Ausstellungshalle für das Kaiserswerther Plattbodenschiff
Im Juli hatte Architekt Jan Hinnerk Meyer in der WDR-Lokalzeit einen Standort für eine Halle zur Ausstellung des im Sommer 2009 archäologisch geborgenen „Plattbodenschiffs“ vorgeschlagen.
Das zu Beginn des 19. Jahrhunderts am Oberrhein aus Fichtenholz gebaute Schiff war um die Mitte des Jahrhunderts von den damals in Kaiserswerth stationierten französischen Soldaten im Rheinarm unterhalb des Mühlenturms zurückgelassen worden. Im Schlamm des damals hier in den Rhein mündenden Kittelbachs blieb das etwa 17 Meter lange Schiff gut und vollständig erhalten. Von den Archäologen wurde es deswegen als „Sensationsfund“ bezeichnet. Für einen dauerhaften Erhalt wurde es zerlegt in eine Restaurierungswerkstatt im Schleswiger Landesmuseum gebracht.

Inzwischen ist es zurück in Düsseldorf und lagert in dafür geeigneten Räumlichkeiten am Bertha-von-Suttner-Platz. Es wird jetzt wieder zusammengebaut.
Die Stadtverwaltung teilte dem NORDBOTE mit, der von Architekt Hinnerk Meyer vorgeschlagene Standort für eine Ausstellungshalle hinter dem Deich, ungefähr am Fundort, unterhalb des Mühlenturms, hätte das Düsseldorfer Schifffahrtsmuseum bereits prüfen lassen mit negativem Ergebnis. Der massive Eingriff in die Deichschutzzone sei kritisch bewertet worden. Hinnerk Meyer hatte vorgeschlagen, das dortige, unter Denkmalschutz stehende alte Pumpenhaus als Foyer für die Ausstellungshalle zu nutzen. Seinen Vorschlag hatte er mit der Verwaltung und lokalen Politikern abgestimmt. Sie sahen diesen Standort positiv. Diese unterschiedlichen Einschätzungen sind verständlich. Über den Abschluss der Rekonstruktion des noch zerlegten Schiffes kann derzeit keine seriöse Aussage gemacht werden, so die Verwaltung gegenüber dem NORDBOTE. Abstimmungen zwischen allen beteiligten Ämtern und Institutionen über eventuelle Standorte hat es offensichtlich noch nicht gegeben. Die Finanzierung einer Ausstellungshalle dürfte ebenfalls noch unklar sein, insbesondere im Hinblick auf Zuschüsse von EU, Bund und Land.
Der Antrag der Bezirksvertretung 5, im alten Pumpenhaus ein Künstleratelier beziehungsweise ein Trauzimmer einzurichten, ist positiv aufgenommen worden. Derzeit befinden sich Finanzierung und das damit verbundene weitere Vorgehen in Klärung.
Die bisherigen Kosten für das Projekt belaufen sich auf rund 1,15 Millionen Euro. Ungefähr die Hälfte dieser Kosten wurde für die Ausgrabung benötigt und durch Zuschüsse des Landes NRW gedeckt. Die Maßnahmen des aktuellen Projekts umfassen zusätzlich etwa 480.000 Euro. Ein Anteil von etwa 340.000 Euro wird durch die regionale Kulturförderung des Landschaftsverbands Rheinland (LVR) übernommen.
Die Bergung des „Plattbodenschiffes“ im Sommer 2009 hatte als verantwortlicher Leiter Dr. Hans-Peter Schletter übernommen. Er ist heute Stadtarchäologe in Krefeld und nennt den einmaligen, „sensationellen“ Fund „Kaiserswerther Nachen“. Mit einem spannenden, mit vielen Bildern und Videos unterstützten Vortrag hatte er im Frühjahr über die Bergung dem Förderverein des Archäologischen Museums in Krefeld-Linn berichtet. Die schwierige Bergung, teils im Grundwasser, stand unter Zeitdruck. Der Deich musste zur Hochwassersaison im Winter wieder intakt sein. Bei der Mitgliederversammlung des Fördervereins Kaiserpfalz Kaiserswerth hat er den Vortrag wiederholt. Eine entsprechende öffentliche Veranstaltung ist in Kaiserswerth geplant. hs



