Ewald Lienen im Steinhof: Smalltalk mit Tiefgang – und „Hoppi“

Die erste Halbzeit bestritt Ewald Lienen im Steinhof mit dem Sportjournalisten Michael Born (rechts). Foto: sam
Die erste Halbzeit bestritt Ewald Lienen im Steinhof mit dem Sportjournalisten Michael Born (rechts). Foto: sam

„Fußball und wie das Leben so spielt“: Erstmals präsentierte der ehemalige Flügelflitzer, Profifußballer und -trainer Ewald Lienen am Donnerstag, 18. September, sein neues Programm. Spielfeld war der große Saal des Steinhofs in Huckingen. Denn der 71-Jährige ist nach wie vor bestens mit Duisburg verbandelt. Seine langjährigen Freunde Jupp Goetz und Kim Merz trugen ebenso zum Gelingen des Abends bei wie MSV-Liebling Joachim Hopp. Auch im Publikum war augenscheinlich eine Reihe von Mitstreitern aus alten MSV-Zeiten, die ihm bei Erinnerungslücken auf die Sprünge halfen. Mehr als 500 Gäste waren begeistert.

In der ersten Halbzeit saßen sie zu zweit in bequemen Sesseln auf der Bühne: Ewald Lienen und der Sportjournalist Michael Born, die regelmäßig gemeinsam Podcasts erstellen. Beide kennen sich also bestens, spielen sich die Bälle mal mehr oder weniger zufällig, aber oft punktgenau zu. Der Ostwestfale Lienen erzählt unter anderem, wie er zum Profifußballer wurde. „In der Kindheit gab es nur Schule und Fußball für mich.“ Aber er spielte nicht im Verein: nicht in einem Leistungszentrum, sondern auf der Straße. Als Arminia Bielefeld 1974 auf ihn aufmerksam wurde, erhielt er 2.500 Mark im ersten Jahr – ein Bruchteil dessen, was viele Spieler heute verdienen. Selbstkritisch, mit einem Zwinkern, gibt er zu: „Ich habe nur wenige Tore erzielt, aber ich habe viel gearbeitet für meine Mannschaft.“

Lienen gibt Einblicke in seine Stationen als Spieler: Als er aus Bielefeld weg wollte, bekam er Angebote von Düsseldorf („die spielten einen grauenhaften Fußball“), Bayern München („dorthin wollte ich nicht“) und Mönchengladbach („die spielten damals den schönsten Fußball Deutschlands, mit Vogts, Bonhof, Wimmer, Simonsen und anderen“). In der ersten Saison sei er immer dann zum Einsatz gekommen, wenn Jupp Heynckes kurz vor dem Ende seiner aktiven Karriere nicht mit von der Partie war: „Hier habe ich alles gelernt, was ich vorher nicht konnte.“ Mit vielen weiteren Anekdoten lockerte Lienen seine Biografie auf – etwa dass Berti Vogts einen starken Einfluss auf die Meinung von Udo Lattek hatte oder wie er mit dem schwierig zu faltenden Falk-Plan nach Niederkrüchten fahren musste, weil der Mannschaftsbus schon weg war, als er kam.

Wenn er nach seinen größten Erfolgen gefragt werde, bezieht sich die Antwort überraschenderweise nicht auf Fußball: Er sei darauf stolz, 46 Jahre mit seiner Frau Rosa zusammen zu sein und zwei tolle Kinder zu haben, die auch beide im Steinhof anwesend waren. Sie unterstützten ihn und mussten öfter seine Thesen bestätigen – oder auch mal widersprechen, sehr zur Freude des Publikums. Früher hätten sie sich manches Mal über ihn geärgert, etwa weil sie jeden Tag vor der Schule Milch mit Honig trinken mussten.

Auch beruflich bezeichnet sich Lienen als schwierig: „Ich war häufig nicht sozial kompatibel“. Er kam 1987 als Spieler zum MSV, trainierte später parallel die Amateurmannschaft und spielte dort sogar noch mal mit 42 Jahren mit, als ein Mann fehlte. Als er anschließend die erste Mannschaft trainierte, wurde er nach einem schlechten Saisonstart entlassen: „Das war absolut gerechtfertigt“. Ein Angebot, nach Gütersloh zu wechseln, schlug er aus – obwohl der Inhaber einer Pizzeria ihm jeden Montag eine Tüte Geld und eine Pizza geboten hatte.

MSV-Liebling und -Botschafter Joachim Hopp (rechts) hatte für Ewald Lienen eine Packung Dominosteine mitgebracht: „Zucker pur“. Foto: sam
MSV-Liebling und -Botschafter Joachim Hopp (rechts) hatte für Ewald Lienen eine Packung Dominosteine mitgebracht: „Zucker pur“. Foto: sam

Lienen zum MSV: Spüre „unbedingte Leidenschaft, Wille und Schnelligkeit“

In der Halbzeit wurde ein dritter Sessel aufgestellt: Mit tosendem Applaus empfingen die Fußballfreunde Joachim Hopp, der eine Tüte Dominosteine für seinen Freund Ewald mitgebracht hatte. „Hoppi“ arbeitete früher morgens am Hochofen, um nachmittags beim MSV trainieren zu können – erst in der Amateurmannschaft, später, als Lienen Trainer war, auch in der 1. Mannschaft. Er stellte fest: „Umso mehr du spielst, desto besser wirst du!“ und ergänzte, er sei nicht der technisch Beste gewesen, aber einer der schnellsten. Für ihn sei es eine Ehre gewesen, für Duisburg zu spielen. Zur aktuellen Situation des Vereins stellte der MSV-Botschafter klar: „Die Leidenszeit ist vorbei, ich kann wieder stolz durch Duisburg gehen!“ Auch für Lienen, dem viel daran liegt, sich stetig verbessern zu wollen, ist es kein Wunder, dass der MSV derzeit so gut spielt: „Im Gegensatz zu den letzten Jahren spüre ich unbedingte Leidenschaft, Wille und Schnelligkeit.“

Lienen, der als Spieler ebenfalls ein Kämpfertyp und sehr schnell war, legte schon immer Wert auf Ernährung und möchte nicht jeden Tag Fleisch essen – aus Rücksicht auf die Natur und wegen der Gesundheit der Spieler. Für Hopp, dem es wichtig war, jeden ersten Zweikampf im Spiel zu gewinnen, waren die damaligen Fleischrationen hingegen zu wenig – und so fliegen die (Wort-)Bälle hin und her.

Beide waren sich einig, dass der deutsche Weg „50+1“, der die Übernahme von Profimannschaften durch Investoren verhindert und von Zeit zu Zeit in Frage gestellt wird, der richtige sei. Wichtig sei es, den Nachwuchs zu fördern: „Wir haben viele tolle Talente“, weiß Lienen, der auch erzählte, wie er oft mit Felix Magath verwechselt wird. Sein Appell: Geld vor allem in die Trainer zu investieren. Diese könnten die jungen Spieler in der Persönlichkeitsentwicklung und Charakterbildung stärken: „Die Qualität der Spieler hängt von den Trainern ab!“ Unverständlich ist für ihn, dass der Sieger des Dschungelcamps eine Prämie von 300.000 Euro erhält, ein Olympiasieger aber nur 20.000 Euro.

Bevor alle Mitwirkenden auf der Bühne „Gute Nacht, Freunde“ sangen und damit der Abpfiff erfolgte, bedankte sich Jupp Goetz: „Es war ein toller Abend. Ich habe mich keine Sekunde lang gelangweilt.“ Damit sprach er wohl vielen Zuschauenden aus der Seele.

Ein ausführliches Interview ist unter „Interview mit Ewald Lienen ‚Und immer schön auf dem Teppich bleiben‘ “ nachzulesen.

Zwei langjährige Freunde, Jupp Goetz (links) und Kim Merz, unterstützten Ewald Lienen in Huckingen musikalisch. Foto: sam
Zwei langjährige Freunde, Jupp Goetz (links) und Kim Merz, unterstützten Ewald Lienen in Huckingen musikalisch. Foto: sam

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