„Die Stadt Duisburg hat nichts von diesem Projekt, aber es zerstört unser Wohnzimmer!” Deutliche Worte fand Stadtförster Stefan Jeschke am Mittwoch, 3. Juni, in der Bezirksvertretung (BV) Süd. Er stellte die Pläne von Open Grid Europe (OGE) vor, eine 200 Kilometer lange CO₂-Transportleitung, den sogenannten Delta Rhine Corridor (DRC), zu verlegen. Vom Duisburger Kommunalwald würden knapp 170.000 Quadratmeter verloren gehen, größtenteils ältere, ökologisch hochwertige, bodenständige Laubholzbestände. Auch der Duisburger Süden wäre betroffen.
Die Trasse soll östlich der Stadtgrenze Duisburgs verlaufen und an der südlichen Stadtgrenze Richtung Venlo weitergeführt werden. Im Bereich Entenfang, eine Detailkarte hatte Jeschke von OGE trotz Anfrage nicht erhalten, soll es einen Gabelungspunkt geben. Überhaupt sei die Zusammenarbeit mit dem Unternehmen nach seinen bisherigen Erfahrungen sehr schwierig. Auf einer Länge von fast sechs Kilometern müsste im Stadtwald ein 28,5 Meter breiter Arbeitsstreifen angelegt werden, der später keinen Nutzen, sondern Pflege mit sich bringen würde.
Das grenzüberschreitende Infrastrukturprojekt zielt darauf ab, CO₂ aus Industrieanlagen, das sich selbst mit modernster Technik kaum oder gar nicht vermeiden lässt, über eine Leitungsinfrastruktur in Deutschland und den Niederlanden sowie über die Aramis-Offshore-Leitung vor Rotterdam zu verschiedenen CO₂-Speichern in der niederländischen Nordsee zu transportieren. Im Juni sollen die Pläne in den Regionalräten und Gremien der zuständigen Regionalplanungsbehörden behandelt werden, für Duisburg ist der Regionalverband Ruhrgebiet zuständig. Die Bezirksregierung Düsseldorf geht davon aus, dass ein Planfeststellungsverfahren noch im Jahr 2026 beantragt wird.
Die Stadt Duisburg hat im Rahmen der Raumverträglichkeitsprüfung eine Stellungnahme mit deutlichen Kritikpunkten abgegeben. Bemängelt wird, dass im Duisburger Süden nur ein einziger Korridor vorgeschlagen wird, kaum alternative Flächen. Jeschke erläuterte: „Der Trassenverlauf durch den Wald ist die preisgünstigste Variante.” Aber der Wald sei ein wichtiger weicher Standortfaktor, ein beliebtes und wichtiges Erholungsgebiet.
Duisburg ist eine waldarme Kommune. „Die betroffenen Flächen im Stadtwald, wie auch die weiteren genannten Flächen, besitzen eine hohe Bedeutung hinsichtlich ihrer Schutz- und Erholungsfunktion in dem industriell geprägten urbanen Ballungsraum. Darüber hinaus erfüllen sie wichtige Funktionen als Lebensraum, für das Stadtklima und die Luftregeneration. Ein derartiger Verlust erscheint nicht akzeptabel”, heißt es in der Vorlage der Verwaltung. Die OGE sei bereits aufgefordert worden, alternative Leitungskorridore zu planen, die keinen oder nur einen minimalen Waldverlust verursachen.
Vorschläge zu Alternativen hat die Stadt Duisburg bereits ausgearbeitet. Die Leitung soll möglichst parallel zu bestehenden Leitungstrassen verlaufen, etwa entlang der A 3 sowie unter Hochspannungsleitungen. Im Duisburger Süden soll geprüft werden, ob die bestehende, noch nicht in Betrieb genommene Transportleitung für Kohlenmonoxid beziehungsweise ein Kohlenmonoxid-Wasserstoffgemisch mit der neuen Leitung gebündelt werden kann.
Das Meinungsbild der Kommunalpolitiker war sehr eindeutig. Einmütig unterstützen sie die klare Positionierung der Stadt. Jetzt müsse überlegt werden, wie man unterstützen könne. Bezirksbürgermeisterin Beate Lieske (SPD): „Die Bürgervereine stehen in den Startlöchern.” Fitzek (Bündnis 90/Die Grünen) lobte, dass die Stadt bereits alternative Trassenführungen aufgezeigt habe. CDU-Ratsherr Wolfgang Schwertner nannte den Plan „eine Frechheit”. Gerade in Mündelheim und Ehingen gebe es viele Schutzzonen, die zu beachten seien. Außerdem würden gerade Deich und Rheinbrücke neu errichtet. Er forderte, schnell die Landesregierung einzubeziehen.
Die Bezirksbürgermeisterin schloss die Diskussion mit einem energischen Statement: „Wer Krach mit uns haben möchte, bekommt ihn auch!”
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2 Kommentare
Keinen Millimeter weder in Duisburg noch woanders für solch ein merkwürdiges Projekt. Der Anteil von CO2 an unserer Atmosphäre beträgt 0,038 Prozent und hat damit keine Auswirkung auf das Klima. Wofür CO2 allerdings genutzt wird, das sind Treibhäuser; mit mehr CO2 wachsen die Pflanzen besser. Aber dafür braucht man solch eine Pipeline nicht. Wer weiß, vielleicht geht es um ein Abgreifen von Subventionen. Was macht übrigens die CO-Pipeline? Jutta Müller
Frechheit wohne in Duisburg Rahm dadurch würde Natur und unser Eigentum an Wert verlieren man musste uns Entschädigen durch Wertminderung und wieder geht Natur kaputt