Wer morgens gegen 6 Uhr in den Zustellstützpunkt der Deutschen Post am Kieshecker Weg 98 in Unterrath kommt, erlebt ein ungewohntes Bild. Bevor die Zusteller zu ihren Touren aufbrechen, stellen sie sich in der Halle auf und dehnen sich gemeinsam, angeleitet von Sportwissenschaftler und Coach Hanjo Fritzsche. Hinter dem Frühsport steckt das Gesundheitsprogramm Ergo², das nach einer erfolgreichen zweijährigen Pilotphase jetzt breit ausgerollt wird.

Der Arbeitsalltag von Postboten ist körperlich anspruchsvoll, vom Heben schwerer Pakete bis zum sicheren Tritt auf unebenen Gehwegen. Fritzsche trainiert mit den Zustellern deshalb rückenschonendes Heben und Tragen und kombiniert es mit Übungen für den Gleichgewichtssinn, die Stolper- und Sturzunfälle auf schwierigem Untergrund wie Treppen oder Schotterwegen vermeiden sollen. Gecoacht wird in fünfwöchigen Trainingsphasen täglich, im Stützpunkt und unterwegs im Bezirk, damit die gesunden Routinen dauerhaft im Arbeitsalltag verankert bleiben.

Viele Übungen passen direkt in den Arbeitsablauf. Mit einem Ausfallschritt lassen sich schwere Pakete rückenschonend entladen, und wer beim Scannen von Sendungen einbeinig balanciert, aktiviert ganz nebenbei die tiefe Rumpfmuskulatur. Solche „Mikro-Übungen“ sollen mit festen Signalen verknüpft werden, etwa einem regelmäßigen, bewussten Lockern der Schultern. „Wichtig ist, die Übungen in der Arbeitsroutine konsequent umzusetzen und sich gegenseitig zu unterstützen“, erklärt Fritzsche. „So können aus wiederholten kleinen Übungen feste Gewohnheiten werden, die den Rücken entlasten und dabei helfen, Unfälle zu vermeiden.“

An den Pilotstandorten gingen Muskel-Skelett-Erkrankungen und Stolperunfälle nach Angaben der Deutschen Post deutlich zurück. Ingo Kutsch, Niederlassungsleiter im Unternehmensbereich Post & Paket Deutschland, sagt: „Die Gesundheit der Mitarbeitenden hat für uns als Arbeitgeber oberste Priorität. Mit dem jetzt breit ausgerollten Konzept verankern wir Prävention noch stärker und strukturierter im Arbeitsalltag statt nur in punktuellen Maßnahmen.“
Flankierend wird bei der Post eine gesetzliche Gewichtsbegrenzung von Paketen auf 23 Kilogramm befürwortet. Eine solche Grenze gilt dort angesichts des wachsenden Paketgeschäfts als Beitrag zum langfristigen Gesundheitsschutz der Zustellerinnen und Zusteller. Für seine Wirkung wurde Ergo² mit dem Corporate Health Award 2025, Sonderpreis „Ergonomics“, ausgezeichnet.
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Ein Kommentar
Unser Paketzusteller aus Unterrath war auch dabei. Wir sind begeistert von ihm 👍