Postzusteller in Unterrath trainieren vor der Tour ihren Rücken

Sportwissenschaftler Hanjo Fritzsche macht den Zustellern im Stützpunkt am Kieshecker Weg 98 die Dehnübungen vor, bevor die Touren beginnen. Foto: ah
Sportwissenschaftler Hanjo Fritzsche macht den Zustellern im Stützpunkt am Kieshecker Weg 98 die Dehnübungen vor, bevor die Touren beginnen. Foto: ah

Wer morgens gegen 6 Uhr in den Zustellstützpunkt der Deutschen Post am Kieshecker Weg 98 in Unterrath kommt, erlebt ein ungewohntes Bild. Bevor die Zusteller zu ihren Touren aufbrechen, stellen sie sich in der Halle auf und dehnen sich gemeinsam, angeleitet von Sportwissenschaftler und Coach Hanjo Fritzsche. Hinter dem Frühsport steckt das Gesundheitsprogramm Ergo², das nach einer erfolgreichen zweijährigen Pilotphase jetzt breit ausgerollt wird.

Vor dem gemeinsamen Training erklärt Coach Hanjo Fritzsche den Zustellern, wie kleine Übungen im Arbeitsalltag den Rücken entlasten. Foto: ah
Vor dem gemeinsamen Training erklärt Coach Hanjo Fritzsche den Zustellern, wie kleine Übungen im Arbeitsalltag den Rücken entlasten. Foto: ah

Der Arbeitsalltag von Postboten ist körperlich anspruchsvoll, vom Heben schwerer Pakete bis zum sicheren Tritt auf unebenen Gehwegen. Fritzsche trainiert mit den Zustellern deshalb rückenschonendes Heben und Tragen und kombiniert es mit Übungen für den Gleichgewichtssinn, die Stolper- und Sturzunfälle auf schwierigem Untergrund wie Treppen oder Schotterwegen vermeiden sollen. Gecoacht wird in fünfwöchigen Trainingsphasen täglich, im Stützpunkt und unterwegs im Bezirk, damit die gesunden Routinen dauerhaft im Arbeitsalltag verankert bleiben.

Hanjo Fritzsche hat Stella Moliterno gecoacht und mit Übungen von ihren Nackenschmerzen befreit. Foto: ah
Hanjo Fritzsche hat Stella Moliterno gecoacht und mit Übungen von ihren Nackenschmerzen befreit. Foto: ah

Viele Übungen passen direkt in den Arbeitsablauf. Mit einem Ausfallschritt lassen sich schwere Pakete rückenschonend entladen, und wer beim Scannen von Sendungen einbeinig balanciert, aktiviert ganz nebenbei die tiefe Rumpfmuskulatur. Solche „Mikro-Übungen“ sollen mit festen Signalen verknüpft werden, etwa einem regelmäßigen, bewussten Lockern der Schultern. „Wichtig ist, die Übungen in der Arbeitsroutine konsequent umzusetzen und sich gegenseitig zu unterstützen“, erklärt Fritzsche. „So können aus wiederholten kleinen Übungen feste Gewohnheiten werden, die den Rücken entlasten und dabei helfen, Unfälle zu vermeiden.“

Vom Zustellstützpunkt am Kieshecker Weg 98 aus brechen die Zustellerinnen und Zusteller täglich zu ihren Touren im Norden von Düsseldorf auf. Foto: ah
Vom Zustellstützpunkt am Kieshecker Weg 98 aus brechen die Zustellerinnen und Zusteller täglich zu ihren Touren im Norden von Düsseldorf auf. Foto: ah

An den Pilotstandorten gingen Muskel-Skelett-Erkrankungen und Stolperunfälle nach Angaben der Deutschen Post deutlich zurück. Ingo Kutsch, Niederlassungsleiter im Unternehmensbereich Post & Paket Deutschland, sagt: „Die Gesundheit der Mitarbeitenden hat für uns als Arbeitgeber oberste Priorität. Mit dem jetzt breit ausgerollten Konzept verankern wir Prävention noch stärker und strukturierter im Arbeitsalltag statt nur in punktuellen Maßnahmen.“

Flankierend wird bei der Post eine gesetzliche Gewichtsbegrenzung von Paketen auf 23 Kilogramm befürwortet. Eine solche Grenze gilt dort angesichts des wachsenden Paketgeschäfts als Beitrag zum langfristigen Gesundheitsschutz der Zustellerinnen und Zusteller. Für seine Wirkung wurde Ergo² mit dem Corporate Health Award 2025, Sonderpreis „Ergonomics“, ausgezeichnet.

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