Hochofen A in Hüttenheim ist nach mehr als 53 Jahren außer Betrieb
Nach mehr als 53 Produktionsjahren ist an Hochofen A der Hüttenwerke Krupp Mannesmann (HKM) zum letzten Mal Roheisen abgestochen worden. Der letzte Abstich fiel am Samstag, 19. September, auf dem Werksgelände an der Ehinger Straße 200 in Duisburg-Hüttenheim. Für die Belegschaft war es ein Abschied, für das Werk der nächste Schritt weg von der klassischen Hochofenroute. Das teilen die Hüttenwerke Krupp Mannesmann mit.
Die Anlage hatte ihre erste Ofenreise am 2. Mai 1973 begonnen. In fünf Reisen sind an ihr etwa 93 Millionen Tonnen Roheisen erzeugt worden. Der Ofen besaß einen Gestelldurchmesser von 10,3 Metern, ein Nutzvolumen von 2.449 Kubikmetern und zwei Abstichlöcher.


Sebastian Tauchert, der bei HKM die Produktion am Hochofen leitet, war mit seiner Mannschaft bis zum Schluss an der Anlage. „Für meine Mannschaft und mich ist der letzte Abstich an Hochofen A ein besonderer Moment. Viele Kolleginnen und Kollegen haben einen großen Teil ihres Berufslebens an dieser Anlage verbracht und sie bis zuletzt mit hohem Engagement und großer Professionalität gefahren.“
An die Stelle des Hochofens soll von 2029 an ein Elektrolichtbogenofen treten. Mit einem Abstichgewicht von 285 Tonnen und einer Kapazität von bis zu 2,5 Millionen Tonnen im Jahr wird er nach Unternehmensangaben der größte in Deutschland und der zweitgrößte in der Europäischen Union. Bund und Land Nordrhein-Westfalen fördern das Vorhaben mit 200 Millionen Euro aus dem Programm „Bundesförderung Industrie und Klimaschutz“. Gebaut wird seit August.
Bis der neue Ofen steht, trägt Hochofen B die Produktion allein. Er ist vor wenigen Wochen nach mehrmonatiger Zustellung wieder hochgefahren worden. Im vergangenen Jahr kamen beide Öfen zusammen auf etwa vier Millionen Tonnen Roheisen, für dieses Jahr wird mit rund drei Millionen Tonnen gerechnet. Von 2027 an liegt die Kapazität bei bis zu 2,5 Millionen Tonnen jährlich.
Andreas Betzler, Sprecher der Geschäftsführung der HKM, sieht in dem Tag beides, Ende und Anfang. „Für viele Kolleginnen und Kollegen ist die dauerhafte Außerbetriebnahme von Hochofen A ein emotionaler Abschied, denn die Anlage stand für industrielle Leistungsfähigkeit und den großen Einsatz ganzer Generationen bei HKM.“ Mit dem Bau des Elektrolichtbogenofens sichere man die Zukunft des Standorts.
Gunnar Groebler, Vorstandsvorsitzender der Salzgitter AG, will die Umstellung auf eine nahezu CO₂-neutrale Stahlproduktion bis Mitte der 2030er Jahre abgeschlossen haben. „Ich möchte mich ausdrücklich bei allen Mitarbeitenden bedanken, die in den vergangenen Jahren mit ihrem Einsatz am Hochofen A die Basis für den Erfolg der HKM und eine positive Zukunft des Unternehmens gelegt haben.“
Wenige Tage vor dem letzten Abstich war bei HKM bereits die Batterie 2 der Kokerei außer Betrieb gegangen. Über diesen Schritt hat der NORDBOTE am 16. September berichtet.