Bürgerdialog in Huckingen: Wie HKM im Übergang große Herausforderungen meistert
Bürgerdialog in Huckingen: HKM meistert im Übergang große Herausforderungen
HKM führt den Bürgerdialog in der Nachbarschaft fort. Jeweils zwei Mitglieder der Geschäftsführung werden an sechs Terminen bis Weihnachten die Bürgerinnen und Bürer der einzelnen Stadtteile informieren und sich Fragen stellen. Denn das Unternehmen durchlebt gerade einen vielschichtigen Transformationsprozess – bei laufender Produktion. Am Dienstag, 3. November, verkündeten Vertreter aus der Hütte im Steinhof in Huckingen: „Jetzt beginnt die Arbeit!“
Dietmar Ahlemann, Vorsitzender des Bürgervereins Huckingen, begrüßte neben Andreas Betzler, Sprecher der Geschäftsführung, und Dr. Heiko von Hagen, Geschäftsführer Produktion auch Kommunikationschef Peter Schelkle. Unter die mehr als 50 Gäste hatten sich auch ehemalige Mitarbeiter gemischt, die gerne an der weiteren Entwicklung des Unternehmens Anteil nehmen möchten. Die Freude war nicht nur einseitig: Auch Betzler freute sich, bekannte Gesichter zu sehen. Schon nach wenigen Minuten ging der Geschäftsführer Controlling von der Bühne und erzählte nah an den Gästen Details zu weiteren Plänen: „Wir haben nie von oben herab miteinander gesprochen.“

Betzler sprach offen über einen erheblichen Umbruch bei HKM: Mit der Übernahme durch die Salzgitter AG sei der Transformationsprozess gestartet – „mit einem echten Wechselbad der Gefühle“. Die Integration in den Salzgitter-Konzern sei gelungen. Mit der Standortsicherheit sei verknüpft, dass von bisher gut 3.000 Mitarbeitern auf Dauer 1.089 in Hüttenheim beschäftigt bleiben sollen. Fast 500 Beschäftigte habe das Unternehmen nach der Schließung des Koksofen-Batterie 2 sowie des Hochofens A zum 1. Oktober verloren. Das gehöre zur Wahrheit dazu, das gehe nicht spurlos an einem vorbei. Mit Jobmessen auf dem Gelände versuche man, möglichst viele Arbeitskräfte in andere Unternehmen zu vermitteln.
Die Produktionsmenge am Standort werde von 4 Millionen Tonnen Stahl pro Jahr auf 2,5 angepasst. Mit verringerter Belegschaft soll die gute Qualität der Produkte beibehalten werden. Viel Kraft koste zudem das Neubauprojekt Elektrolichtbogenofen (englisch EAF), der ab 2030 die Stahlerzeugung übernehmen und die CO₂-Emissionen um rund 90 Prozent senken soll. Die Art zu produzieren ändere sich im laufenden Betrieb, das sei eine große Herausforderung. Dieser Übergang sei aber kein Bruch. EAF verfügt laut Betzler über eine probate Technik: „Wir wissen, dass es funktioniert!“

Anhand einer Skizze stellten die zwei Geschäftsführer vor, welche Teile der Hütte es auf Dauer geben soll und welche nicht. Auf die Frage zur Nutzung der nicht mehr benötigten Gebäude erklärte der Controlling-Geschäftsführer: „Wir haben nicht das Ziel, Landschaftspark Duisburg-Süd zu werden.“ Genaue Pläne gebe es aber noch nicht, dafür fehle im Moment die Zeit.
Ein Wirtschaftsgutachten habe vor der Übernahme des Unternehmens bestätigt, dass der eingeschlagene Weg für HKM sinnvoll sei. Immerhin würden hier 800 Millionen Euro investiert, 200 Millionen Euro kämen als Förderung von Bund und Land. Die Frage, wie sich die Investitionssumme genau zusammensetze, musste unbeantwortet bleiben – darüber sei Stillschweigen vereinbart worden. Bei ihrem Besuch auf der Baustelle hätten die Ministerpräsidenten Hendrik Wüst und Olaf Lies (https://nordbote.de/starkes-zeichen-wuest-lies-und-benner-zu-besuch-bei-hkm-92435384) auch die wichtige Unterstützung für die Zukunft zugesagt. Durchschnittlich werde bis zur EAF-Inbetriebnahme eine Million Euro pro Tag investiert – allerdings in Schüben. Betrieben werden soll der EAF dann möglichst mit grünem Strom, der aus bestehenden Anlagen in der näheren Umgebung eingekauft werden soll. „Die Energiewende geht nur mit unserem Stahl!“, so die Geschäftsleitung. Diese Produkte auf einem Top-Level würden beispielsweise in den Rotorblättern bei Windrädern eingebaut.
Die Geschäftsleitung unterstrich, dass HKM als Störfallunternehmen genau von allen Seiten beobachtet und deshalb alle Auflagen einhalten werde. Sicherheit sei oberstes Gebot auf der Hütte, das gelte auch für die Mitarbeitenden.
Möglichst viel transportiere HKM, die hauptsächlich Zulieferbetriebe im Umkreis von 300 Kilometer beliefere, über den Rhein, nicht über die Straße. Zu den Kunden gehöre auch thyssenkrupp. Auf niedrige Wasserstände bereite man sich für die Zukunft vor: mit modernen Schiffen und einer veränderten Materialvorhaltung.

Ahlemann bedankte sich nach 90 Minuten für den umfassenden Überblick und die lebhafte Diskussion. Otto Kleinholz erinnerte daran, wie sehr das Unternehmen in Duisburg-Süd verwurzelt sei: 1961 sei das Mannesmann-Gymnasium (als Vorläufer von HKM) in Huckingen gegründet wurde. „Bezeichnet“ wurde es als Arbeiter-Gymnasium – und der frühere Sportlehrer habe stolz wie seine Kollegen erwidert: „Und es wurde gearbeitet!“ Er dankte dem Unternehmen für die Hilfe.