Wer Ulf Mainzer trifft, erlebt einen Mann, der scheinbar die Zeit dehnen kann. Während andere mit 60 Jahren über den Ruhestand nachdenken, schaltet Mainzer erst richtig hoch. Er studiert im zweiten Semester Philosophie an der Heinrich-Heine-Universität (HHU), lehrt dort gleichzeitig als Dozent für BWL und führt seit Kurzem die Düsseldorfer FDP als Vorsitzender an. Ein Porträt über einen Angermunder, der das „Einrosten” gar nicht erst zulässt.
Ulf Mainzer ist kein gebürtiger Großstädter. Aufgewachsen im Sauerland in einem mittelständischen Umfeld, der Vater war Architekt, hat er sich eine sympathische Bodenhaftung bewahrt. Auch als es ihn vor 20 Jahren beruflich von München ins Rheinland zog, blieb er dem Lebensgefühl im Grünen treu. Nach Stationen in Kaiserswerth schlug er vor zwölf Jahren Wurzeln in Angermund.
„Ich liebe das Grüne hier und gleichzeitig die Nähe zur Stadt”, sagt der 60-Jährige. Auch die Nähe zum Flughafen lernte der langjährige Manager über die Jahre zu schätzen. Hier lebt er mit seiner Frau und den zwei Töchtern (17 und 20) und genießt das Familienleben, wenn er nicht gerade auf den Laufstrecken des Düsseldorfer Nordens unterwegs ist.
Vom Manager zum Mentor
Beruflich blickt Mainzer auf eine beeindruckende Karriere zurück. Fast zwei Jahrzehnte lang war er bei der ERGO als Vorstand tätig und hielt gleichzeitig jahrelang Gastvorlesungen an der Düsseldorfer HHU. Dort gibt er nun sein Wissen als Lehrbeauftragter weiter. „In diesem Semester halte ich wöchentlich eine Vorlesung, im Winter werden es zwei sein. Das ist Arbeit, macht aber riesigen Spaß”, so Mainzer. Dabei wechselt er oft die Perspektive, denn als Philosophie-Student sitzt er selbst wieder im Hörsaal.
Doch die Theorie allein reicht ihm nicht mehr. Lange war Mainzer, mit einer kurzen Unterbrechung, eher das klassische, zahlende Parteimitglied der FDP. Den reinen Beobachterposten hat er nun jedoch endgültig geräumt. „Am Spielfeldrand stehen und meckern, ist einfach”, sagt er offen. „Aber anpacken und wirklich etwas ändern? Das ist die wahre Herausforderung.”
Der Wendepunkt kam im vergangenen Sommer, ganz entspannt im heimischen Garten. Freunde bestärkten ihn: „Wenn wir etwas verändern wollen, müssen wir tun, statt nur zu reden. Du kannst das, Ulf!” Seine Antwort war so pragmatisch wie mutig: „Okay, ich versuche es.” Dass er kurz darauf direkt zum Parteivorsitzenden gewählt wurde, gibt ihm recht, fordert ihn aber auch: „Eine Aufgabe, die ich nicht unterschätzt habe und die mir viel Freude macht, die aber auch erhebliche Energie und Einsatz erfordert.”
Ausdauer als Lebensprinzip
Um bei diesem Pensum nicht den Fokus zu verlieren, braucht Mainzer sein bewährtes Ventil, den Ausdauersport. Ob beim Ötztaler Radmarathon, den Marathons in Berlin und Hamburg oder beim Triathlon, Mainzer ist ein Mann für die Langstrecke. „Ich sitze viel, da brauche ich diesen Ausgleich.”
Dass er nun noch Philosophie aus reiner Leidenschaft studiert, passt ins Bild eines Mannes, der den Blick für das Wesentliche schärfen will. Sein Tag könnte gut 48 Stunden haben: „Ich würde noch viel mehr machen, aber mir fehlt schlicht die Zeit”, gesteht er schmunzelnd.
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