Historischer Mühlenstein am Rheinufer in Kaiserswerth geborgen

Am Kran des Bauunternehmens Amand schwebt der geborgene Mühlenstein über dem Kaiserswerther Rheinufer, daneben stehen (von links): Karl Döhler, Helmut Zylla, Wolfgang Erdt vom Bauunternehmen Amand, Thomas van Lohuizen und Franz-Josef Vogel. Foto: ah
Am Kran des Bauunternehmens Amand schwebt der geborgene Mühlenstein über dem Kaiserswerther Rheinufer, daneben stehen (von links): Karl Döhler, Helmut Zylla, Wolfgang Erdt vom Bauunternehmen Amand, Thomas van Lohuizen und Franz-Josef Vogel. Foto: ah

Am Mittwoch, 20. August, hoben Mitarbeiter des Bauunternehmens Amand den schweren Mühlenstein am Kaiserswerther Rheinufer mit Kran und Lkw aus dem Flussbett. Möglich wurde die Aktion nur durch das extreme Niedrigwasser der vergangenen Wochen. Der NORDBOTE war bei der Bergung dabei.

Der Pegel lag zuletzt bei null Zentimetern. Seit dem Regen steigt er wieder, am Tag der Bergung zeigte er bereits 21 Zentimeter. Es war also höchste Zeit, denn schon wenig später wäre der Stein nicht mehr erreichbar gewesen. Für den Fall, dass das Wasser schneller steigt, hatten die Helfer bereits am Vortag vorsorglich ein Seil um den Stein gelegt.

Zeitdruck kam auch von anderer Seite. Ab September soll die Hochwasserschutzmauer am Rheinufer vom Mühlenturm bis zur Einmündung Kaiserswerther Markt komplett saniert werden, sagte die Düsseldorfer Stadtarchäologin Sabine Thomsen, die die Bergung vor Ort begleitete. Danach wäre die Stelle mit dem Kranwagen nicht mehr zugänglich gewesen.

Der Stein selbst ist keine Neuentdeckung. Thomas van Lohuizen hatte ihn bereits vor 27 Jahren entdeckt, seither war der Fund bekannt, dokumentiert und gemeldet. Bislang lag der Stein jedoch stets zu tief unter Wasser, auch mit einem Boot kam niemand nah genug heran. Zuletzt machte ihn das Niedrigwasser wieder sichtbar. Gefunden hat ihn dort vor etwa vier Wochen Jürgen Hendricks. Seitdem lag der Stein gut sichtbar im Uferschlamm und zog immer mehr Aufmerksamkeit auf sich. Genau das bereitete den Beteiligten Sorge, denn ein frei liegendes Fundstück lockt auch ungebetene Besucher an.

Karl Döhler vom Heimat- und Bürgerverein Kaiserswerth trieb die Bergung gemeinsam mit Helmut Zylla voran. Den entscheidenden Kontakt stellte Franz-Josef Vogel her. Kaum jemand kennt die Kaiserswerther Geschichte so umfassend wie er. Der Heimatforscher rief seinen Schulfreund Werner Amand an, mit dem er vor rund 80 Jahren nebeneinander in der Schule gesessen hatte. Der sei sofort begeistert gewesen. Weil die Zeit drängte, erklärte sich Amand freiwillig bereit, den Stein kostenlos heben zu lassen. Am Mittwoch kamen so Kran und Lkw ans Ufer, Matthias Grünewald und Wolfgang Erdt vom Bauunternehmen Amand hoben den Stein aus dem Schlick und dann auf den Lkw. Nebenbei wurden an der Fundstelle auch ein Holzstück und viele Tonscherben gefunden.

Rechtlich handelt es sich bei dem Fund um ein Bodendenkmal. Die Genehmigung für die Bergung kam im Eilverfahren in Abstimmung mit dem Landschaftsverband Rheinland zustande, erklärte die Stadtarchäologin, die bei der Unteren Denkmalbehörde für die Bodendenkmalpflege zuständig ist. Sie sagte auch Unterstützung bei der Suche nach einem öffentlichen Aufstellort zu, im Austausch mit den städtischen Ämtern, denen die Grundstücke am Ufer gehören. Ein passender Platz, an dem der Mühlenstein in Kaiserswerth aufgestellt werden kann, wird nun gesucht. Die Beteiligten wünschen sich eine Präsentation nahe dem Mühlenturm.

Thomas van Lohuizen (rechts) entdeckte den Mühlenstein bereits vor 27 Jahren, Heimatforscher Franz-Josef Vogel stellte den Kontakt für die Bergung her. Foto: ah
Thomas van Lohuizen (rechts) entdeckte den Mühlenstein bereits vor 27 Jahren, Heimatforscher Franz-Josef Vogel stellte den Kontakt für die Bergung her. Foto: ah

Wie alt der Stein ist und wie er in den Rhein kam, ist offen. Eine Theorie besagt, dass er vor grob 300 Jahren beim Verladen vom Schiff fiel und damals nicht mehr geborgen werden konnte. Ob der Stein je in einer Mühle lief, ist ebenfalls unklar.

Über rote Holzbohlen zogen die Helfer den mit Gurten gesicherten Mühlenstein aus seiner Fundgrube. Foto: ah
Über rote Holzbohlen zogen die Helfer den mit Gurten gesicherten Mühlenstein aus seiner Fundgrube. Foto: ah
Über eine lange Kette holten die Helfer den Mühlenstein mit dem Kran die Uferböschung hinauf, oben verfolgten Zuschauer die Bergung. Foto: ah
Über eine lange Kette holten die Helfer den Mühlenstein mit dem Kran die Uferböschung hinauf, oben verfolgten Zuschauer die Bergung. Foto: ah
Auf der Unterseite lässt sich die Struktur des Mühlensteins erahnen und damit vielleicht auch, ob er je in einer Mühle lief. Foto: ah
Auf der Unterseite lässt sich die Struktur des Mühlensteins erahnen und damit vielleicht auch, ob er je in einer Mühle lief. Foto: ah
Für den Abtransport wird der Mühlenstein auf der Ladefläche des Kran-Lkw gesichert. Foto: ah
Für den Abtransport wird der Mühlenstein auf der Ladefläche des Kran-Lkw gesichert. Foto: ah
Nebenbei wurden an der Fundstelle auch ein Holzstück und viele Tonscherben gefunden. Foto: ah
Nebenbei wurden an der Fundstelle auch ein Holzstück und viele Tonscherben gefunden. Foto: ah
Blick von der Uferkante auf die Fundstelle, die Helfer holen die Arbeitshilfsmittel mit dem Kran zurück auf den Lkw. Foto: ah
Blick von der Uferkante auf die Fundstelle, die Helfer holen die Arbeitshilfsmittel mit dem Kran zurück auf den Lkw. Foto: ah
Der Kranwagen des Bauunternehmens Amand stand für die Bergung auf dem schmalen Weg an der Rheinpromenade. Foto: ah
Der Kranwagen des Bauunternehmens Amand stand für die Bergung auf dem schmalen Weg an der Rheinpromenade. Foto: ah

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