Lierenfeld. Dort gingen mehr als 600 Menschen mit.
Hinter dem Gedenkgang steht der Arbeitskreis „Gedenken 9. November“. Zu ihm gehören die Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf, die Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Düsseldorf, der Evangelische Kirchenkreis Düsseldorf und die Katholische Kirche in Düsseldorf, Kooperationspartner ist die Bezirksvertretung des Stadtbezirks 5. Wer mehr über die Geschichte der Juden in Kaiserswerth erfahren möchte, findet sie in dem Band „haben keine Sinagoge“ aus der Kleinen Schriftenreihe der Mahn- und Gedenkstätte, über den NORDBOTE.de im Dezember 2025 berichtet hat.