Treffpunkt für alle: Mixed-Use-Konzept soll „Gut Böckum“ vor dem Verfall retten

Gut Böckum soll nicht zerfallen: Als Kind hat sie oft hier gespielt und eingekauft, nun hat Nadine Holz spannende Gedanken zur weiteren möglichen Nutzung des Gebäudes entwickelt. Unterstützt wird sie vom Vorsitzenden des Huckinger Bürgervereins, Dietmar Ahlemann. Foto: sam
Gut Böckum soll nicht zerfallen: Als Kind hat sie oft hier gespielt und eingekauft, nun hat Nadine Holz spannende Gedanken zur weiteren möglichen Nutzung des Gebäudes entwickelt. Unterstützt wird sie vom Vorsitzenden des Huckinger Bürgervereins, Dietmar Ahlemann. Foto: sam

Bei einem Spaziergang oder einer Radtour rund um Burg Böckum in Huckingen kommen schnell Traurigkeit und Wut auf: Seit Jahren liegt das Gelände verlassen da und verfällt immer mehr. Nadine Holz will das nicht einfach hinnehmen und hat sich Gedanken über eine neue Nutzung gemacht. Damit stößt sie auf breite Zustimmung. Auch Dietmar Ahlemann, Vorsitzender des örtlichen Bürgervereins, unterstützt zum Beispiel eine gemeinnützige Nutzung.

Verschiedene Investoren wollten auf dem Gelände der einzigen erhaltenen Wasserburg in Duisburg seit 2013 vor allem Luxuswohnungen bauen (https://nordbote.de/haus-boeckum-zustand-wird-alle-zwei-wochen-dokumentiert-und-steht-zum-verkauf). Der aktuelle Besitzer hat von diesem Plan Abstand genommen. Nach Angaben von Ahlemann habe er sich auf andere Projekte konzentriert. Sein Anwalt habe gegenüber dem WDR jetzt bestätigt, dass er den Verkaufspreis deutlich senken würde, wenn die Immobilie zu einem nicht unerheblichen Teil einer gemeinnützigen Nutzung zugeführt würde.

Was könnte hier also entstehen? Nadine Holz hat mit Hilfe von Künstlicher Intelligenz (KI) ihre Visionen für das Gelände entwickelt und grafisch dargestellt. Entstanden ist ein Mixed-Konzept, bei dem alle gegenseitig voneinander profitieren könnten: Neben einem Hofladen könnte ein Restaurant oder Café entstehen, in dem auch Menschen mit Behinderungen arbeiten könnten – nach dem Vorbild vom „Ziegenpeter“ im Rheinpark. „Die vorhandene Natur mit Obstbäumen könnte direkt genutzt und durch einen Gemüsegarten ergänzt werden“, stellt die 34-Jährige ihre Idee vor. Ein großer inklusiver Spielplatz, der auch für Kinder geeignet sein soll, die in Rollstühlen sitzen, könnte ein weiterer Anziehungspunkt werden. So könnte ein Treffpunkt für alle entstehen, ergänzt durch eine Freilichtbühne, etwa für Konzerte oder Kindertheater. Auch ein Sitzbereich für Picknickmöglichkeiten wäre möglich.

Im bisherigen Turm, der zusammen mit dem Herrenhaus an der Ostseite 1661 errichtet wurde und zum wertvollsten Teil des Guts zählt, sei ein Museum denkbar. In der bisherigen Scheune könnte ein inklusives Wohnprojekt oder Mehrgenerationenhaus verwirklicht werden. Dazu führt Ahlemann aus: „Es ist wichtig, dass das Gelände dauerhaft bewohnt ist, um mutwillige Zerstörungen oder Brandstiftungen vorzubeugen.“

An einigen Stellen musste das alte Gebäude abgestützt werden. Offene Stellen lassen die Feuchtigkeit durch. Foto: sam
An einigen Stellen musste das alte Gebäude abgestützt werden. Offene Stellen lassen die Feuchtigkeit durch. Foto: sam

Ende Januar hat Nadine Holz ihre Gedanken auf Instagram geteilt, unter „PureBoeckum“ – eine Vision für Gut Böckum, historischer Backstein trifft Landhausdesign. Interesse und Zuspruch seien riesig, die Freude über eine mögliche Rettung sei groß. Im Gespräch mit NORDBOTE.de führt die Logopädin, die in Huckingen aufgewachsen ist, aus: „Ich freue mich über das große Fachwissen in meinem Bekanntenkreis und der Umgebung. Alle haben tolle Vorschläge und möchten unterstützen.“

Um die alte Wasserburg darf man derzeit nicht ganz herum gehen. Foto: sam
Um die alte Wasserburg darf man derzeit nicht ganz herum gehen. Foto: sam

Wie geht es weiter? Ahlemann möchte Ideen sammeln, welche Träger infrage kämen, welche Fördertöpfe und Drittmittel genutzt werden könnten: „Es braucht jemanden, der mit dicken, tiefen Taschen daherkommt und bereit ist, das Objekt herzurichten.“ Beispielsweise seien Stiftungen dafür geeignet. Das weitere Vorgehen möchte der Huckinger mit der Lokalpolitik abstimmen, um dann gegebenenfalls auch an die Stadtspitze heranzutreten. Die ersten Rückmeldungen aus der Lokalpolitik seien grundsätzlich positiv bis begeistert. Auch die Mitglieder des Bürgervereins hätten bei der Jahreshauptversammlung positiv auf die Ideen reagiert. „Sie würden sich sehr freuen, wenn die Burg erhalten bliebe“, so Ahlemann. Das Gelände könnte zu einem weiteren Ort im Duisburger Süden für bürgerschaftliches Engagement werden.

„Wir müssen es probieren!“, sind sich Nadine Holz und Dietmar Ahlemann einig. „Sonst verfällt die Burg oder sie wird abgebrannt.“ Wer Vorschläge hat, wie sich das Projekt mit gemeinnütziger Nutzung realisieren lassen könnte, kann sich entweder an Nadine Holz auf Instagram („Pureboeckum“) oder an den Bürgerverein Huckingen wenden (E-Mail: info@huckingen.de).

NORDBOTE-Newsletter
Neuste Nachrichten für Düsseldorf-Nord und Duisburg-Süd, Events und Angebote jeden Dienstag- und Freitagmorgen direkt in Ihr Mail-Postfach!

2 Kommentare

  1. Ich bin im Duisburger Süden aufgewachsen,mit den Fahrrädern mussten wir oft am Guts Hof vorbeifahren um in Huckingen zur Schule zukommen,dort wo unser Proberaum der Band war.Auch später bin ich oft mit meiner Familie zum Einkaufen zum Guts Hof gefahren.Ich bin interessiert mich dort einzubringen,Ich habe selber Restaurants gehabt bin Fleischermeister und Koch.In Xanten hatten wir die Südsee mit Kegelbahn und vieles mehr. Würde gerne beim Konzept helfen.Es gibt viele Möglichkeiten.

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert