Ferdinand Lassalle und Kalkum

Die Lasalle Gedenkstätte in Kalkumer Schlossparkt. Im Hintergrund die romanische Kirche St. Lambertus. Foto: hs
Die Lasalle Gedenkstätte in Kalkumer Schlossparkt. Im Hintergrund die romanische Kirche St. Lambertus. Foto: hs

Im Kalkumer Schlosspark steht seit 1975 der ehemalige Gartenpavillon als Gedenkstätte für Ferdinand Lassalle (1825–1864). Lassalle, Spross einer wohlhabenden jüdischen Kaufmannsfamilie aus Breslau, war im 19. Jahrhundert ein führender Kopf der deutschen Arbeiterbewegung. Er war Schriftsteller, Philosoph, kämpferischer Organisator und der erste Präsident des 1863 gegründeten Deutschen Arbeitervereins, dem Vorläufer der heutigen Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (SPD). Lassalle lehnte den Marxismus von Karl Marx und Friedrich Engels ab und strebte stattdessen einen starken Nationalstaat an, der Freiheit und Gerechtigkeit für Arbeiter und Handwerker sicherstellen sollte. Als Realist und Organisator hatte er größeren Einfluss auf die Politik im damaligen Königreich Preußen und auf die Arbeiterschaft als die Theoretiker Marx und Engels. Von 1846 bis 1859 wirkte er in Düsseldorf.

Es gibt keine Belege dafür, dass Ferdinand Lassalle jemals in Kalkum war. Das kleine Dorf spielte in den revolutionären Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts keine Rolle. Warum befindet sich das Denkmal dennoch in Kalkum?

Ferdinand Lassalle lernte 1847 in Berlin Gräfin Sophie von Hatzfeld (1805–1881) kennen. Sie war mit 17 Jahren zwangsweise mit ihrem Cousin Graf Edmund von Hatzfeld-Wildenburg-Weisweiler (1798–1874) verheiratet worden, um das Vermögen der gräflichen Familien zu sichern. Das junge Paar residierte auf Schloss Kalkum. Edmund betrog seine Frau, setzte sie Schikanen aus und wurde ihr gegenüber auch handgreiflich. Sophie trennte sich Anfang der 1830er Jahre von ihm.

Mit einem ausgeprägten Sinn für Gerechtigkeit versprach Ferdinand Lassalle der 22 Jahre älteren Sophie, eine Scheidung für sie zu erstreiten. Obwohl er kein Jurastudium absolviert hatte, arbeitete er sich schnell in das Fachgebiet ein. Mit seiner außergewöhnlichen rhetorischen Begabung erreichte er nach acht Jahren vor 36 Gerichtshöfen eine Scheidung und eine angemessene Abfindung für Sophie von Hatzfeld. Sie unterstützte ihn nicht nur finanziell, sondern auch politisch, und wurde als „Rote Sophie“ bekannt. Ihr jüngster Sohn Paul, ein angesehener Diplomat und Staatsminister in der Regierung Bismarck, unterstützte zeitweise seine Mutter und Lassalle.

Als der Vater von Helene von Dönniges, der Verlobten von Ferdinand Lassalle, eine Heirat verhinderte, forderte Lassalle ihn zum Duell. Der Vater übertrug die Ausführung des Duells an den von ihm ausgewählten Bräutigam, den rumänischen Bojaren Joan Ceham Yanko von Racowita. Lassalle wurde beim Duell verletzt und starb am 31. August 1864 im Alter von nur 39 Jahren in Genf, Schweiz.

Die Überführung seines einbalsamierten Leichnams von Genf nach Breslau wurde zum Politikum. Nach einer vorübergehenden Beschlagnahme konnte er schließlich am 15. September 1864 auf dem jüdischen Friedhof in Breslau beerdigt werden. Seine Mutter wurde später an derselben Stelle beigesetzt. Während der Kämpfe um Breslau 1945 wurde der jüdische Friedhof stark beschädigt. Unter polnischer Verwaltung verfiel der deutsche Friedhof weiter und sollte schließlich eingeebnet und bebaut werden. Auf Betreiben der Bundesregierung und des NRW-Ministerpräsidenten Heinz Kühn war vorgesehen, Lassalles sterbliche Überreste in ein Mausoleum im ehemaligen Gartenpavillon von Schloss Kalkum zu überführen. Dies verhinderten jedoch sowohl die DDR-Regierung als auch jüdische Organisationen, da Gräber im Judentum unantastbar sind.

So wurde anlässlich von Lassalles 150. Geburtstag im Jahr 1975 statt eines Sarkophags ein Block aus grünem italienischem Marmor in den Pavillon gestellt, und Gedenktafeln wurden angebracht. Diese Arbeiten führte der Steinbildhauer Edgard Buhrmann aus. Erst 1980 wurde auf einer Konsole an der Ostwand im Pavillon eine in Bronze gegossene Porträtbüste von Ferdinand Lassalle aufgestellt, ein Abguss des Originals in der Friedrich-Ebert-Stiftung. Der Künstler ist unbekannt.

Im Innenhof des Schlosses wurde ebenfalls 1975 eine Gedenktafel in Bronze für Sophie von Hatzfeld angebracht. Wegen des seit über zehn Jahren andauernden Verkaufsverfahrens von Schloss und Park ist die Gedenkstätte ins Hintertreffen geraten. Anlässlich von Ferdinand Lassalles 200. Geburtstag im vergangenen Jahr fand weder eine Gedenkfeier noch eine Kranzniederlegung statt. Lediglich der um Kalkum besorgte Vorstand des Kulturkreises Kalkum e.V. reinigte die Fenster und den verstaubten Innenraum und legte eine weiße Lilie auf den Marmorblock.

Ferdinand Lassalle (1825 -1964). Quelle: Plakat im Stadtmuseum Düsseldorf.
Ferdinand Lassalle (1825 -1964). Quelle: Plakat im Stadtmuseum Düsseldorf.

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