Großstädtische Bauweise in Kaiserswerth

Hochhäuser entlang der Alten Landstraße. Die wenigen, nur einseitig neu gepflanzten Bäume kommen nicht zur Geltung. Foto: hs
Hochhäuser entlang der Alten Landstraße. Die wenigen, nur einseitig neu gepflanzten Bäume kommen nicht zur Geltung. Foto: hs

Wer von Norden über die Arnheimer Straße nach Kaiserswerth kommt, wird inzwischen durch Neubauten mehr und mehr von einem Stadtbild empfangen, welches eher innerstädtischer Bauweise entspricht, mit „gefühlt“ fünfgeschossigen Gebäudefronten. Das gilt auch für den nördlichen Abschnitt der Alten Landstraße und die Kalkumer Schlossallee gegenüber dem Theodor-Fliedner-Gymnasium. Schon vor Baubeginn dieses Projekts der Düsseldorfer Wohnungsbaugesellschaft war Bezirksvertretern aufgefallen, dass seinerzeit die Abbildungen auf dem Baustellenschild wuchtiger und höher wirkten als in der der Bezirksvertretung vorgelegten Baugenehmigung. Das Erdgeschoss ist kein Wohngeschoss, sondern eine Garage. Tiefgarage und Unterkellerung sind hier im Wasserschutzgebiet nicht möglich.

Waldemar Fröhlich (Bündnis 90/Die Grünen) hatte dies in der Bezirksvertretung mit einer Anfrage an die Verwaltung aufgegriffen im Hinblick auf die „Notwendigkeit einer kleinklimatischen Zustandsverbesserung“. Laut Bebauungsplan für diesen Bereich hat an der Alten Landstraße eine zusätzliche Versiegelung von elf Prozent stattgefunden. Es heißt im Bebauungsplan: „Baumpflanzungen sollen zu einem durchgrünten Stadtbild beitragen und wirken positiv auf die mikroklimatischen Bedingungen.“ Entlang der Alten Landstraße sind in diesem Bereich aber nur einseitig Bäume und in großen Abständen gepflanzt worden. Somit ist zusätzlich zu den entgeltpflichtigen Abstellplätzen für Mieter und Eigentümer im Erdgeschoss reichlich Platz für Standstreifen beidseits der Alten Landstraße. Offensichtlich dienen sie auch Park & Ride in Verbindung mit der unmittelbar daneben liegenden Stadtbahn-Haltestelle (U79).

Entlang der Arnheimer Straße werden mit Ersatz von Altbauten (Hotel und Gaststätte „Am Schwan“) die Wohngebäude immer höher. In zweiter Reihe zum Rhein hin entstehen zusätzliche Wohnungen. Foto: hs
Entlang der Arnheimer Straße werden mit Ersatz von Altbauten (Hotel und Gaststätte „Am Schwan“) die Wohngebäude immer höher. In zweiter Reihe zum Rhein hin entstehen zusätzliche Wohnungen. Foto: hs

Waldemar Fröhlich weist anhand von Luftfotos nach, dass es zuvor auf der Westseite der Alten Landstraße in diesem Bereich einen Grünstreifen gab. Er wurde im Zuge des Straßenumbaus zu einem durchgehenden Standstreifen ohne Baumscheiben erweitert und versiegelt. Waldemar Fröhlich stellte deswegen die Frage an die Verwaltung, warum auf der Westseite keine Bäume gepflanzt wurden. Er fragte, ob dort Bäume und/oder Sträucher gepflanzt beziehungsweise eine unversiegelte Fläche angelegt werden kann. Die Stadtverwaltung teilt dazu mit, dass sowohl im Bebauungsplan als auch im verbindlichen städtebaulichen Vertrag mit dem Bauherrn auf der westlichen Straßenseite notwendige Parkstände gebaut wurden. Nur durch Rückbau und die Umgestaltung von Parkständen würde die Möglichkeit gesehen, hier wieder eine unversiegelte, bepflanzte Fläche zu schaffen. Die Parkplätze würden dann ersatzlos entfallen, es gäbe keine alternativen Parkmöglichkeiten.

Alle diese neuen, zusätzlichen Wohnungen rund um die U-Bahn-Haltestelle Kalkumer Schlossallee liegen in bester Lage, sehr verkehrsgünstig an U-Bahn und Bushaltestelle mit kurzem Weg zum Rhein und der offenen Landschaft „Das Werth“. Aber es fehlt auch nicht großstädtische Atmosphäre. Das Wohnquartier wird auch schon etwas sarkastisch als „Kaiserswerther Hochhausviertel“ bezeichnet. Man muss das nicht negativ finden, insbesondere im Hinblick auf den in Kaiserswerth sehr nachgefragten Wohnraum.

Auch entlang der Kalkumer Schlossallee ragt ein fünfgeschossiger Neubau (einschließlich Garagengeschoss) in die Höhe. Foto: hs
Auch entlang der Kalkumer Schlossallee ragt ein fünfgeschossiger Neubau (einschließlich Garagengeschoss) in die Höhe. Foto: hs

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3 Antworten

  1. Potthässliche Teile. Angesichts dessen sollte allen spätestens jetzt klar sein das die geplante riesige Bebauung gegenüber, in den Feldern hinter dem Pfaffenmühlenweg, nicht nur eine klimatechnische Vollkatastrophe darstellt auch aufgrund der zusätzlichen Versiegelung sondern das Stadtbild sehr negativ prägt.
    Eine fürchterliche Planung der da zugestimmt wurde. Und wie man sieht: Begrünung angeblich „nicht möglich“…. Aaaaahja. So einfach kann man das dann begründen. Traurig. Augen auf! Das läuft dann gegenüber genauso!

  2. Wieder einmal haben wir ein Beispiel, daß die „Grünen“ in Gestalt von Herrn Fröhlich sich daran beteiligen, die einmalige kulturelle Situation langsam aber sicher aufzulösen. „Großstädtisches Flair“, was soll der Unfug. Hier wid nur gezeigt, was künftig im nördlichen Teil der Schloßalle auf Kaisersweth zukommt, verbauen bis zur absoluten Unkenntlichkeit.
    Die ganze Baumallee ist nun verschattet, ein ehemaliger Grünzug verschwand, Bäume wurden gefällt. Das gesamte Projekt paßt in keiner Weise zur Umgebung. Hier entstand ein uniformer massiver Block-Bau.
    Ein Weckruf von den Grünen wird wenigstens für die Zukunft erwartet.

  3. Diese Bebauung so zu genehmigen war ein großer Fehler. Zu massiv und viel zu hoch!
    Zu Recht erhoben sich die Stimmen gegen die Bebauung nördlich der Kalkumer Schlossallee. Es bleibt nur zu hoffen, dass sich solche Fehler nicht wiederholen. Kaiserswerth…lebenswert? Es gibt schon viele Abstriche! Wenn die Fähre wegfällt, fehlt schon wieder etwas an Aufenthaltsqualität.

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