Widerstandskämpfer Franz Boehm: Ein Projekt in der Warteschleife

Christian Seidler vor dem heutigen Seniorenheim, dort wo mal das Marienkloster stand. Foto: cj
Christian Seidler vor dem heutigen Seniorenheim, dort wo mal das Marienkloster stand. Foto: cj

Seit über 30 Jahren wohnt Christian Seidler in Angermund. Der 70-jährige Kaufmann ist das, was man einen Historiker aus Leidenschaft nennt. Doch sein neuestes Projekt über den Pfarrer und Widerstandskämpfer Franz Boehm und seine Zeit im ehemaligen Marienkloster findet keine Unterstützung.

Während seiner Schulzeit entdeckte Seidler sein Interesse für Geschichte, die er aber nicht zu seinem Beruf, sondern zu seinem Hobby machte. Auch wenn der Alltag oft kaum Zeit dafür ließ, forschte er in seiner Freizeit zu familien- und regionalgeschichtlichen Themen. Sein Leitsatz lautet: „Anekdotische Schilderungen gibt es genug, die historische Wahrheit besteht aus Fakten.“ Seidler lebt seit 1989 in Angermund und widmet sich seitdem der Ortsgeschichte. Mehrere Veröffentlichungen zeugen von seinem Ziel, die Vergangenheit Angermunds lebendig zu halten.

Zwar gab es im Vorfeld seines zuletzt veröffentlichten Buches „Angermund im Dritten Reich“ vereinzelte Stimmen, die um den Ruf alteingesessener Familien fürchteten. Doch als das Buch im vergangenen Herbst erschien, traf es auf eine sehr positive Resonanz. Prälat Helmut Moll, Beauftragter der Deutschen Bischofskonferenz für das Martyrologium des 20. Jahrhunderts, machte darauf aufmerksam, dass Pfarrer Franz Boehm (1880–1945) einige Zeit in Angermund verbrachte. Sein Schicksal müsse vor dem Vergessen bewahrt werden. „Boehm gilt als bedeutendes christliches Gewaltopfer der NS-Zeit und war eng mit Düsseldorf und Angermund verbunden.“ Seidler griff diese Anregung auf, und recherchierte eingehend zu Boehm, der 1937/38 sechs Monate im Marienkloster Angermund wohnte, weil die Nationalsozialisten ihn aus dem Regierungsbezirk Köln ausgewiesen hatten. Boehm hatte als Pfarrer von Sieglar bereits seit 1933 deutlich Stellung gegen die Nationalsozialisten bezogen. Er versuchte von Angermund aus, die Bistumsleitung dazu zu bewegen, ihm eine neue Pfarrstelle zuzuweisen. Als der mutige Pfarrer und entschiedene Regimegegner 1938 zum Pfarrer von Monheim berufen wurde, setzte er seinen Widerstand gegen den Nationalsozialismus nahtlos fort. 1944 wurde er verhaftet und im Konzentrationslager Dachau interniert. Dort starb er kurz vor Kriegende an den Folgen einer Gesichtsrose. Boehm wird in Monheim bis heute sehr verehrt. Die dortige Gemeinde hat 2010 ein Seligsprechungsverfahren beantragt, das aber vom Erzbistum Köln noch nicht eingeleitet worden ist.

Pfarrer Franz Boehm im Garten. Foto: Pfarrarchiv St. Gereon Monheim
Pfarrer Franz Boehm im Garten. Foto: Pfarrarchiv St. Gereon Monheim

Seidler investierte viel Zeit und verfasste eine Broschüre, die sowohl die Biografie Boehms als auch die Geschichte des ehemaligen Marienklosters an der Graf-Engelbert-Straße beleuchtet. Das Kloster war in seiner über 100-jährigen Geschichte, die mit seiner Schließung 1963 und dem Abriss der Gebäude 1966 endete, ein wichtiges Stück Identität für Angermund. Als Seidler seinen Text der örtlichen Kirchengemeinde zur honorarfreien Veröffentlichung anbot, lehnt diese dankend ab: „Am Ende hat Pfarrer Boehm ja doch nur eine sehr kurze Zeit in Angermund gewirkt, und ein Widerstandswirken ist für diese Zeit nicht auszumachen.“ Die Arbeitsstelle für das Martyrologium des 20. Jahrhunderts verwies nur auf andere eventuell in Frage kommende Publikationsmöglichkeiten. Eine finanzielle Förderung, mit der Seidler die Broschüre auch selbst veröffentlichen würde, wurde nicht angeboten. Franz Boehm war ein Märtyrer. Er sollte als Mahner und Vorbild auch in Angermund gewürdigt werden. „Warum fordert man, er müsse vor dem Vergessen bewahrt werden und lehnt dann bei der Umsetzung jede Unterstützung ab“, fragt sich Seidler.

Das ehemalige Marienkloster stand in der Graf Engelbert-Straße. Foto: privat
Das ehemalige Marienkloster stand in der Graf Engelbert-Straße. Foto: privat

Nun liegt das fertige Manuskript in der Schublade. Ohne einen Herausgeber oder Sponsoren kann die Broschüre nicht gedruckt werden. Doch Christian Seidler gibt nicht auf. Er sucht Förderer, damit Franz Boehm und das Marienkloster nicht in Vergessenheit geraten. Wer das Projekt unterstützen möchte, kann sich direkt an den engagierten Angermunder wenden: christianseidler@t-online.de.

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