„Ciao Angerland“ – Bürgerfest auf Schloss Linnep erinnert an 50 Jahre kommunale Neugliederung

Blick auf Schloss Linnep durch den Torbogen mit zahlreichen bereits eingetroffenen Besucherinnen und Besuchern. Foto: ah
Blick auf Schloss Linnep durch den Torbogen mit zahlreichen bereits eingetroffenen Besucherinnen und Besuchern. Foto: ah

Zahlreiche Besucherinnen und Besucher kamen am Sonntag, 18. Mai, zum Bürgerfest auf Schloss Linnep, um das 50-jährige Jubiläum der kommunalen Neugliederung des ehemaligen Amtes Angerland zu feiern. Der historische Veranstaltungsort mit seinem fast tausend Jahre alten Wehrturm und dem barocken Haupthaus aus dem 17. Jahrhundert bot den passenden Rahmen für die Feierlichkeiten.

Veranstaltet wurde das Fest von den Heimat- und Kulturvereinen aus Angermund, Wittlaer, Kalkum und Lintorf. Unterstützung kam vom Stadtarchiv Ratingen, dem Kreisarchiv Mettmann und dem ADFC Ratingen.

Für den musikalischen Auftakt sorgten die Rhine Area Pipes and Drums. Die bekannte Dudelsackband aus Düsseldorf, gegründet 1977, begleitete den Beginn des Festes mit schottischen Melodien.

Die Rhine Area Pipes and Drums sorgten mit schottischer Dudelsackmusik für einen stimmungsvollen Auftakt der Feierlichkeiten. Foto: ah
Die Rhine Area Pipes and Drums sorgten mit schottischer Dudelsackmusik für einen stimmungsvollen Auftakt der Feierlichkeiten. Foto: ah

Im Mittelpunkt des Programms standen die Reden von Innenminister Herbert Reul, Düsseldorfs Oberbürgermeister Dr. Stephan Keller und Ratingens Bürgermeister Klaus Pesch. Herbert Reul erinnerte an die Zeit der kommunalen Neugliederung als politisch aufgeladene Phase. Die Reform sei nicht unumstritten gewesen, viele Bürgerinnen und Bürger hätten sich gegen die Eingemeindung gewehrt. Dennoch sei es gelungen, wie Reul sagte, „Verwaltungsstrukturen zu schaffen, die größer sind, die arbeitsfähiger sind“. Heute zeige sich, dass diese Strukturen tragfähig und leistungsfähig seien. Er betonte die Bedeutung der kommunalen Ebene für das Vertrauen in den Staat. Sein Fazit lautete, dass man keine großen Versprechen machen solle, sondern lieber kleine Dinge liefere. Dies gelte sowohl in der Kommunalpolitik als auch in der Bundespolitik. Der Innenminister Reul rief dazu auf, die anstehende Kommunalwahl ernst zu nehmen und sie als Gelegenheit zu begreifen, zu zeigen, dass einem die Gemeinschaft vor Ort wichtig ist. Zum Schluss erinnerte er daran, dass man auch einmal feiern dürfe, in einer funktionierenden Demokratie zu leben.

Innenminister Herbert Reul bei seiner Ansprache vor Schloss Linnep. Foto: ah
Innenminister Herbert Reul bei seiner Ansprache vor Schloss Linnep. Foto: ah

Oberbürgermeister Dr. Stephan Keller schilderte seine eigenen Erfahrungen mit der kommunalen Neugliederung in seiner Jugendzeit, als sein Heimatort Kohlscheid Teil der Stadt Herzogenrath wurde. Er betonte, wie gut sich Angermund, Kalkum und Wittlaer heute in das Leben der Stadt Düsseldorf eingefügt hätten, ohne ihre Identität zu verlieren. Auf die Frage des Moderators Christian Pannes, welche Präsenz die kommunale Neugliederung heute noch habe, antwortete Keller, dass sie im Alltag kaum noch spürbar sei. Erkennbar sei sie allenfalls an kleinen Details – etwa daran, dass der Bezirksvertreter für Angermund noch eine Telefonvorwahl aus Duisburg habe. Als Beispiel nannte Keller die geplante Umgestaltung des Kaiserswerther Marktes. Solche Fragen könne die Bezirksvertretung 5 am besten beurteilen, denn sie wisse, was vor Ort gebraucht werde, um den Platz in die Zukunft zu führen. Zudem ging er auf die Digitalisierung der Verwaltung ein. Düsseldorf sei in einigen Bereichen gut aufgestellt, etwa bei Baugenehmigungsverfahren. Für viele standardisierte Prozesse seien jedoch zentrale, bundesweit einheitliche digitale Lösungen erforderlich, um die Kommunen zu entlasten.

Ratingens Bürgermeister Klaus Pesch, Düsseldorfs Oberbürgermeister Dr. Stephan Keller und Moderator Christian Pannes (von links) im lockeren Gespräch vor Schloss Linnep. Foto: ah
Ratingens Bürgermeister Klaus Pesch, Düsseldorfs Oberbürgermeister Dr. Stephan Keller und Moderator Christian Pannes (von links) im lockeren Gespräch vor Schloss Linnep. Foto: ah

Bürgermeister Klaus Pesch sprach über die Entwicklung Ratingens seit der Eingemeindung von Lintorf, Hösel, Breitscheid und Eggerscheidt. Die Stadt habe dadurch deutlich an Fläche, Bevölkerung und Vielfalt gewonnen. In einer persönlichen Anekdote berichtete er von einer Situation in der Schule seines Sohnes. Dieser wurde gefragt, ob sein Vater Bürgermeister sei, woraufhin einige Mitschüler wissen wollten, ob er Bürgermeister von Ratingen oder von Lintorf sei. Das zeige, dass die einstige Eigenständigkeit der Stadtteile auch in der jungen Generation noch präsent sei. Auch Pesch betonte die Chancen der Digitalisierung und verwies auf konkrete Fortschritte, etwa bei Online-Angeboten der Volkshochschule oder im Jugendamt. Gleichzeitig müsse weiter daran gearbeitet werden, Verwaltungsprozesse einfacher und zugänglicher zu gestalten.

Im Anschluss stellte Christian Pannes die neue Fahrradkarte „Radtour durch das Angerland“ vor. Die Route verbindet die sieben Ortsteile auf einem rund 53 Kilometer langen Rundkurs. Ihre Form erinnert an einen Schmetterling und symbolisiert die historische Struktur des ehemaligen Amtes Angerland. Die Karte enthält Hinweise zu Sehenswürdigkeiten entlang der Strecke und ist sowohl gedruckt als auch digital erhältlich.

Moderator Christian Pannes stellt die neue Fahrradkarte „Radtour durch das Angerland“ vor. Foto: ah
Moderator Christian Pannes stellt die neue Fahrradkarte „Radtour durch das Angerland“ vor. Foto: ah

Am Vormittag hatten sich außerdem mehrere Wandergruppen und eine Radgruppe auf den Weg nach Schloss Linnep gemacht. Die Wandergruppen wurden vom Eifelverein, dem Kulturkreis Hösel, den Ratinger Jonges und dem Lintorfer Heimatverein geführt. Die Radgruppe kam vom Kulturkreis Angermund. Ein leichter Regen zu Beginn konnte die Stimmung nicht trüben – später zeigte sich das Wetter von seiner besten Seite.

Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Fahrradtour aus Angermund beim Start am Sportplatz Angermund. Foto: ah
Teilnehmende der Fahrradtour aus Angermund beim Start am Sportplatz Angermund. Foto: ah

Im Anschluss sorgte eine Fahrradakrobatikshow für Staunen. Mit Sprüngen, Balanceakten und Präzision begeisterte der Künstler das Publikum.

Eindruck aus der Fahrradakrobatikshow im Anschluss an den Festakt. Foto: ah
Eindruck aus der Fahrradakrobatikshow im Anschluss an den Festakt. Foto: ah

Auch das Spielmobil der Stadt Ratingen sowie kulinarische Angebote vom Grill sorgten für ein abwechslungsreiches Programm. Im Rahmen des Festakts wurde außerdem die Wanderausstellung „Zwischen Hoffen und Bangen – die ‚Grüne Freiheit Angerland‘ und die Kommunale Neugliederung“ eröffnet. Die Ausstellung beleuchtet die kontroversen Debatten und lokalen Initiativen rund um die Reform und zeigt anhand historischer Originaldokumente, wie engagiert viele Bürgerinnen und Bürger damals für den Erhalt ihrer Gemeindegrenzen gekämpft haben.

Viele Gäste nutzten die Gelegenheit zum Austausch und verbrachten den sonnigen Nachmittag in lebendiger Atmosphäre rund um das Schloss.

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