Mehrere Infostände waren am Dienstagnachmittag in der großen Halle des Steinhofs in Huckingen aufgebaut. Drei Stunden lang informierten Mitarbeitende des Essener Unternehmens Open Grid Europe GmbH (OGE) über die geplante CO₂-Leitung Delta Rhine Corridor, die unter anderem auf Duisburger Stadtgebiet verlaufen soll. Besonders die Trassenführung, die unter Umständen den Wegfall von 17 Hektar Wald bedeuten könnte (https://nordbote.de/heftige-kritik-in-der-bv-geplante-co%e2%82%82-trasse-wuerde-viel-wald-zerstoeren), wurde von interessierten Gästen kritisch ins Auge genommen.
Nach Angaben einer Unternehmenssprecherin nutzten 125 Bürgerinnen und Bürger den Dialogmarkt. Im Mittelpunkt hätten vor allem Fragen zur Trassenplanung, insbesondere zur sogenannten Waldvariante, sowie zur technischen Sicherheit von CO₂-Leitungen gestanden: „Die Diskussionen wurden teils engagiert und kritisch geführt. Gleichzeitig zeigte sich, dass viele Gespräche im Verlauf zunehmend sachlich und konstruktiv verliefen. Positiv hervorgehoben wurde von mehreren Besucherinnen und Besuchern, dass OGE bereits in einem frühen Planungsstadium den direkten Dialog sucht und transparent über den aktuellen Stand des Projekts informiert.“
Auf der anderen Seite sorgte das frühe Planungsstadium aber auch für Unmut. Denn viele hatten sich erhofft, genaue Infos zu erhalten, wie die Trasse gerade durch Duisburg verlaufen könnte. Im Gespräch mit NORDBOTE.de erklärte Projektsprecherin Isabelle Wippich den zeitlichen Ablauf: Derzeit erstelle die OGE mehrere 600 Meter breite mögliche Korridore, um die NRW-Industrie mit CO₂-Speichern in der niederländischen Nordsee zu verbinden. Diese Vorschläge im Rahmen der Raumverträglichkeitsprüfung werde das Unternehmen im Herbst bei der Bezirksregierung einreichen. Mit der gutachterlichen Stellungnahme seitens der Bezirksregierung rechne OGE im ersten Quartal 2027 – danach wisse man, welchen Korridor die Bezirksregierung festgelegt habe und könne dann die genaue Trasse innerhalb dieser 600 Meter entwickeln. Mitte 2027 könne wahrscheinlich das Planfeststellungsverfahren bei der Bezirksregierung Arnsberg eingereicht werden. Im Zuge dieses Verfahrens ist eine Öffentlichkeitsbeteiligung vorgesehen.

Von dieser einzigen Veranstaltung in Duisburg dieser Art hatten viele Anwesende erst kurzfristig erfahren. Neben Mitgliedern der Bezirksvertretung Süd und des Rates der Stadt Duisburg informierten sich auch Vertreter von Bürgervereinen vor Ort sowie Menschen, denen besonders der Wald am Herzen liegt. „Das ist ein sehr emotionales Thema, denn es geht um unseren Wald und um unsere Natur“, so die Huckingerin Andrea Ahlemann „Es ist schwierig nachzuvollziehen, dass so ein klimaorientiertes Projekt zu einer Vernichtung der Biodiversität führen würde. Das ist mit gesundem Menschenverstand nicht nachzuvollziehen und schafft daher keine Akzeptanz.“
Stadtförster Stefan Jeschke, der die OGE-Pläne scharf kritisiert hatte, erkennt mittlerweile mehrere und damit auch neue Routen rund um Duisburg: „Diese sind aufgrund unserer Einwände und unserer Kritik entstanden.“ Trotzdem sei es unverständlich, dass Knotenpunkte mitten in Ballungsgebieten liegen.

Die Planer stellten eine neue Nord-Süd-Verbindung dar: mitten durch das Neubaugebiet „6-Seen-Wedau“ – und stießen bei Betrachtern damit auf Unverständnis. Sie hoffen, viel weniger Wald als zunächst dargestellt zerstören zu müssen: Wenn man vorhandene Schneisen nutze, könne der Arbeitsbereich kleiner gehalten werden.
Heide Apel, Fraktionsvorsitzende der Grünen in der Bezirksvertretung Süd, hätte sich einen Informationsvortrag gewünscht, um auf den aktuellen Stand gebracht zu werden. Sie habe die Veranstaltung als Stückwerk empfunden, bei dem man vereinzelt Fragen stellen konnte.
Rainer Kreh, Vorsitzender des Bürgervereins Serm: „Für mich war dieser Nachmittag eine Messe. Leider waren keine verbindlichen Aussagen möglich. Ich hätte mir gewünscht, dass man deutlicher erfährt, wo mögliche Trassen liegen könnten. Die vielen Alternativen zeigen: Alles ist noch möglich. Leider werden wir als Öffentlichkeit erst im Planfeststellungsverfahren eingebunden.“
CDU-Ratsherr Wolfgang Schwertner plädiert ausdrücklich dafür, die Nord-Süd-Verbindung durch den Duisburger Stadtwald aufzugeben und Alternativrouten zu favorisieren: „Dann hätten wir viel von unserem Ziel erreicht.“ Er hätte sich gewünscht, dass die Veranstaltung außerhalb der Sommerferien stattgefunden hätte.
Einige Hintergrundinfos:
CO₂-Transport bezeichnet die Beförderung von abgeschiedenem Kohlendioxid von seinem Entstehungsort – meist industrielle Anlagen – zu Orten, an denen es entweder weiterverwendet oder dauerhaft gespeichert wird. Der Transport erfolgt in der Regel über Pipelines.
Die Kosten für den CO₂-Transport werden laut OGE über Netzentgelte gedeckt, die von den Unternehmen getragen werden, die CO₂ einspeisen oder nutzen. Fördermittel und Amorti-sationsmodelle helfen, die Anfangsinvestitionen abzufedern.
Die Inbetriebnahme auf deutscher Seite plant das Unternehmen derzeit für das Jahr 2033.
Mit dem Bau des CO₂-Transportnetzes soll ein Beitrag zur Erreichung der Klimaziele geleistet werden.


NORDBOTE-Newsletter
Neuste Nachrichten für Düsseldorf-Nord und Duisburg-Süd, Events und Angebote jeden Dienstag- und Freitagmorgen direkt in Ihr Mail-Postfach!
