Ein Herz, das trägt: Bettina Attenberger und ihr Leben für andere

Bettina Attenberger ist gerne für andere Menschen da. Foto: privat
Bettina Attenberger ist gerne für andere Menschen da. Foto: privat

Mit 16 wollte Bettina Attenberger Medizin studieren. Der Wunsch, Menschen zu helfen, war schon damals da – nur das Studium war lang und teuer. Also wurde sie Ergotherapeutin. Heute ist sie Gründerin der Trageschule NRW, Mutter zweier Kinder, SAFE-Mentorin (sie begleitet Eltern mit einem Bindungsprogramm durch Schwangerschaft und erstes Lebensjahr des Kindes), Resilienztrainerin, Sterbebegleiterin und Co-Leiterin von Trauerseminaren. Eine Aufzählung, die mehr über eine Haltung erzählt als über einen Lebenslauf.

1995 lernte Attenberger in der ersten deutschen Trageschule in Berlin die wichtigsten Bindetechniken kennen – und war sofort fasziniert. „Alltag mit Baby und zwei freien Händen. Körpernahe Betreuung. Die Kinder wachsen einem regelrecht ans Herz.“ 1997 eröffnete sie die Ausstellung „Ins Leben tragen“, seitdem gibt sie Kurse zum Thema Tragen und bildet sich bis heute regelmäßig fort. Ihr Weg führte sie dabei bis nach Frankreich, Berlin und Bayern – immer mit dem Blick auf das Wohl anderer. Ihr Sohn bringt es auf den Punkt: „Mama ist einfach eine herzensgute Seele und immer für andere da.“

Was Bettina Attenberger besonders macht: Sie hat keine Berührungsängste mit dem Tod. In der Diakonie leitet sie den Kunst- und Werkladen EigenArt, in dem Menschen mit seelischen, manchmal auch körperlichen Beeinträchtigungen handgemachte Geschenke, Schmuck und Wohnaccessoires herstellen – sinnvolle Arbeit, die Halt gibt. Als Honorarkraft engagiert sie sich zusätzlich im Hospiz, wo sie Bewohnerinnen und Bewohnern mit dem Kreativangebot MuT (Machen und Tun) letzte Wünsche erfüllt. Etwa mit einem alten Herrn, mit dem sie ein Reisetagebuch als Erinnerung für dessen Enkel gestaltete. Zwei Tage nach der Fertigstellung verstarb er.

„Es macht mich zutiefst zufrieden, Menschen auf ihrem letzten Weg zu begleiten und mit ihnen noch Dinge umzusetzen, die sie gerne noch im Leben machen wollten“, sagt Attenberger. Auch als ihr eigener Mann viel zu früh eine schwere Diagnose erhielt, begleitete sie ihn auf seinem kurzen letzten Weg. „Der Tod gehört nun mal zum Leben, und ich habe keine Angst vor ihm. Aber Sterbenden den schönsten Weg in die Ewigkeit zu ermöglichen, ist doch das Einzige, was ich dann noch tun kann.“ Deshalb bietet sie auch ehrenamtlich Trauerseminare in der Hospizgruppe an, um Angehörige ebenso zu begleiten.

Privat liebt Attenberger die Fotografie – 300 ihrer Bilder laufen im Hospiz über einen Bildschirm, damit Bewohner, die das Haus nicht mehr verlassen können, trotzdem täglich schöne Eindrücke haben. Und als wäre das noch nicht genug Engagement für ein Leben, kümmert sich Attenberger auch um die Schwäne in Ratingen – ein weiteres stilles Kapitel ihres Einsatzes für alles, was Schutz braucht. Und bei allem geht es ihr nie um die große Geste – sondern um die vielen kleinen Momente, in denen ein Leben leichter wird.

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