Die bewegte Geschichte der Juden in Kaiserswerth

Der 12. Band entstand nach einem entsprechendem Beschluss der Bezirksvertretung 5: Bezirksbürgermeister Benedict Stieber und Autor sowie Leiter der Mahn- und Gedenkstätte Dr. Bastian Fleermann stellten die Publikation vor. Foto: Landeshauptstadt Düsseldorf/Claus Langer
Der 12. Band entstand nach einem entsprechendem Beschluss der Bezirksvertretung 5: Bezirksbürgermeister Benedict Stieber und Autor sowie Leiter der Mahn- und Gedenkstätte Dr. Bastian Fleermann stellten die Publikation vor. Foto: Landeshauptstadt Düsseldorf/Claus Langer

Die Mahn- und Gedenkstätte, eine Einrichtung der Stadt Düsseldorf, die sich mit der Aufarbeitung und Geschichte der NS-Vergangenheit befasst, berichtet in ihrer kleinen Schriftenreihe, Band 12, über das Leben der Juden in Kaiserswerth in den vergangenen acht Jahrhunderten. Der seltsame Titel des Buches „sie haben keine Sinagoge“ ist 1808 die Antwort eines Kaiserswerther Beamten auf die Frage, ob es in Kaiserswerth ein jüdisches Bethaus gibt.

Dr. Sebastian Fleermann, zusammen mit Hildegard Jakobs Autor des reich bebilderten 76-seitigen Bändchens (acht Euro), stellte es am 17. Dezember im Sitzungssaal des Kaiserswerther Rathauses vor. Die Veranstaltung begann mit dem Anzünden der vierten Kerze des acht Tage dauernden „Chanuka“, dem jüdischen Lichterfest. Es wird im November/Dezember gefeiert. Eine anwesende Jüdin nahm die kurze Zeremonie vor. Es waren auch Gäste im Sitzungssaal, die eine, wenn auch teils ferne, Beziehung zu bis in die 1940er Jahre in Kaiserswerth lebenden Juden hatten.

Die Veranstaltung begann mit dem Anzünden der vierten Kerze des acht Tage dauernden „Chanuka“, dem jüdischen Lichterfest. Foto: ah
Die Veranstaltung begann mit dem Anzünden der vierten Kerze des acht Tage dauernden „Chanuka“, dem jüdischen Lichterfest. Foto: ah

Eine erste urkundliche Erwähnung über Juden in Kaiserswerth gibt es in einer Steuerakte aus dem Jahr 1241. Dr. Fleermann skizzierte die sehr bewegte Geschichte der in Kaiserswerth in meist sehr bescheidenen Verhältnissen lebenden Juden. Zeitweise war ihnen der Zuzug verboten, sie wurden verfolgt und nie als gleichberechtigte Bürger anerkannt. Viele Berufe durften sie nicht ausüben, meist waren sie Klein- oder Viehhändler und Metzger. Mit „Schutzbriefen“ der jeweils herrschenden Obrigkeit, welche in Kaiserswerth über die Jahrhunderte häufig wechselte, wurden sie mit zusätzlichen und besonderen Steuern belegt. Dr. Fleermann erläuterte, dass die Forschung heute meist weiß, was Juden laut den „Schutzbriefen“ durften oder nicht durften, aber wenig darüber, was Juden tatsächlich machen konnten und machten, in einer Gesellschaft, in der sie angefeindet und verachtet wurden.

Eine rechtliche Emanzipation in der „Franzosenzeit“ (1794-1813) gab es in der Realität nur teilweise und vorübergehend. Unter preußischer Herrschaft im 19. Jahrhundert normalisierte sich dann aber die Stellung der Juden. Sie konnten 1852 auch in Kaiserswerth eine Gemeinde gründen. Beträume hatten sie in privaten Wohnungen, im alten Zollhaus und schließlich in einem Anbau an das Rathaus. Mehr als 75 Juden wurden in Kaiserswerth jedoch nicht gezählt. Mit dem Wachsen der benachbarten Industrie-Großstädte wanderten viele Juden wegen der größeren Anonymität in die Städte ab. 1928 zählte man in Kaiserswerth noch 12 Juden.

Während der NS-Zeit wurden Juden die Bürgerrechte entzogen, sie wurden beschimpft, enteignet, unmenschlich behandelt und schließlich in Konzentrationslager verschleppt und ermordet, wenn ihnen nicht die Flucht gelang (zunächst meist nach den Niederlanden). Das galt auch für zum Christentum konvertierte Menschen jüdischer Abstammung, einschließlich „Halbjuden“ mit einem jüdischen Elternteil. Es ist kein Fall bekannt, so Dr. Fleermann, dass in Kaiserswerth ein Jude vor den NS-Schergen versteckt und zur Flucht verholfen wurde.

Materielle Erinnerungen an die jüdischen Mitbürger in Kaiserswerth sind der nach der NS-Herrschaft wiederhergestellte jüdische Friedhof An der Kreuzung Alte Landstraße/Zeppenheimer Weg (erstmals erwähnt 1737) und die „Stolpersteine“ vor den Häusern in Kaiserswerth, aus denen Juden verschleppt und in den Konzentrationslagern beziehungsweise schon auf dem Weg dorthin ums Leben kamen.

Die Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf hat nun den neuen Band der Kleinen Schriftenreihe mit dem Titel "'Haben keine Sinagogen' - Geschichte der Juden in Kaiserswerth" veröffentlicht. Foto: Landeshauptstadt Düsseldorf/ Claus Langer
Die Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf hat nun den neuen Band der Kleinen Schriftenreihe mit dem Titel „‚Haben keine Sinagogen‘ – Geschichte der Juden in Kaiserswerth“ veröffentlicht. Foto: Landeshauptstadt Düsseldorf/ Claus Langer

Die Schriftenreihe erscheint seit 2012 und wird vom Förderkreis der Gedenkstätte jeweils gemeinsam mit einer Partnerinstitution herausgegeben. Der inzwischen 12. Band erscheint im Düsseldorfer C. W. Leske-Verlag und kostet im Buchhandel oder in der Mahn- und Gedenkstätte acht Euro.

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