Interview mit Ewald Lienen
„Und immer schön auf dem Teppich bleiben“

Intelligent und wortgewandt wird der frühe Fußballprofi und -trainer Ewald Lienen unter anderem akribisch das Geschehen rund um den Fußball am 18. September im Steinhof sezieren. Foto: Markus Tedeskino
Intelligent und wortgewandt wird der frühe Fußballprofi und -trainer Ewald Lienen unter anderem akribisch das Geschehen rund um den Fußball am 18. September im Steinhof sezieren. Foto: Markus Tedeskino

Der ehemalige Profifußballer Ewald Lienen kommt am Donnerstag, 18. September, in den Steinhof nach Huckingen: „Fußball und wie das Leben so spielt“. Für NORDBOTE.de stellte Sabine Merz ihm im Vorfeld Fragen zu Fußball, Politik und seinem bevorstehenden Auftritt.

Sie haben als Profifußballer nur bei drei Vereinen gespielt, nämlich Arminia Bielefeld (5 Jahre), Borussia Mönchengladbach (8 Jahre) und MSV Duisburg (5 Jahre). Für welchen Verein schlägt Ihr Herz heute?

Jeder Verein, in dem ich tätig war, hat für mich eine besondere Bedeutung. Auch die, in denen ich als Trainer gearbeitet habe.
Arminia Bielefeld ist mein Heimatverein. Dort begann meine Karriere im Profifußball.
Borussia Mönchengladbach hat mir die Möglichkeit gegeben, auf hohem Niveau Fußball zu spielen. Dort habe ich am meisten gelernt, vor allem unter Udo Lattek und Jupp Heynckes. Durch die Spiele im internationalen Wettbewerb erschloss sich mir eine neue Welt. Die Reisen ins Ausland weckten in mir eine Sehnsucht, irgendwann in einem anderen Land arbeiten zu können. Als Trainer ist es mir schließlich gelungen.
Mönchengladbach ist aber auch vor allem die Station, in der ich mich sowohl sportlich als auch persönlich entscheidend weiterentwickelt habe. Dort traf ich meine Frau Rosa, wir gründeten eine Familie und unser Sohn Joscha wurde geboren.
Der MSV war ebenfalls eine sehr wichtige Station für mich. Ich hatte mich reamateurisieren lassen, um mein Studium zu beenden. Dass wir mit dem MSV zweimal aufgestiegen sind und dann sogar in der 1. Bundesliga spielten, hatte meine Pläne zunichtegemacht. Ich absolvierte zeitgleich meine Trainerausbildung, übernahm die Amateurmannschaft und wurde am Ende meiner aktiven Karriere zunächst Sportdirektor und dann Trainer. Das war’s dann mit dem Studium. Rückblickend würde ich sagen, dass der MSV die arbeitsintensivste und eine sehr emotionale Station war.

Sowohl Bielefeld als auch Duisburg schwimmen derzeit auf einer Erfolgswelle. Worauf führen Sie dies zurück und sehen Sie beide Mannschaften auch am Saisonende auf den Aufstiegsplätzen?

Das ist eine sehr interessante Frage, die nicht so einfach zu beantworten ist. Erfolg ist immer wünschenswert. Aber der Fußball ist ein komplexes System. Jeder Verein ist abhängig von den äußeren Gegebenheiten. Da gibt es Aufsichtsräte, Vorstände und Sponsoren auf der einen Seite. Sportdirektoren, Trainer und Mannschaften stehen unter einem enormen Erfolgsdruck. Sie MÜSSEN liefern. Denn ohne Erfolg kommen Vereine in finanzielle Schieflagen. Unter Umständen müssen Mitarbeiter entlassen werden. Damit verbunden sind dann persönliche Katastrophen.
Arminia Bielefeld und der MSV Duisburg sind besondere Vereine, die von einer treuen, wunderbaren Fanbase getragen werden. Egal in welcher Liga sie sich befinden. Ich wünsche beiden Vereinen, dass sie weiterhin Erfolg haben, wohin dieser auch immer führt. Für mich ist ENTWICKLUNG das Zauberwort. Die Vereine sollten sich finanziell und sportlich konsolidieren, klug investieren und entscheiden. Und immer schön auf dem Teppich bleiben. Damit ist der Grundstein für den nächsten Schritt, nämlich in eine höhere Liga, gelegt.

Ewald Lienen hat viel Interessantes aus seinem Leben zu berichten. Foto: privat
Ewald Lienen hat viel Interessantes aus seinem Leben zu berichten. Foto: privat

Sie sind kürzlich wieder nach Schloß Holte-Stukenbrock gezogen, dort war auch Ihr Ausbildungsverein VfB Schloß Holte. Ist damit für Sie die Reise durch Deutschland und Europa zu Ende?

Wer weiß, wohin der Weg meine Frau und mich führt. Das werden wir dann sehen.

Ihr Kollege Friedhelm Funkel ist genauso alt wie Sie (71), er hat im Sommer dieses Jahres zum wiederholten Male kurzfristig eine Mannschaft übernommen und danach sogar signalisiert, dass er sich vorstellen könnte, den 1. FC Köln dauerhaft zu übernehmen. Würde es Sie reizen, bei einem entsprechenden Angebot auch nochmal auf die Trainerbank zurückzukehren?

Nein. Daran denke ich gar nicht. Mein Leben ist ausgefüllt mit Tätigkeiten, die mich sehr fordern und erfüllen.

Sie gelten als ein sehr politischer Mensch, der sich zeitlebens für Frieden und Abrüstung eingesetzt hat. Derzeit passiert vor dem Hintergrund des Russland-Ukraine-Krieges das genaue Gegenteil. Wie bewerten Sie dies und befürworten Sie Aufrüstung in Deutschland?

An viel zu vielen Ecken auf dieser Welt gibt es Brandherde. Das verunsichert die Menschen zutiefst. Der Wunsch nach mehr Sicherheiten wird bei den Menschen immer größer. Aber auf welche Sicherheiten können wir zählen? Auf Bündnispartner wie die USA? Mitnichten! Trump und Konsorten sind unberechenbar. Russland, China und Nordkorea sind dabei, eine neue Weltordnung zu schaffen. Wir haben nur eine Chance, indem wir eine engere Allianz mit unseren europäischen Freunden eingehen. Ob uns das gefällt oder nicht: Wir müssen aufrüsten, um uns zu verteidigen. Ich befürworte immer diplomatische Wege. Aber die mächtigen Despoten wollen das nicht und verhindern das.

Sowohl Ex-Wirtschaftsminister Habeck als auch Tote-Hosen-Sänger Campino haben gesagt, dass sie heute wahrscheinlich nicht mehr den Wehrdienst verweigern würden. Wie würden Sie diese Frage heute für sich beantworten?

Meine Haltung hat sich nicht geändert. Ich verabscheue jede Art von Gewalt. Eine Waffe in die Hand zu nehmen, widerstrebt mir zutiefst. Einen Menschen töten? Das kann ich nicht! Dann putze ich lieber Latrinen.

Zurück zum Fußball. Soll nach Ihrer Auffassung die 50+1-Regel in Deutschland weiterhin bestehen bleiben oder sollte sich die Bundesliga ebenfalls für Investoren öffnen?

Auch hier hat sich meine Haltung nicht verändert. 50+1 muss weiterhin bestehen bleiben. Wenn Investoren die Bundesliga einnehmen, sind wir verraten und verkauft. Und das will die Mehrheit der Vereine und die Mehrheit der Fans nicht. Ich sowieso nicht.

Gehen Sie heute noch als Zuschauer zu Spielen ins Fußballstadion oder verfolgen Sie das aktuelle Geschehen ausschließlich im Fernsehen?

Ich gehe öfter und auch gerne ins Fußballstadion. In dieser jungen Saison war ich beim MSV und bei Arminia Bielefeld. Ab und zu gehe ich auch zum VfB Schloß Holte. Demnächst auch mal wieder zu Borussia Mönchengladbach, dem FC St. Pauli und zum 1. FC Köln. Aber meistens schaue ich fast alle Spiele im Fernsehen und auf dem Laptop. Zeitgleich. Die gewonnenen Erkenntnisse werden natürlich notiert und am darauffolgenden Montag in dem Podcast „der Sechzehner“ analysiert und diskutiert. Da geht es zwischen meinem Podcast-Partner Michael Born und mir bisweilen hoch her.

Worauf können sich die Gäste freuen, die am 18. September in den Steinhof nach Duisburg-Huckingen kommen?

Mein Podcast-Partner und Freund Michael Born wird den Abend moderieren. Wir haben zusammen viel Spaß, wir lachen, wir beschimpfen uns und können sehr emotional sein. Wir sprechen über mein Leben, meine Karriere und über Themen, die mich in diesem meinen Lebensabschnitt begleiten und in denen ich arbeite. Bei jedem unserer Auftritte haben wir einen prominenten Gast. In Duisburg wird es mein Ex-Spieler und die heutige MSV-Ikone Joachim Hopp („Hoppi“) sein. Und es gibt Musik von meinen Freunden Jupp Götz und Kim Merz. Wir möchten unserem Publikum einen unterhaltsamen, informativen und heiteren Abend bieten. Und wenn die Jungs und Mädchen vom Steinhof uns nicht vorher von der Bühne holen, kann der Abend sehr lang werden.

Ein Foto aus alten Zeiten: Ewald Lienen mit seinem Sohn, der heute noch ein großer MSV-Fan ist. Foto: privat
Ein Foto aus alten Zeiten: Ewald Lienen mit seinem Sohn, der heute noch ein großer MSV-Fan ist. Foto: privat

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