Die Post in Angermund

In den 1930er Jahren war die Postagentur im Haus Brokerhoff untergebracht. Foto: Sammlung Angermunder Kulturkreis
In den 1930er Jahren war die Postagentur im Haus Brokerhoff untergebracht. Foto: Sammlung Angermunder Kulturkreis

Die folgende Kurzübersicht macht deutlich, dass die Geschichte der Post in Angermund eng mit der Entwicklung des Ortes und seiner Einbindung in die jeweiligen Verkehrs- und Verwaltungsstrukturen verbunden ist.

Angermund war über Jahrhunderte Sitz des bergischen Amtes Angermund und damit ein wichtiger Verwaltungsort im Norden des Herzogtums Berg. Dadurch bestand schon früh Bedarf am Austausch von Nachrichten, die von Postboten oder Postreitern übermittelt wurden.

Als das Großherzogtum Berg 1814 nach dem Ende der napoleonischen Besatzung an Preußen fiel, wurde aus der bergischen Mairie Angermund die preußische Bürgermeisterei Angermund.

1876 erhielt Angermund im Zuge der beginnenden Industrialisierung mit der Anbindung an die Eisenbahn auch eine Postagentur der Reichspost. Postagenturen wurden von Privatpersonen im Nebenberuf betrieben – sehr häufig von Gastwirten, Krämern (Kolonialwarenhändlern) oder Lehrern. Der Leiter hieß „Postagent“. Ein amtlicher Nachweis der Anschrift der Angermunder Postagentur konnte in den frei verfügbaren Quellen nicht gefunden werden. Da sich das Dorfleben und der Verkehr damals nahezu vollständig auf die heutige Graf-Engelbert-Straße konzentrierten, wird die erste Postagentur in der ortsgeschichtlichen Literatur dem alten Ortskern zugerechnet.

In den 1920er Jahren befand sich die Postagentur im Haus des Malers de Waal an der Adresse Angermund 6 Foto: Sammlung Jürgen de Waal
In den 1920er Jahren befand sich die Postagentur im Haus des Malers de Waal an der Adresse Angermund 6 Foto: Sammlung Jürgen de Waal

Das Foto aus den 1920er Jahren zeigt die Postagentur im Haus des Malers Cornelis de Waal (Angermund 6, später Graf-Engelbert-Straße 8). Man erkennt darauf die Bedeutung der Postagentur für die Menschen vor Ort: Hier wurden gerade erhaltene Nachrichten ausgetauscht und Packstücke aller Art versandt oder in Empfang genommen. Michael Steinhoff, ein Verwandter der Familie de Waal, konnte zwar nicht sagen, ob die de Waals die Postagentur betrieben, erinnert sich aber, dass es im de-Waal-Haus links vom Eingangsflur einen Raum gab, der nicht zur Wohnung gehörte und auch meist unbeheizt blieb.

Das Haus Bahnhofstraße 21, früher Hindenburgstraße 21, beherbergte die Post von 1942 bis 1958 und steht seit 2011 unter Denkmalschutz (Aufnahme von 2023). Foto: gemeinfrei
Das Haus Bahnhofstraße 21, früher Hindenburgstraße 21, beherbergte die Post von 1942 bis 1958 und steht seit 2011 unter Denkmalschutz (Aufnahme von 2023). Foto: gemeinfrei

Später befand sich die Postagentur im Haus der Familie Brokerhoff (heute Graf-Engelbert-Straße 37), bevor sie ab 1942 ihre Diensträume im Haus Hindenburgstraße 21 hatte. Dieses Haus wurde 1930/31 erbaut und seit 1934 vom Elektro-Ingenieur Wilhelm Sasse bewohnt. Nach dem Krieg wurde die Hindenburgstraße in Bahnhofstraße umbenannt. Das Haus Nr. 21 ist seit 2011 denkmalgeschützt.

Von 1958 bis Ende der 1990er Jahre hatte das Postamt Angermund seine Räume im Gebäude Angermunder Straße 9 (Aufnahme aus den 1980er Jahren). Foto: Sammlung Angermunder Kulturkreis
Von 1958 bis Ende der 1990er Jahre hatte das Postamt Angermund seine Räume im Gebäude Angermunder Straße 9 (Aufnahme aus den 1980er Jahren). Foto: Sammlung Angermunder Kulturkreis

Eigene Räumlichkeiten erhielt die Deutsche Bundespost 1958 in dem Wohn- und Geschäftshaus Kalkumer Straße 9 (heute Angermunder Straße 9), das 1955/56 von der Familie Weber als Wohn- und Geschäftshaus gebaut worden war. Hier befand sich die Filiale der Deutschen Bundespost bis Ende der 1990er Jahre. Der von der Familie Weber inzwischen in vierter Generation geführte Meisterbetrieb für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik ist dort noch immer ansässig.

Der Eingang des Postamts an der Angermunder Straße 9 in den 1980er Jahren. Foto: Sammlung Angermunder Kulturkreis
Der Eingang des Postamts an der Angermunder Straße 9 in den 1980er Jahren. Foto: Sammlung Angermunder Kulturkreis

Zum besseren Verständnis der Einbindung Angermunds in die Gesamtorganisation der Post ist ein Exkurs über die Entwicklung der Postleitzahlen hilfreich. Diese wurden im Zweiten Weltkrieg ab 1943 als zweistellige, numerische Zahlen für 32 Leitgebiete eingeführt. Die Rheinprovinz erhielt die 22. Für den britisch besetzten Teil der ehemaligen Rheinprovinz wurde 1946 die Leitzahl 22a vergeben. Als Rechtsnachfolgerin der Deutschen Reichspost übernahm die Deutsche Bundespost 1947 alle Aufgaben des Postdienstes.

Mit den von der Deutschen Bundespost 1962 eingeführten vierstelligen Postleitzahlen (PLZ) wurden acht Leitzonen eingeführt. Düsseldorf als eine von insgesamt acht Großstädten erhielt eine einstellige PLZ: „4 Düsseldorf“. Angermund bekam die PLZ 4034, die bis zur Eingemeindung nach Düsseldorf gültig blieb.

Mit der Eingemeindung nach Düsseldorf zum 1. Januar 1975 wurde die postalische Versorgung Angermunds in die Organisationsstruktur der Großstadt eingebunden. Angermund hieß postalisch nun „4000 Düsseldorf-Angermund“, später „Düsseldorf 34″, was eine Reminiszenz an die alte Angermunder PLZ 4034 war.

Als die Deutsche Bundespost Anfang der 1990er Jahre die Zustellung in Angermund nicht mehr vom örtlichen Postamt aus vornahm, sondern nach Kaiserswerth verlagerte, änderte sich die postalische Bezeichnung für Angermund in „4000 Düsseldorf 31″. Zum 1. Juli 1993 wurde das System der fünfstelligen PLZ eingeführt. Angermund hat seitdem die postalische Bezeichnung „40489 Düsseldorf“. Zum 1. Januar 1995 wurde die Deutsche Bundespost im Zuge der zweiten Postreform (Privatisierung) in die Deutsche Post AG umgewandelt.

Nach der Postreform wurden viele klassische Postämter zwischen 1995 und etwa 1998 in Partnerfilialen innerhalb von Einzelhandelsgeschäften umgewandelt. Im Zuge dieser Umstellung wurde auch die noch von der Bundespost selbst betriebene Filiale im Haus Angermunder Straße 9 geschlossen und durch eine sogenannte Postfiliale im Einzelhandel ersetzt. Die Umwandlung in Angermund war eine der ersten ihrer Art. Die anfangs spöttisch als Kinderpost bezeichnete Angermunder Postfiliale wurde im SPAR-Markt Gödde & Wuff, Angermunder Straße 40, eröffnet. SPAR-Märkte gehörten damals zu den häufigsten Partnern der Deutschen Post.

Nachdem die Familien Gödde und Wuff ihren SPAR-Markt in Angermund aufgaben, übernahm 2006 Dirk Schmitz mit seinem Geschäft Zweirad Brokerhoff in der Graf-Engelbert-Straße 37 die Angermunder Postfiliale (Deutsche Post, Postfiliale 511). Die Angermunder Post kehrte damit nach über 70 Jahren an ihren früheren Standort zurück.

Seit 2006 ist die Angermunder Postfiliale im Haus Graf-Engelbert-Straße 37 untergebracht, wo schon Jahrzehnte zuvor die Postagentur ihren Sitz hatte (Aufnahme von 2023). Foto: cfs
Seit 2006 ist die Angermunder Postfiliale im Haus Graf-Engelbert-Straße 37 untergebracht, wo schon Jahrzehnte zuvor die Postagentur ihren Sitz hatte (Aufnahme von 2023).
An der Angermunder Straße 40 verkauft heute ein EDEKA-Markt, wo um den Jahrtausendwechsel im SPAR-Markt Gödde & Wuff die anfangs als „Kinderpost“ verspottete Postfiliale eröffnete. Vom früheren Poststandort blieb nur der gelbe Briefkasten (Aufnahme von 2026).
An der Angermunder Straße 40 verkauft heute ein EDEKA-Markt, wo um den Jahrtausendwechsel im SPAR-Markt Gödde & Wuff die anfangs als „Kinderpost“ verspottete Postfiliale eröffnete. Vom früheren Poststandort blieb nur der gelbe Briefkasten (Aufnahme von 2026).

Dieser Beitrag stammt von unserem Gastautor Christian F. Seidler.

Soweit nicht anders angegeben stammen die Abbildungen zu diesem Beitrag aus der Sammlung unseres Gastautors. Wegen der schlechten Qualität der Originale wurde alle Abbildungen mit KI optimiert, ohne dabei die Anmutung der Originale zu verändern.

NORDBOTE-Newsletter
Neuste Nachrichten für Düsseldorf-Nord und Duisburg-Süd, Events und Angebote jeden Dienstag- und Freitagmorgen direkt in Ihr Mail-Postfach!

2 Kommentare

  1. Schöner Artikel über die Angermunder Post, ABER…
    …Obacht bei der Bearbeitung von Fotos mit und durch KI.
    Weniger ist mehr.
    Was würde Rudi Brokerhoff wohl zu seinem „neuen freistehenden“ Haus sagen?
    Der Teufel steckt im Detail oder eben auch nicht !!!
    Müssen jetzt alle Fotos in solch einem Bericht durch KI bearbeitet bzw. `verschlimmbessert` werden?
    Nix für ungut !

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert