Duisburger sorgen sich um Wald: Großer Andrang bei Infoveranstaltung zur CO₂-Pipeline
„Wir brauchen die geplante CO₂-Pipeline als Industrieregion, aber sie darf auf gar keinen Fall durch den Duisburger Stadtwald gehen!“ Oberbürgermeister Sören Link brachte am Mittwochabend, 28. Oktober, die einhellige Meinung von Politik, Rat, Verwaltung sowie vieler Bürgerinnen und Bürger aus Duisburg auf den Punkt. Mehr als 150 Menschen verfolgten dicht gedrängt im „Haus der Naturfreunde“ in Wanheimerort die Informationen zum aktuellen Stand zum „Delta Rhine Corridor (DRC)“ von Open Grid Europe (OGE) .
Im Beisein von Umweltamtsleiter Matthias Simons und Stadtförster Stefan Jeschke unterstrich Umweltdezernentin Linda Wagner, dass es wichtig sei, sich jetzt zu positionieren. Denn gerade eine waldarme Stadt wie Duisburg würde es sehr treffen, wenn 24 Hektar Wald gerodet werden müssten. Mit DRC soll eine rund 200 Kilometer lange unterirdische CO₂-Transportleitung entstehen. Zwei Abschnitte aus dem Raum Gelsenkirchen und aus Köln/Wesseling sollen im Raum Duisburg zusammenkommen. Von hier aus soll abgeschiedenes Kohlendioxid Richtung Niederlande und weiter zu Speicherstätten in der Nordsee gelangen.
Jeschke stellte das Projekt anhand einer Präsentation vor, die aber längst nicht von allen gesehen werden konnte, da der Andrang der Teilnehmenden zu groß war. Ursprünglich habe OGE nur die Variante durch den Duisburger Stadtwald geplant gehabt. Mittlerweile stehen drei Routen im Raum, das Deltadreieck. Neben der Hafenroute führten weitere entlang der A3 sowie durch das Neubaugebiet „6 Seen Wedau“. Jeschke empfindet die zuletzt genannte Variante als „reinen Alibi-Korridor“. Überraschend für ihn sei das Projekt Ruhbens (ehemals NSCC) aufgetaucht, das von Wesseling nach Belgien geplant werde. „Braucht man dann überhaupt noch die Leitungen bei uns?“

OGE, so der Stadtförster, bevorzuge die Delta-Variante B, die zum großen Teil durch den Stadtwald verlaufe. Diese Variante sei preisgünstig. Für die abzuholzenden Bäume, die teilweise über 200 Jahre alt und als beste Biotoptypen eingestuft sind, bekäme die Stadt nur den Wert des Holzes ersetzt. Aufforstungen würden wohl an anderer Stelle geschehen. Die Städte Duisburg und Mülheim bevorzugten dagegen die Delta-Variante C, den Westkorridor. Er zweigt frühzeitig in Richtung Westen ab und meidet den Duisburger Stadtwald vollständig.
Die Planungen befinden sich nach Angaben der Stadtvertreter in einem sehr frühen Stadium. Jetzt würden die Einwände zur Raumverträglichkeitsprüfung ausgewertet. Dann werde der Regionalverband Ruhr (RVR) das Planfeststellungsverfahren für eine Variante einleiten. Die Dezernentin zeigte sich mit Blick auf die Landesentwicklungsplanung vorsichtig optimistisch: Der RVR habe deutlich gemacht, dass der Wald nur im Notfall angetastet werden dürfe. „Unser Ziel ist es, den schlimmsten Schaden zu vermeiden.“
OB Link ergänzte: „Wir werden mit guten Argumenten darauf hinwirken, dass ein guter Planfeststellungsbeschluss gefasst wird. Als Industrieregion müssen wir unseren Beitrag leisten - mit minimalsten Belastungen für Duisburg.“ Er bedankte sich dafür, dass sich so viele klar artikuliert hätten. Hinweise der Anwesenden, auch alternative Möglichkeiten für den Transport und die weitere Nutzung von Kohlendioxid zu betrachten, nahm er mit. Viele Bürgerinnen und Bürger äußerten ihr Unverständnis, dass DRC mit Blick auf die Energiewende initiiert worden sei – dafür aber ein tiefer Eingriff in die Ökologie in Duisburg zu befürchten sei.

Die Anwesenden lobten das Engagement der Waldjugend in diesem Bereich. Mittlerweile habe auch die Universität ihre Unterstützung zugesagt.
Reaktionen aus der Stadtverwaltung:
Am Donnerstag, 29. Oktober, zogen die Vertreter der Stadt in einer Pressemitteilung Bilanz:
„Die hohe Beteiligung zeigt, welchen Stellenwert unsere Waldgebiete für die Menschen haben. Es war uns ein Anliegen, frühzeitig über das Vorhaben zu informieren und Raum für Fragen und Anregungen zu schaffen“, sagte Oberbürgermeister Sören Link. „Die Veranstaltung hat deutlich gemacht, dass die Bürgerinnen und Bürger eine transparente Prüfung der Planungen erwarten.“
Auch Umweltdezernentin Linda Wagner begrüßte den offenen Austausch: „Die zahlreichen Wortbeiträge haben wertvolle Hinweise und Perspektiven aufgezeigt. Die Stadt wird die vorgetragenen Anregungen in ihre weitere Bewertung des Vorhabens einbeziehen und sich weiterhin für einen größtmöglichen Schutz von Natur und Umwelt einsetzen.“
Matthias Simons und Stefan Jeschke betonten die Bedeutung einer sorgfältigen Abwägung: Die betroffenen Waldbestände erfüllen wichtige ökologische Funktionen und leisten einen bedeutenden Beitrag zum Klima-, Arten- und Erholungsschutz. Es sei wichtig, diese Belange im weiteren Verfahren umfassend zu berücksichtigen.
Die Stadt Duisburg werde den weiteren Planungsprozess aufmerksam begleiten und die Öffentlichkeit weiterhin transparent über neue Entwicklungen informieren. Ziel bleibe es, die Belange des Natur- und Waldschutzes bestmöglich in die weiteren Entscheidungen einzubringen.
Informationen hat die Stadt Duisburg im Internet zusammengestellt


