Interessanter Vortrag von Dr. Andreas Pilger: „Duisburg – die grüne Stadt?“

Dr. Andreas Pilger, Leiter des Stadtarchivs Duisburg, referierte vor kurzem auf Einladung des Bürgervereins Großenbaum-Rahm zum Thema „Duisburg – die grüne Stadt?“, Foto: sam
Dr. Andreas Pilger, Leiter des Stadtarchivs Duisburg, referierte vor kurzem auf Einladung des Bürgervereins Großenbaum-Rahm zum Thema „Duisburg – die grüne Stadt?“, Foto: sam
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„Duisburg – die grüne Stadt?“ – zu diesem Thema referierte Dr. Andreas Pilger kürzlich auf Einladung des Bürgervereins Großenbaum-Rahm im Pfarrsaal St. Hubertus. Der Leiter des Stadtarchivs Duisburg stellte anhand der Geschichte der Wildpferde heraus, dass Duisburg vor 200 Jahren eine grüne Stadt war. Aber wie sieht es heute aus?

Über Jahrhunderte hinweg lebten Wildpferde in den ausgedehnten Waldgebieten zwischen Duisburg und Düsseldorf. Dr. Pilger berichtete: „Für das 18. Jahrhundert belegen Quellen wiederholt große Treibjagden, nachdem die Pferde aus dem umzäunten Wildgestüt ausgebrochen waren und umgebende Äcker verwüstet hatten. Diese Treibjagden sollten nicht nur die Landwirtschaft schützen, sondern auch Reitpferde für den Landesherrn und den jagdberechtigten Adel gewinnen. Viele Pferde gelangten in den Napoleonischen Kriegen nach Spanien, an die Donau und nach Russland.“ Am Ende der letzten großen Jagd von 1814, an der 500 Personen aus Duisburg teilnahmen, war die Herde fast vollständig ausgerottet. Ein letzter Augenzeugenbericht datiert aus dem Jahr 1831. „Die Geschichte der Duisburger Wildpferde zeigt: Duisburg um 1800 war eine grüne Stadt“, so Dr. Pilger.

Grünes Erscheinungsbild bis Mitte des 19. Jahrhunderts

Auch bis Mitte des 19. Jahrhunderts blieb Duisburg überwiegend grün. Die Bebauung konzentrierte sich innerhalb der Stadtmauern; hier befanden sich auch die wenigen Fabriken. Erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts veränderte sich das Stadtbild grundlegend. Die Bevölkerung wuchs im Zuge der Industrialisierung rasch: von knapp 12.000 im Jahr 1850 auf fast 250.000 im Jahr 1914. Diese Entwicklung führte zu einem enormen Flächenverbrauch. 1871 betrug die Stadtfläche etwa 3.200 Hektar, wovon 5 Prozent bebaut waren. 1916 hatte sich die Fläche auf 7.000 Hektar mehr als verdoppelt, mit 20 Prozent bebaut. Der landwirtschaftliche Flächenanteil sank von 55 Prozent im Jahr 1883 auf 37 Prozent im Jahr 1912.

Zerstörung der Freiflächen

Im 19. Jahrhundert beschwerten sich Anwohner über die Rauchentwicklung der Fabriken und andere Formen der Naturzerstörung. Die Umweltzerstörung wurde von vielen Beobachtern als unproblematisch angesehen; nur die gesundheitlichen Folgen wurden kritisch betrachtet. Die Ansiedlung neuer Industrieanlagen auf der grünen Wiese trieb die Zerstörung der Freiflächen weiter voran. Um 1900 richtete sich das Augenmerk auf die bislang unberührten Naturräume im Stadtumfeld, insbesondere auf den Duisburger Wald.

Durchgrünung der Siedlungsflächen

Nach dem Ersten Weltkrieg setzte sich die Demokratisierung und das Bewusstsein für den Freizeitwert der Natur in der Bevölkerung durch. In den 1920er Jahren sah die städtische Flächenplanung eine stärkere Durchgrünung der Siedlungsflächen vor, insbesondere in den neuen Arbeitersiedlungen wie der Märchensiedlung in Neudorf. Nach dem Zweiten Weltkrieg setzte die Duisburger Industrie ihren Flächenverbrauch fort. Zwischen 1938 und 1957 sank der Freiflächenanteil von 51 auf 38 Prozent.

Blick auch auf soziale und kulturelle Rahmenbedingungen

Die Landespolitik der 1970er Jahre berücksichtigte neben dem Ausbau der Industrie auch soziale und kulturelle Rahmenbedingungen für eine nachhaltige wirtschaftliche Entwicklung. Dazu gehörte eine Verbesserung des Wohnumfelds sowie des Freizeit- und Erholungsangebots. In den 1970er Jahren wandelte sich das Verhältnis zur Natur grundlegend, und die Bürger brachten ihre Vorstellungen von Natur- und Umweltschutz aktiv in den demokratischen Prozess ein. Seit den 1990er Jahren tragen naturnahe Landschaftsräume auf ehemaligen Industrie- und Siedlungsflächen zur Durchgrünung Duisburgs und des Ruhrgebiets bei.

Der Strukturwandel hat zu grünen Oasen mit hoher Aufenthaltsqualität geführt – etwa wie die Großskulptur Tiger & Turtle. Foto: sam
Der Strukturwandel hat zu grünen Oasen mit hoher Aufenthaltsqualität geführt – etwa wie die Großskulptur Tiger & Turtle. Foto: sam

Strukturwandel führte zu grünen Oasen mit hoher Aufenthaltsqualität

„Der Strukturwandel hat zu grünen Oasen mit hoher Aufenthaltsqualität geführt“, resümierte Dr. Pilger. Beispiele sind der Landschaftspark, der Rheinpark und der Angerpark mit der Großskulptur Tiger & Turtle. Diese Landmarken sollen in ein umfassendes Grünkonzept eingebunden werden, das als Bindeglied zwischen Landschaft und Innenstadt sowie zwischen Wohnen, Naherholung und Freizeit dient.

Ob Duisburg heute eine grüne Stadt ist, soll jeder selbst entscheiden, fordert Dr. Pilger. Besonders im Süden Duisburgs, mit dem Zoo, dem Stadtwald und der Sechs-Seen-Platte, ist eine grüne Struktur erkennbar. Allerdings hat die jüngste Bau- und Siedlungstätigkeit auch diese grünen Räume herausgefordert. „Wie es weitergeht, lässt sich aktuell schwer prognostizieren und hängt von vielen Faktoren ab“, so Dr. Pilger. „Der Blick in die Geschichte zeigt jedoch, dass die ideelle Wertschätzung der Natur meist weniger bedeutsam ist als die wirtschaftliche und industrielle Entwicklung.“

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