Wie kann und soll Kirche in Buchholz aussehen? Um die Kirche St. Judas Thaddäus sowie das Karl-Martin-Haus (KMH) zu ertüchtigen, müssen mindestens drei Millionen Euro aufgebracht werden. Etwa 200 katholische Gemeindemitglieder durften am Mittwoch, 4. Juni, ihre Meinungen äußern, bevor die Gremien in naher Zukunft weiter darüber beraten werden, wie Geld sinnvoll investiert werden soll.
Die „verkleinerte“ Kirche an der Münchener Straße war voll besetzt. Seit fast zwei Jahren ist der Altarraum gesperrt, weil unter anderem die Decke marode ist. Also wurde der „Notaltar“ nach vorne gezogen. Die Schäden an der Innendecke sind ein sichtbares Zeichen für den desolaten Zustand des 120 Jahre alten Gebäudes, den Verwaltungsleiter Uwe Becker nach der Begrüßung durch Pfarrer Andreas Brocke aufzeigte. Im Sommer 2023 seien die massiven Schäden bei der Begehung des Dachstuhls aufgefallen: „An vielen Stellen konnte man den Himmel sehen!“ Die Gewölbe seien durchnässt gewesen – hier habe das Wasser sich wohl mindestens 10 bis 15 Jahre lang seinen Weg gesucht. 100.000 Euro seien in eine provisorische Reparatur geflossen.
Auf Dauer müsste der gesamte Schieferbelag ebenso erneuert werden wie beschädigte Dachbalken, Fassade, Querschiff und Altarraum. Die Kosten werden auf 1,1 Millionen Euro geschätzt. Weitere 400.000 Euro würden für den Chorraum benötigt. Weitere Kosten: 500.000 Euro für den Innenraum der Kirche sowie mindestens eine Million Euro für das KMH. Rücklagen seien nicht viele vorhanden, die Pfarrei würde jedes Jahr einen hohen sechsstelligen Betrag Verlust machen.

Brocke wies darauf hin, dass die Gemeinde überlegen müsse, wie man weiterhin Gottesdienste feiern, von Gott erzählen, Gemeinschaft leben und für andere da sein könne. Er unterstrich, dass die Tragweite dieser bald zu treffenden Entscheidung über die nächsten Jahrzehnte hinweg die Pfarrei belasten werde. Er stellte vier mögliche Lösungsansätze zur Diskussion: Beide Gebäude werden so genutzt wie bisher; die Aktivitäten im KMH würden in das Kirchengebäude integriert; die Aktivitäten in der Kirche würden in das KMH verlagert; oder Platz für einen Neustart, um neue Ideen zu entwickeln. Bei guten Ideen seien sicherlich Querfinanzierungen möglich. Brocke betonte, dass derzeit keine Grundstücke zum Verkauf stünden. Derzeit stehe die Kirche nicht unter Denkmalschutz.

Seit dem Neujahrsempfang, bei dem Becker öffentlich auf die prekäre Situation aufmerksam gemacht hatte, konnten die Gemeindemitglieder ihre Wünsche, Vorstellungen und Lösungsmöglichkeiten äußern – auf Plakatwänden, im Internet oder in zahlreichen Gesprächen. Jetzt nutzten sie das Treffen in der Kirche. Sabine Köther vom Generalvikariat Bistum Essen übernahm die Moderation und lobte: „Solch ein engagierter Austausch ist längst nicht in jeder Gemeinde selbstverständlich.“ Viele Gäste möchten die Kirche weiterhin als Ort für Gebete und Zusammenkünfte nutzen können. Einige fragten, warum seit 2015 keine Dachreparatur erfolgt sei – viele stimmten mit Beifall zu.
Der Ruf nach Spenden wurde laut. Auch der Ökumene-Gedanke blieb nicht außen vor. Die Schützen hätten beim Bistum den Antrag gestellt, das KMH („unser Familienhaus“) in Eigenregie zu übernehmen, und würden auf eine Antwort warten. Eine Vertreterin der Pfadfinder unterstrich die Bedeutung der Jugend- und Vereinsarbeit: „Wir brauchen zwingend das KMH!“

Für den Kirchenvorstand, der bald in Zusammenarbeit mit dem Pfarrgemeinderat (PGR) die Entscheidung über den Kirchort Buchholz nach weiteren Beratungen treffen wird, hob Michael Germ hervor: „Es ist schwierig, drei Millionen Euro plus X zu stemmen.“ Falls das nicht gelingen würde, solle es trotzdem die Möglichkeit geben, hier Kirche zu erleben – vielleicht nicht in den kompletten Gebäuden, so wie sie jetzt hier stehen: „Kreativität ist gefragt.“ Die Gremien seien allen Standorten verpflichtet und müssten nun die „Misswirtschaft“ beenden, die es vor Pfarrer Brocke gegeben habe. Die ehrenamtlichen Gremien würden an einer Ersatzlösung arbeiten, die nicht erst in sieben Jahren zum Tragen kommen solle.

Der Abend war eine wertvolle Plattform für Informationen und Austausch. Brocke sieht die Chance, dass der Kirchort Buchholz weiter bestehen werde, als „sehr gut“ ein, sonst würde er auch nicht so viel Energie und Lebenszeit in diesen Prozess stecken. Aber eine Garantie könne er natürlich nicht abgeben.
Der Abend habe gezeigt, so Brocke und Germ gegenüber NORDBOTE.de im Nachhinein, dass den Menschen der Ort wichtig sei, um ihren Glauben zu leben: in Gottesdiensten, Gebeten, Gemeinschaft und Zusammenkünften. „Unsere Aufgabe ist es, das zusammenzubringen – unter den Bedingungen, die wir haben.“ Die weiteren Beratungen werden in Kürze beginnen.
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