Christian F. Seidler spricht in Angermund über die Zeit des Nationalsozialismus
Der Angermunder Heimatforscher Christian F. Seidler stellt am Mittwoch, 14. Oktober, seine neuesten Forschungsergebnisse über die Zeit des Nationalsozialismus in Angermund vor. Sein Vortrag beginnt um 19.30 Uhr im Evangelischen Gemeindehaus An den Linden in Angermund. Die Einladung kommt von der Evangelischen Kirchengemeinde Lintorf-Angermund. Das teilt Seidler in einer Pressemitteilung mit.
Im Herbst 2025 hat Seidler sein Buch „Angermund im Dritten Reich“ veröffentlicht und im Bürgerhaus vorgestellt. Seither hat er weitergeforscht. Der Abend setzt bei den dörflichen Strukturen an, die Angermund vor der Machtübernahme der Nationalsozialisten prägten, beim gesellschaftlichen, politischen und religiösen Leben im Ort. Von dort zeichnet Seidler nach, wie die NSDAP in Angermund die Macht ergriff und welche Bedeutung die Partei und ihre Organisationen im Ort gewannen.
Ausführlich geht Seidler auf die Verfolgung von Angermunderinnen und Angermundern ein, die die Nationalsozialisten als Bedrohung oder als minderwertig betrachteten. Sechs Beispiele hat er dafür ausgewählt. Der katholische Priester Franz Boehm fand 1937/38 Zuflucht im Marienkloster Angermund. Der entschiedene Gegner des Regimes wurde 1944 verhaftet und starb kurz vor Kriegsende im Konzentrationslager Dachau. Seine Geschichte hat Seidler eingehend erforscht. Dazu kommen der Installateur und Bauunternehmer Johann Clostermann (1896 bis 1980) und Ausländer, die in Angermund lebten, unter ihnen Heinrich Jakob Derks, Cornelis de Waal und Sofia Korzimowa. Henriette Jenny Anna Bertha Hupfauf, geborene Goldschmidt, war die einzige Jüdin in Angermund. Larisa Bersowskaja lebte von 1942 bis 1945 als russische Zwangsarbeiterin im Ort und wanderte danach in die USA aus. Das sechste Beispiel ist der Angermunder Bauer Peter Dieregsweiler.
Zum Schluss blickt Seidler auf den Krieg und den Zusammenbruch des Regimes in Angermund und darauf, wie die NS-Zeit im Ort von 1945 bis heute aufgearbeitet wurde. Nach dem Vortrag sind die Zuhörerinnen und Zuhörer zum Meinungsaustausch eingeladen.