Bezirksvertreter beantragen Sondersitzung zum Technologiequartier Wedau
Das Technologiequartier Wedau (TQW) gilt als eines der zentralen Entwicklungsprojekte der Stadt Duisburg sowie der Nerra GmbH. Es sei „von wesentlicher Bedeutung für die zukünftige wirtschaftliche Positionierung des Standorts und der Stadt“, heißt es in einer Verwaltungsvorlage, über die die Mitglieder der Bezirksvertretung (BV) Süd am Donnerstag, 15. Oktober, entscheiden sollten. Doch einhellig stimmten die Mandatsträger für eine Sondersitzung am 24. November: Zwei Tage wären zu wenig Zeit, um sich intensiv mit dem Thema zu beschäftigen.
Federführend für die Quartiersentwicklung in Wedau ist die Nerra GmbH. Als Eigentümerin der Entwicklungsflächen verantwortet sie die Flächenaufbereitung und die verkehrliche Erschließung des Areals. Geschäftsführer Michael Buchholz stellte das Projekt in der Sitzung vor. Mit der Absage der ursprünglich vorgesehenen Ansiedlung der Universität Duisburg-Essen im April 2025 sei eine grundlegende inhaltliche und wirtschaftliche Neujustierung des Projektes erforderlich geworden. Ziel sei es nun, ein marktfähiges und wirtschaftlich belastbares Nutzungskonzept zu entwickeln, das zugleich den städtebaulichen und strukturellen Zielsetzungen der Stadt Duisburg gerecht werde.
Moderne Schlüsselbranchen, etwa Data Technology, Smart Engineering und Clean Industry, sollen am Wirtschafts- und Innovationsstandort gefördert werden. „Gleichzeitig sollen die Wirtschaftsflächen auch ermöglichen, auf neue, branchenspezifische Marktentwicklungen zu reagieren sowie auch ergänzende gewerbliche Angebote für kleine und mittlere Unternehmen bereitzustellen“, heißt es in der Vorlage.

Buchholz stellte die zwei Planungsstufen vor: Die erste ermöglicht die kurzfristige Aktivierung der im südlichen Bereich bebaubaren Grundstücke; dazu zählt auch das TQW. In der zweiten Projektstufe gehe es um die Entwicklung der übrigen TQW-Flächen, für die zunächst Planungsrecht zu schaffen sei. Dies betreffe insbesondere weitere Flächen des Innovationscampus, die gewerblichen Entwicklungsflächen, die Erweiterung des Sportparks, Grün-, Ausgleichs- und Freiraumstrukturen sowie die öffentlichen Verkehrs- und Erschließungsanlagen einschließlich der baulichen Umsetzung der äußeren Anbindung an die Bissingheimer Straße.
Warum die Eile in den Gremien? Der Rat soll in seiner nächsten Sitzung am 30. November über diese Vorlage entscheiden, damit der Förderantrag auf den Weg gebracht werden kann. Die Mandatsträger aus dem Duisburger Süden möchten aber die Möglichkeit wahrnehmen, ihre Ansichten mit einfließen zu lassen.
Ein zentraler Baustein des Projekts sei die Inanspruchnahme von Fördermitteln aus dem 5-StandorteProgramm des Landes NRW. Mit dem im Dezember 2025 erreichten „3-Sterne-Status“ (Regionalsiegel) sei die grundsätzliche Förderwürdigkeit und Priorisierung der Quartiersentwicklung bestätigt worden. Buchholz unterstrich, dass er im engen Austausch mit den Genehmigungsbehörden stehe und sehr zuversichtlich sei, dass der Antrag bewilligt werde – wenn der Rat Duisburg dafür grünes Licht gebe.
Die TQW-Gesamtfläche beträgt etwa 26,1 Hektar, davon sind aktuell etwa 12,3 Hektar förderfähig. Die vermarktbaren Teilgrundstücke sollen schrittweise veräußert werden.

Die Gesamtinvestitionskosten werden mit knapp 88 Millionen Euro angegeben. Die Verantwortlichen rechnen mit knapp 56 Millionen Euro an Fördermitteln. Die Stadt Duisburg soll einen dauerhaften Eigenanteil von gut 2,9 Millionen Euro aufbringen. 45 Millionen Euro müsse sie vorfinanzieren. Eine vollständige Finanzierung der Gesamtinvestitionskosten ergebe sich aus den Fördermitteln, dem Eigenanteil sowie den eingeplanten Veräußerungserlösen der Grundstücke.
„Langfristig birgt das Quartier das volkswirtschaftliche Potenzial, bis zum Jahr 2044 rund 5.400 hochqualifizierte Arbeitsplätze zu schaffen und eine jährliche Bruttowertschöpfung von etwa 480 Millionen Euro zu generieren“, so die Vorlage. Die Entwicklung des TQW sei mit finanziellen, planerischen, genehmigungsrechtlichen und vermarktungsbezogenen Risiken verbunden. Derzeit werde mit der Bezirksregierung geklärt, ob eine stufenweise Bewilligung der Fördermittel möglich sei, die zwar die Gesamtzuwendung von 56 Millionen Euro sichere, aber die Auszahlung vom Vorhabenfortschritt abhängig machen soll.
Diskussion in der BV
Welche Risiken stehen den Chancen wirklich gegenüber und wie müssen diese bewertet werden? Sei es sinnvoll, mit aller Kraft die Förderung in Anspruch zu nehmen? Diese Fragen beschäftigten alle Parteien. Gewünscht wurden zudem mehr inhaltliche Konkretisierungen.