Nach 35 Jahren als ehrenamtlicher Lokalpolitiker in der Bezirksvertretung 5 kandidiert Jürgen Gocht bei der damaligen Lad am 14. September nicht mehr für ein politisches Mandat. Jetzt, im Alter von 77 Jahren, steht für ihn die Familie im Vordergrund. Er ist verheiratet, hat fünf Kinder, davon ein Pflegekind, und drei Enkel. Sein pragmatisches, soziales Engagement für die Gemeinschaft ging aber weit über sein politisches Mandat hinaus.
Im Alter von acht Jahren kam er mit seinen Eltern aus Sachsen „in den Westen“. Er erlernte den Beruf eines Feinmechanikers, arbeitete dann aber zehn Jahre für die Deutsche Lufthansa. Dabei lernte er die weite Welt kennen und übernahm als Purser Verantwortung für das Kabinenpersonal. Über Josef Beuys war er Gründungsmitglied der „Grünen“ und wurde schließlich mit zwei weiteren Gesellenbriefen selbstständiger Restaurator. Diesen Betrieb gab er an einen Mitarbeiter ab.
Mit diesen Erfahrungen und drei Gesellenbriefen baute er ab 1986 die Jugendberufshilfe der Stadt Düsseldorf im Düsseldorfer Norden mit auf, wurde hier der Betriebsleiter. In Kooperation mit städtischen Ämtern, gemeinnützigen Einrichtungen, Arbeitsagentur, vielen anderen Institutionen, Firmen, Vereinen und auch dem Flughafen brachte er Jugendliche auf den Weg und in ein Berufsleben. Unzählige Projekte hat er angestoßen und umgesetzt im Interesse der Jugendlichen und des Gemeinwohls. Als Mitglied und 32 Jahre als erster Vorsitzender des Anstaltsbeirats der Justizvollzugsanstalt „Ulmer Höhe“ und an der Oberhausener Straße erreichte er, dass Jugendliche mit einer „gelben Karte“ statt untätig in der Zelle zu sitzen „Sozialstunden“ für gemeinnützige Zwecke ableisten konnten. Er schuf erfolgreich und beispielgebend eine Anlaufstelle für Bürger, Bürgerinnen und Flüchtlinge im „Welcome Point“ an der Niederrheinstraße. Mitte der 2010er Jahre beendete er seine Arbeit für die Jugendberufshilfe.
Sein Mandat als Lokalpolitiker in der Bezirksvertretung fünf hatte 1989 begonnen, zunächst als einfaches Mitglied, dann als Fraktionsvorsitzender seiner Partei und schließlich als erster stellvertretender Bezirksbürgermeister. Hier vertrat er energisch und wortreich die Interessen der Bürger im Stadtbezirk, wenn auch gelegentlich die Parteikollegen im Rat der Stadt andere Auffassungen vertraten. Das betraf zum Beispiel, wenn auch letztlich ohne durchschlagenden Erfolg, zuletzt die Brücke der U81 über den Nordstern und die Dächer der Stockumer und Lohauser Anlieger. Der „Eventfläche“ auf dem mit Bäumen begrünten Messeparkplatz stellte er sich ebenfalls entgegen.
Jürgen Gocht zeichnet sich durch Pragmatismus, nicht durch Ideologie aus. Er selbst beschreibt sich: „Den Menschen zuhören war und ist immer für mich eine Verpflichtung. Das Knüpfen von Kontakten und das Verknüpfen dieser Kontakte war und ist mir auch heute noch sehr wichtig und Grundbedingung für eine fruchtbare Arbeit mit und für die Bürgerinnen und Bürger.“
Gegenüber den NORDBOTE erklärte Jürgen Gocht, jetzt sei er beruflich und politisch endgültig im Ruhestand. Aber wer weiß, vielleicht ist doch noch Bedarf oder er findet einen unausweichlichen Ansatz, sich weiter für das Gemeinwohl oder ein soziales Projekt zu engagieren.
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