Die Stahlproduktion am Traditionsstandort im Duisburger Süden geht weiter. Die Hüttenwerke Krupp Mannesmann (HKM) werden künftig eine 100-prozentige Tochter der Salzgitter AG, nachdem die beiden Mitgesellschafter thyssenkrupp Steel Europe und Vallourec angekündigt hatten, sich aus dem gemeinsamen Joint Venture zurückziehen zu wollen. Langfristig sollen nur noch 1.000 Mitarbeitende in Hüttenheim beschäftigt werden.
„Der Salzgitter-Konzern übernimmt damit die volle Verantwortung bei der HKM und möchte das integrierte Hüttenwerk mit einem klaren Plan und voller Ausrichtung auf die grüne Transformation fit für die bevorstehenden Herausforderungen machen“, heißt es in einer gemeinsamen Presseerklärung von thyssenkrupp Steel Europe und der Salzgitter AG. Anfang Februar hatte sich die Salzgitter AG mit thyssenkrupp Steel auf ein Eckpunktepapier zur vollständigen Übernahme der HKM verständigt. Nach der Unterzeichnung der Verträge am 8. Juli könne die Integration der HKM in den Salzgitter-Konzern beginnen.
Die Salzgitter AG plant in Duisburg die Investition in einen Elektrolichtbogenofen, um den Standort zu transformieren, zukunftsfähig zu machen und die CO2-Emissionen der Stahlproduktion langfristig um 90 Prozent zu senken. Aufgrund der wirtschaftlichen Herausforderungen werde dieser Wandel mit einer deutlichen Reduzierung der Mitarbeiterzahl einhergehen – von 3.000 auf 1.000. „Ohne diesen schmerzhaften Stellenabbau hätte die Salzgitter AG die alleinige Übernahme nicht vollziehen können. Die Alternative wäre eine komplette Schließung des integrierten Hüttenwerks in Duisburg gewesen.“ Nur mit dieser konsequenten Neuaufstellung habe die HKM die Chance auf eine langfristig erfolgreiche Zukunft.
Gunnar Groebler, Vorstandsvorsitzender der Salzgitter AG: „Wir haben uns bei den Verhandlungen mit den bisherigen Mitgesellschaftern über die Fortführung der HKM in unserer alleinigen Verantwortung die nötige Zeit genommen. Bei diesen komplexen Gesprächen sowie bei der großen Bedeutung des Ausgangs für die Mitarbeitenden in Duisburg hatte die Sorgfalt bei diesem Prozess klar Vorrang vor dem Tempo. Wir sind froh, dass wir nun für alle Beteiligten eine zufriedenstellende Lösung gefunden haben.“ Mit der Übernahme der Anteile der bisherigen Mitgesellschafter stehe das Unternehmen in voller Verantwortung an einem Traditionsstandort der Stahlindustrie, der mit einer konsequenten Ausrichtung auf die grüne Transformation in eine langfristige Zukunft geführt werden soll.

Marie Jaroni, Vorstandsvorsitzende von thyssenkrupp Steel Europe AG, unterstrich: „Die erzielte Zukunftslösung für die HKM ist ein wichtiger Meilenstein für alle Beteiligten. Für uns schafft sie die Voraussetzungen, unsere strategische Neuaufstellung konsequent umzusetzen: Mit der Konzentration der Produktion auf den Duisburger Norden steigern wir Auslastung, Effizienz und Wirtschaftlichkeit nachhaltig. Gleichzeitig blicken wir mit großer Wertschätzung auf die gemeinsame Geschichte mit der HKM zurück. Unser besonderer Dank gilt den Beschäftigten für Jahrzehnte der Partnerschaft sowie den Mitgesellschaftern für ihren konstruktiven Beitrag.“ Die Belieferung an thyssenkrupp Steel durch HKM läuft Ende 2028 aus, statt wie bisher geplant Ende 2032.
Philippe Guillemont, Vorsitzender des Verwaltungsrats und CEO von Vallourec S.A., kommentiert: „Vallourec hatte bereits zuvor seine Absicht angekündigt, seine Minderheitsbeteiligung an HKM zu veräußern, um eine Strategie zu verfolgen, die sich auf das Kerngeschäft und die Schlüsselmärkte von Vallourec konzentriert. Wir begrüßen daher die heute von Salzgitter bekannt gegebene Vereinbarung, die dieses Ziel voll und ganz unterstützt und HKM gleichzeitig neue Perspektiven im Bereich der Produktion von emissionsreduziertem Stahl eröffnet.“
Die kommenden Monate werden nun genutzt, die Integration der HKM in die Strukturen des Salzgitter-Konzerns zu vollenden. Einher gehe das mit einer Umstrukturierung der Mitarbeiterzahl bis voraussichtlich Ende 2028 sowie einer Reduzierung der Rohstahlmenge auf zwei Millionen Tonnen pro Jahr. „Dies ist ein schwerer, aber notwendiger Schritt. Die kommenden Veränderungen werden verantwortungsvoll und grundsätzlich sozialverträglich gestaltet. Die Transformation gelingt nur gemeinsam mit den Beschäftigten und den Führungskräften. Der Dialog mit den Arbeitnehmervertretungen und die Kommunikation mit der Belegschaft bleiben zentraler Bestandteil des weiteren Prozesses“, erklärt Birgit Dietze, Personalvorständin der Salzgitter AG.
Die Salzgitter AG werde die Transformation des Standorts mit voller Kraft unterstützen. Andreas Betzler, Geschäftsführer der Mannesmann Precision Tubes GmbH, der Mannesmann Grossrohr GmbH und der Mannesmann Line Pipe GmbH, soll künftig die Geschäftsführung der HKM ergänzen und direkt an den Vorstand der Salzgitter AG berichten.
Über die Details der Einigung haben die Vertragspartner Stillschweigen vereinbart.
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