Fähre Kaiserswerth: Betriebseinstellung nach 900 Jahren scheint besiegelt
Der traditionsreichen Fährverbindung zwischen Düsseldorf-Kaiserswerth und Meerbusch-Langst droht das endgültige Aus. Nachdem NORDBOTE.de erst kürzlich in dem Artikel „Fähre Langst-Kaiserswerth: eine Verbindung mit Tradition und Zukunft“ über die Perspektiven berichtet hatte, teilte die Betreiberfamilie Schäfer nun mit, dass der Fährbetrieb voraussichtlich zum 19. Dezember eingestellt wird. Damit könnte eine seit 900 Jahren bestehende Verbindung über den Rhein Geschichte sein.
Der unmittelbare Grund für diese drastische Entscheidung ist ein akuter Personalmangel. Beide Schiffsführer verlassen das Unternehmen. Einer geht in den Ruhestand und der andere hat eine neue Anstellung gefunden. Die Suche nach qualifiziertem Ersatzpersonal blieb bisher erfolglos. Die Hilfsbereitschaft in der Bevölkerung sei groß, wie Hajo Schäfer im Gespräch berichtet: "Wir bekommen wirklich viele Hilfsangebote, aber die Ausbildung zum Fährmann dauert drei Jahre." Eine kurzfristige Unterstützung durch ungelernte Kräfte ist damit für den Betrieb nicht möglich.
Für die Familie Schäfer, die die Rheinfähre seit fast 60 Jahren betreibt, ist dies der Höhepunkt einer Reihe von Rückschlägen. Welche hohe persönliche Belastung der Betrieb mit sich bringt, verdeutlicht Schäfer mit einer persönlichen Erinnerung: "Als mein Vater einmal krank war, habe ich selbst täglich 13-Stunden-Schichten übernommen." Zu den langfristigen Problemen zählten bereits der Bau der A44-Brücke, der zu einem Rückgang der Fahrgastzahlen führte, sowie die Corona-Pandemie. Ein weiterer wirtschaftlicher Schlag war der Verlust des Auftrags für die Düsseldorfer Kirmesfähre nach 19 Jahren. Zwar konnten in den vergangenen zwei Jahren durchgeführte Partyveranstaltungen den Fährbetrieb finanziell stützen, das Kernproblem des Personalmangels ließ sich dadurch jedoch nicht lösen.
Der Betrieb der Fähre ist noch bis zum 19. Dezember sichergestellt. Familie Schäfer weist alle Fahrgäste darauf hin, dass sämtliche Mehrfahrtenkarten nach diesem Datum ihre Gültigkeit verlieren. Besonderes Bedauern äußert die Familie gegenüber den zahlreichen Schülern, die die Fähre täglich für ihren Schulweg nutzen. Die Eltern werden gebeten, sich rechtzeitig um Alternativen zu kümmern.
Abschließend bedankt sich die Familie Schäfer bei allen Kunden für die langjährige Treue und die vielen Freundschaften, die über die Jahre entstanden sind.
Ein letzter Aufruf: Fährleute gesucht
Trotz der geringen Erfolgsaussichten besteht weiterhin die dringende Notwendigkeit, zwei qualifizierte Schiffsführer zu finden, um das Ende der Fährverbindung abzuwenden. Die Betreiberfamilie hat die Hoffnung zwar fast aufgegeben, doch vielleicht findet sich auf diesem Wege doch noch eine Rettung für die historische Verbindung. Benötigt werden ausgebildete Fährleute, die den traditionsreichen Betrieb zwischen Kaiserswerth und Langst aufrechterhalten können und wollen.