Lindners fordern landesweiten Aktionsplan: „Stoppt die Asiatische Hornisse!“
Eigentlich wird es für die Imker etwas ruhiger, wenn es auf den Winter zugeht. Doch in diesem Jahr sind viele ausgebildete Velutina Sachverständige unterwegs, um die Asiatische Hornisse zu bekämpfen. So auch die Ungelsheimer Sabine und Stefan Lindner. Sie haben das „Velutina Netzwerk Duisburg“ ins Leben gerufen. Beide setzen sich für mehr Unterstützung sowie Hilfe durch Stadt und Land ein: „Wir fordern einen landesweiten Aktionsplan, denn wir müssen die Artenvielfalt schützen!“
Gut zu erkennen ist die Asiatische Hornisse (Vespa velutina, kurz VV) an ihren gelben Beinen und dem braunen Hinterleib mit orangenen Streifen. Anders als die Europäische Hornisse kann sie in der Luft stehen und rückwärts fliegen. Sie frisst Honigbienen und vor allen weitere wertvolle Bestäuber wie Wildbienen, Käfer, Wespen, Mücken, Raupen, Schmetterlinge und Hummeln. „Würden sich die VV so rasant weiterverbreiten, würde schon im nächsten Jahr das Futter nicht mehr ausreichen“, so Stefan Lindner. „Alle Bienenvölker und Insekten im Stadtgebiet sind in Gefahr!“

Wie ist die Ausbreitung dieses invasiven Insekts zu stoppen? Indem die Nester von ausgebildeten Velutina Sachverständigen entfernt werden, wissen Lindners. Zwischen April und Juni entwickeln sich die Primärnester in einer Höhe von 2,50 Metern mit je etwa 200 Tieren, die sehr aggressiv sein können. Die Königin und das Volk ziehen im Juni aus und bauen in einem Umkreis von 80 bis 100 Meter ein Sekundärnest. Dieses ist in einer Höhe von 15 bis 30 Meter zu finden – und damit sehr schwer zu entfernen, zumal auch diese Tiere ihr Nest aggressiv verteidigen. Dort schlüpfen die Jungköniginnen für das nächste Jahr: etwa 500 Stück pro Nest.
Nur gut geschützt gehen die Experten vor: in robusten Sicherheitsanzügen, mit Helm und Handschuhen sowie mit weit ausfahrbaren Teleskopstangen oder Lanzen. Mehr als 10.000 Euro haben die Inhaber von „Bienen Lindner - Imkereibedarf“ in Serm in die Ausrüstung gesteckt, auch die Fortbildungen kosten Geld. Obwohl die Imker nicht für das Problem verantwortlich sind - anders als bei einem ausgebüxten Bienenvolk -, unterstützen viele tatkräftig, um dieses zunehmende Problem in den Griff zu bekommen.

Da die Asiatische Hornisse mittlerweile als etabliert eingestuft wird, müssen Eigentümer die Entfernung der Nester selbst bezahlen. Bereits 250 Königinnen wurden im Frühjahr in 2026 in Duisburg entfernt. Mit hohem Zeitaufwand beseitigen die Sachverständigen die Nester, dafür benötigen sie zwischen 60 und mehr als 120 Minuten pro Nest. Die Sorge um die Zukunft der Biodiversität treibt sie an, die VV zu bekämpfen. Vom Land NRW bekommen die Sachverständigen aus einem Fördertopf Zuschüsse für Schutzkleidung und Schulungen.

Durch jedes nicht entfernte Nest entständen fünf neue Nester im Folgejahr. Für Lindners ist klar, dass nur mit einem Aktionsplan die rasante Population der VV gestoppt werden kann. Sie haben viele Ideen und Forderungen entwickelt, die sie derzeit mit Vertretern aus der Politik diskutieren – um schnelle Erfolge zu erzielen und die Insektenvielfalt langfristig zu schützen:
• Gerade in einer größeren Stadt sei es wichtig, nur einen Ansprechpartner in der Verwaltung zu haben: Das spare wertvolle Zeit, die in die Beseitigung der Nester investiert werden könne
• Informationen über die VV müssten noch mehr gestreut werden: etwa durch Flyer und Infostände für die Bevölkerung
• Auch Ärzte müssen über die Problematik informiert werden: In Galicien entstanden durch die VV 75 Prozent mehr anaphylaktische Schocks
• Die Imkerschaft habe sehr früh erkannt, dass diese invasive etablierte Art ein Problem für die Artenvielfalt darstellt: ohne Insekten bekommen auch Vögel und Amphibien Probleme, da die VVS alle wegfressen; ohne Insekten würden Obst und Gemüse nicht mehr bestäubt
Die Bekämpfung der Asiatischen Hornisse ist sehr anstrengend und belastet. Sabine Lindner weiß, wie wichtig diese Arbeit ist: „Meldungen aus Kindertagesstätten, dass man das Obst im eigenen Garten nicht mehr ernten kann, da dort viele Hornissen fliegen oder Kindergeburtstage, die verlegt werden müssen, sollen nicht zur Normalität werden.“
Weitere Infos, auch der aktuelle Flyer:
https://velutina-duisburg.de/
