Es war ein Satz, der die Republik veränderte. Vier Worte auf einem Plakat, gedruckt im Jahr 1956, aufgehängt in Fabrikhallen und an Litfaßsäulen: „Samstags gehört Vati mir.“ Damals arbeiteten Industriearbeiter bis zu 49 Stunden die Woche – verteilt auf sechs Tage. Der Samstag gehörte dem Chef. Die Familie wartete.
Der Deutsche Gewerkschaftsbund machte daraus eine Kampagne – und die Kampagne wurde zur Bewegung. Die Forderung war klar: 40 Stunden, fünf Tage, freier Samstag. Nicht als Geschenk, sondern als Recht. Der Steinkohlebergbau machte 1959 den Anfang, Banken und Versicherungen folgten, die Metallindustrie erst 1967. Ein Jahrzehnt Kampf für einen freien Tag.
Dabei war der 1. Mai selbst schon lange Symbol des Widerstands. 1886 gingen Arbeiter in Chicago für den Acht-Stunden-Tag auf die Straße – und bezahlten es mit ihrem Leben. Seit 1890 wird der Tag in Deutschland begangen. Seit 1933 ist er gesetzlicher Feiertag – zunächst von den Nationalsozialisten vereinnahmt, nach dem Krieg neu erkämpft.
Heute grillen wir, feiern, genießen den freien Tag. Das ist gut so. Aber vielleicht lohnt es sich, beim ersten Bier kurz innezuhalten – und an die vier Worte zu denken, die den Samstag befreiten.
NORDBOTE-Newsletter
Neuste Nachrichten für Düsseldorf-Nord und Duisburg-Süd, Events und Angebote jeden Dienstag- und Freitagmorgen direkt in Ihr Mail-Postfach!
