Hemmungsloses Nachverdichten von Wohnquartieren?

An der Niederrheinstraße hat ein Bauherr anstelle eines mehrere Einfamilienhäuser und ein Mehrfamilienhaus vorgesehen. Die Bezirksvertretung hat dieser baulichen Verdichtung nicht zugestimmt. Foto: hs
An der Niederrheinstraße hat ein Bauherr anstelle eines mehrere Einfamilienhäuser und ein Mehrfamilienhaus vorgesehen. Die Bezirksvertretung hat dieser baulichen Verdichtung nicht zugestimmt. Foto: hs

Ende Januar hat die Bezirksvertretung 5 sieben Bauvorhaben im „ungeplanten Innenbereich“ nach Paragraf 34 Baugesetzbuch (BauGB) zugestimmt. Eine Bauvoranfrage wurde vertagt für zwei Doppelhäuser und zwei Einfamilienhäuser in Kalkum-Unterdorf, auf dem Grundstück einer früheren Hofanlage. Zwei der Zustimmungen gab die Bezirksvertretung nur mit Bedenken, es würde zu stark verdichtet. Man habe die Verwaltung wiederholt gebeten, Bebauungspläne aufzustellen, um eine geordnete Bebauung sicherzustellen. Ein Bezirksvertreter meinte: „Sonst erleben wir hier bald eine hemmungslose Nachverdichtung.“ Am Leuchtenberger Kirchweg geht es um den Neubau von sechs zweigeschossigen Wohnhäusern anstatt einer Villa und an der Duisburger Landstraße um ein Einfamilienhaus in zweiter Reihe inmitten eines Wohnquartiers.

Kurz gefasst besagt Paragraf 34 BauGB, dass im Innenbereich ohne Bebauungsplan, angepasst an die Umgebungsbebauung, Baurecht besteht, wenn die Erschließung gesichert ist. Bei den Bauprojekten, denen die Bezirksvertretung ohne Diskussion zustimmte, handelte es sich um Einfamilienhäuser, die durch neue Gebäude ersetzt werden.

Es gab in jüngster Zeit weitere Anträge auf bauliche Verdichtungen, gegen die Vorstellungen der Bezirksvertretung. Aufsehen hatte ein Projekt an der Kreuzbergstraße erregt wegen einer Demonstration vor dem Haus zugunsten des Bauherrn. Ein Einfamilienhaus soll dort durch ein Mehrfamilienhaus ersetzt werden. Der Bauherr obsiegte vor dem Verwaltungsgericht. Auf der Niederrheinstraße steht seit Jahren ein heruntergekommenes Einfamilienhaus leer, zuletzt als Restaurant genutzt. Die Bezirksvertretung hatte auf diesem Grundstück dem Bau eines Mehrfamilienhauses und mehrerer Einfamilienhäuser nicht zugestimmt.

Leerstehende Einfamilienhäuser und nicht bebaute Grundstücke mit Baurecht im „ungeplanten Innenbereich“ gibt es im Düsseldorfer Norden zuhauf. Die Gründe sind sehr unterschiedlich: Generationswechsel der Eigentümer, Erbauseinandersetzungen, keine Bauabsicht oder fehlende Finanzierung, auch für Renovierung oder Sanierung. In Kaiserswerth besonders auffällig ist das leerstehende Marienkrankenhaus und das ehemalige Restaurant „Wertvoll“ an der St.-Göres-Straße, in Angermund Haus Litzbrück. Letztgenannte Objekte waren zwar gewerblich genutzt, hier wäre aber Wohnungsbau möglich. Manchmal warten Bauherren auf eine Baugenehmigung oder die eingereichten Unterlagen sind unvollständig. Einer unserer Leser macht unter „Kommentare“ auf eine inzwischen von Natur und Wildwuchs fast vollständig überwucherte Ruine auf der Niederrheinstraße aufmerksam, neben dem Imbiss Kuyto.

NORDBOTE-Newsletter
Neuste Nachrichten für Düsseldorf-Nord und Duisburg-Süd, Events und Angebote jeden Dienstag- und Freitagmorgen direkt in Ihr Mail-Postfach!

3 Kommentare

  1. Anscheinend hat der Umweltschutz für gewisse Zeitgenossen beim Auto und Immobilien keine Bedeutung mehr!!!!
    Die Ereignisse im Ahrtal und der Eifel Region im Jahr 2021 werden verdrängt, bei uns passiert es doch garnicht, von wegen!!!!
    Ich habe am 14.02. im ZDF Ländermagazin einen Bericht gesehen, wie die Hansestadt Rostock zu einer Schwammstadt umgebaut werden soll, das dauert, aber dieser Schritt muss überall höchste Priorität haben!!!!
    Solang man nicht alle überzeugen kann, und wir so weitermachen sägen wir den Ast ab auf dem wir sitzen!!!!

  2. Dem kann ich leider nur zustimmen. Es hängt dann wohl an der Wertschöpfung die Investoren oder neuen Eigentümer aus ihrer Investition ziehen wollen. Mehr Quadratmeter mehr Geld. Einerseits ist das nur verständlich, wenn auf einem Grundstück eine großzügige Villa gestanden hat, mit viel Garten, macht es doch Sinn hier neu und kleiner zu bauen. Viel schlimmer ist dann zum Beispiel die alte Rheinbahn Siedlung an der Schlossallee. Hier entsteht nun eine 4 etagige Wand auf 200 m Länge gegenüber des Fliedner Gymnasiums. Vorher standen hier aufgelockert mehrere 2 geschossige Wohnblöcke auf großzügigen Grünflächen. Wer genehmigt sowas? Ohne Worte. Es fehlt anscheinend ein Konzept, wie die zukünftige Bebauung werden kann, und dann wird immer je Projekt entschieden, da im Bauamt rotiert wird, entscheidet immer jemand anderes, so erkläre ich mir dieses Durcheinander.
    Sehr schlimm sind auch die ewigen Wartezeiten bis Antworten vom Amt kommen, auch bei vermeintlich einfachen Dingen, Baugenehmigungen können auch schon mal 1 1 / 2 Jahre dauern. Traurig was dadurch kaputtgemacht wird.

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert