Nachbarschaft in Israel: Was Juden und Araber in Israel erleben

Igal Avidan erzählte den Anwesenden, warum er sein jüngstes Buch mit „ … und es werde Licht!“ betitelt hat. Foto: sam
Igal Avidan erzählte den Anwesenden, warum er sein jüngstes Buch mit „ … und es werde Licht!“ betitelt hat. Foto: sam

Meistens sind es die Geschichten aus der Nachbarschaft, von nebenan, die das interkulturelle Leben in einem Land spiegeln. Diese hatte am Freitag, 24. Oktober, der in Tel Aviv geborene Schriftsteller und Journalist Igal Avidan mit dabei. In der Stadtteilbücherei der Gesamtschule Süd erzählte er über das jüdisch-arabische Zusammenleben in Israel. Sie stammen aus seinem Buch „ … und es werde Licht!“ Organisiert hatte diese Lesung der Bürgerverein Großenbaum-Rahm. Die zweite Vorsitzende, Petra Berndorf, bedankte sich für die finanzielle Unterstützung durch das Bundesprogramm „Demokratie leben!“ Eine wichtige Aufgabe des Bürgervereins sei es, den gesellschaftlichen Zusammenhalt in der Nachbarschaft zu fördern – dazu passe das Thema dieser Lesung.

Igal Avidan wurde 1962 geboren, studierte in Israel Informatik und Englische Literatur. Seit 1990 arbeitet er als freier Berichterstatter aus Berlin für israelische und deutsche Zeitungen und Hörfunksender. Knapp 50 Zuhörerinnen und Zuhörer lauschten in Großenbaum seinen Erlebnissen, die er bei zwei Reisen in unterschiedliche Städte Israels gesammelt hat. Er schildert seine Interviews als sehr bewegende Geschichten und greift nur selten zu seinem Buch, um direkt daraus zu lesen.

Der Nahostexperte erzählt von Begebenheiten, wie Juden und Araber in Israel zusammenleben. Dabei redet er mit beiden Gruppen, lässt sie zu Wort kommen, zeigt ihre verschiedenen Perspektiven auf. Dazu führte er Interviews in Akko, Haifa, Jaffa (einem Stadtteil von Tel Aviv), Lod und Ramle sowie Jerusalem und einem Kibbuz durch.

In seinem Vorwort schreibt Igal Avidan: „ … ich bevorzugte Brückenbauer gegenüber Brandstiftern.“ Nach der Corona-Pause reiste er 2022 nach und durch Israel. Er erläutert seine Beweggründe: „Während der gewaltsamen Ausschreitungen im Mai 2021 war ich schockiert von der arabischen Gewalt, schämte mich für die jüdische und fand Trost in Elrians menschlicher Geste.“ Bei seinem Besuch wollte er den „Menschen an der Front“ begegnen – und ihnen zuhören, „vor allem denjenigen, die an ein Zusammenleben glauben – aller Gewalt und Zerstörung zum Trotz.“

An diesen spannenden, sehr menschlichen Begegnungen lässt der Journalist sein Publikum teilhaben. Er unterstreicht seine Geschichten mit Fotos, verdeutlicht mit Gesichtern und Gebäuden das Erlebte. Im Kibbuz sprach er mit Noha Khatib, einer „Expertin für zwischenmenschliche Beziehungen, Werte und Bildung sowie dafür, Gruppen aus verschiedenen Kulturen zusammenzuführen, auch mittels jüdischer Geschichte und der Shoah.“ Als erster orientalischer Direktor eines Shoah-Museums in Israel schreibt Yigal Cohen Geschichte.

Igal Avidan las auf Einladung des Bürgervereins Großenbaum/Rahm. Begrüßt wurde er von Vorsitzender Heike Schmitz-Fehlberg (links) sowie deren Stellvertreterin, Petra Bernsdorf. Foto: sam
Igal Avidan las auf Einladung des Bürgervereins Großenbaum/Rahm. Begrüßt wurde er von Vorsitzender Heike Schmitz-Fehlberg (links) sowie deren Stellvertreterin, Petra Berndorf. Foto: sam

Die Gäste verfolgen gebannt, wie ein arabischer Krankenpfleger in Akko in der zweiten Krawallnacht als Friedensstifter unterwegs war und einem Juden das Leben rettete. Auch die Lebensgeschichte von Uri Buri fasziniert. Der Restaurantbesitzer mit deutsch-jüdischer Familiengeschichte ist sehr bekannt und beliebt, hat auch arabische Kellner. Er gibt nicht auf, als sein Geschäft bei den Krawallen in Brand gesetzt wird.

Im Gemeindezentrum Chicago in Lod finden verschiedene Aktivitäten jüdischer und arabischer Kinder, Jugendlicher und Erwachsener statt. Oben wird das Chanukka-Fest gefeiert, unten steht ein Tannenbaum – gemeinsame Aktivitäten wären die Erfüllung eines Traums.

Zu oft dominieren negative Schlagzeilen

Den Titel seines Buchs hat Igal Avidan aus einer Geschichte, die sich in Lod abspielte: Im Treppenhaus gab es wegen unbezahlter Rechnungen keinen Strom. Ein Großteil der Summe wurde erlassen, die restlichen 900 Schekel zahlten die acht Familien im Haus – vier jüdische und vier arabische. Nach einem Jahr baute der arabische Nachbar eine Schaltzeituhr ein: Er wusste, dass Juden kein Licht am Schabbat anzünden dürfen.

Am Ende des Abends waren sich alle einig, dass der persönliche Dialog unter Arabern und Juden sowohl verstärkt werden als auch mehr in die Öffentlichkeit herausgetragen werden müsse. Dass er selbst einmal US-Präsident Donald Trump für seine Friedensbemühungen dort loben würde, hätte er nie gedacht, gab er zu. Viel zu oft würden die negativen Schlagzeilen dominieren. Nicht alle Geschichten gehen glücklich aus, aber einen Hoffnungsschimmer gibt es immer.

Während seiner Reisen durch Israel interviewte der Schriftsteller und Journalist viele Menschen. Fotos: sam
Während seiner Reisen durch Israel interviewte der Schriftsteller und Journalist viele Menschen. Fotos: sam

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