Rumänische Gläubige feiern in Kalkum Gottesdienst im byzantinischen Ritus
Lange Gesänge, Weihrauch und Ikonen neben dem Altar. Wer an einem Gottesdiensttag die Kirche St. Lambertus an der Oberdorfstraße 31 in Kalkum betritt, erlebt katholischen Gottesdienst in einer Form, die den meisten Düsseldorfern fremd sein dürfte. Regelmäßig versammeln sich dort rumänische Gläubige und feiern die Liturgie nach der Tradition der byzantinischen Ostkirchen, und zwar in ihrer Muttersprache. Das teilt Pfarrer Mihai Suciu mit, der die rumänische griechisch-katholische Gemeinde betreut.
Suciu ist Seelsorger für die rumänischen griechisch-katholischen Gläubigen in den Erzbistümern Köln und Paderborn sowie im Bistum Essen und für seine Gottesdienste regelmäßig in verschiedenen Städten unterwegs. Kalkum ist einer der Orte, an denen er Station macht. Die Gemeinde ist dort zu Gast bei der Pfarrei St. Suitbertus in Kaiserswerth, zu der St. Lambertus gehört. Für die Gläubigen, so Suciu, ist die Kirche inzwischen ein wichtiger Ort des Glaubens und der Begegnung geworden.

Die rumänische griechisch-katholische Kirche gehört zur katholischen Kirche und steht in voller Gemeinschaft mit dem Papst in Rom. Ihre Liturgie folgt jedoch dem byzantinischen Ritus. Wer nur die römisch-katholische Messe kennt, braucht deshalb einen Moment, um sich zurechtzufinden. Im Mittelpunkt steht auch hier die Eucharistie, doch die Feier ist von langen Gesängen, Weihrauch, Ikonen und einer reichen Symbolik geprägt, wie sie im christlichen Osten gewachsen ist.
Viele Rumäninnen und Rumänen leben seit Jahren oder Jahrzehnten in Deutschland. Die eigene Sprache und Kultur bleiben für viele trotzdem ein wichtiger Teil ihrer Identität, und im Gottesdienst auf Rumänisch findet beides zusammen. Suciu will allerdings mehr anbieten als Gottesdienste in der Muttersprache. „Wir müssen uns nicht als Gäste betrachten, sondern als Teil der Gesellschaft. Wir haben vieles zu lernen, aber auch zu geben“, sagt er. Die Menschen sollen ihren Glauben in Deutschland leben und zugleich ihre kirchliche Tradition bewahren können. Als geschlossenen Kreis versteht sich die Gemeinde ausdrücklich nicht, sie sucht ihren Platz im kirchlichen Leben vor Ort.
Die Geschichte dieser Kirche ist eng mit der wechselvollen Geschichte Rumäniens verwoben. 1948 verboten die kommunistischen Machthaber die griechisch-katholische Kirche, Bischöfe, Priester und zahlreiche Gläubige wurden verfolgt, verhaftet und eingesperrt. Erst nach dem Zusammenbruch des Regimes Ende der 1980er-Jahre konnte sie wieder öffentlich wirken. Heute leben zahlreiche Menschen rumänischer Herkunft in Deutschland. Neben orthodoxen und anderen christlichen Gemeinden gibt es auch griechisch-katholische Gläubige, die ihre eigene Tradition weiterleben wollen.
Suciu selbst lebt seit 2012 in Deutschland. Besonders die jüngere Generation will er dabei unterstützen, ihre Wurzeln kennenzulernen und sich zugleich ganz selbstverständlich in Deutschland zu Hause zu fühlen. Deshalb bleibt nach der Liturgie in Kalkum häufig Zeit für Gespräche. Menschen, die dieselbe Sprache sprechen und denselben Glauben teilen, treffen hier zusammen und wollen ihre Tradition weitergeben. Wer die Gottesdienste in St. Lambertus besucht, erlebt so nicht nur eine andere Form katholischer Liturgie, sondern auch ein Stück rumänischer Kultur mitten im Düsseldorfer Norden.
Suciu lädt alle Interessierten ein, den Gottesdienst in St. Lambertus mitzufeiern. Dafür muss man weder Rumänisch sprechen noch mit dem byzantinischen Ritus vertraut sein. Auch wer neugierig ist, eine andere liturgische Tradition kennenzulernen oder mit den Mitgliedern der Gemeinde ins Gespräch zu kommen, sei herzlich willkommen. Die Begegnung mit einer anderen kirchlichen Tradition könne eine Bereicherung sein und zeigen, wie vielfältig katholischer Glaube gelebt werde. Die nächste Heilige Liturgie feiert die Gemeinde am Sonntag, 18. Oktober, um 11 Uhr in der Kirche St. Lambertus in Kalkum.
