Bunker in Kaiserswerth – Relikte des Krieges

Inspektion auf der Baustelle. Im Hintergrund die Häuserzeile Café Schuster bis Reformhaus Goll. Archivfoto: Privat
Inspektion auf der Baustelle. Im Hintergrund die Häuserzeile Café Schuster bis Reformhaus Goll. Archivfoto: Privat

Ein vor rund zehn Jahren aufgefundener 16-mm-Schwarzweißfilm über den Bau der Bunkeranlage an der Klemensbrücke von 1941 bis 1943 wurde vom Vorstand und den Mitarbeitenden des Heimat- und Bürgervereins bearbeitet und mit Kommentaren versehen. Wer damals der Filmemacher bzw. der Auftraggeber war, ist nicht bekannt – ebenso wenig, welche Ziele er damit verfolgte.

Der am 8. Mai 2025 in der Aula der Grundschule vorgeführte Film zeigt nicht nur die damalige Bauweise, sondern auch die ausführenden Bauarbeiter. Es handelte sich um französische Kriegsgefangene, was an den Uniformen zu erkennen ist, aber offensichtlich auch um Fremd- oder Zwangsarbeiter. Franz-Josef Vogel, der fachkundige Erläuterungen zum Film gab, meinte, die Unterkünfte seien in der Tonhalle (rückwärtige Halle) und in Baracken am Ritterskamp gewesen. Auf dem Film waren sie nicht zu sehen.

Verladung von Baumaterial auf Loren unter militärischer Bewachung. Archivfoto: Privat
Verladung von Baumaterial auf Loren unter militärischer Bewachung. Archivfoto: Privat

Das Baumaterial wurde mit Lastkähnen an der Rheinuferpromenade angeliefert und mit einer Lorenbahn zur Betonmischanlage auf die Bastion St. Suitbertus (heutiger Schulhof) transportiert. Die Ausdehnung der Großbaustelle wird in dem Film deutlich. Im Zusammenhang mit dem Bunkerbau wurden die Klemensbrücke, die Gebäude zwischen der Brücke und der Friedrich-von-Spee-Straße sowie die Straße Am hohen Wall (Euro-Grill) erneuert. Teilweise erfolgte der Wiederaufbau erst nach dem Ende des Krieges. Wegen starken Frosts über Monate im Winter 1941/42 ruhten die Bauarbeiten. Der Rhein war zugefroren und zu Fuß überquerbar.

Die gesamte Bunkeranlage besteht aus dem Hochbunker (umgebaut zu Eigentumswohnungen), dem Bunker mit dem Kiosk „Tapperts“ gegenüber und zwei jetzt ungenutzten Geschossen unter dem Kaiserswerther Markt.

Suche nach einem während der Bauarbeiten abgeworfenen Bombenblindgänger im Grundwasser. Im Hintergrund freigelegte Fundamente früherer Festungsanlagen. Archivfoto: Privat
Suche nach einem während der Bauarbeiten abgeworfenen Bombenblindgänger im Grundwasser. Im Hintergrund freigelegte Fundamente früherer Festungsanlagen. Archivfoto: Privat

Ungewöhnlich ist der hohe, schlanke Hochbunker. Er hat im Vergleich mit den üblichen Hochbunkern ein ungünstiges Verhältnis von Treppenhaus (Fluchtweg) zu Schutzräumen. Dies sei mit Rücksicht auf das historische Stadtbild so gebaut worden, meinte ein fachkundiger Gast – zumal eine Verblendung ab dem ersten Obergeschoss mit roten Ziegeln vorgesehen war.

Im März und April 1945 wurden die Kaiserswerther Bunker einer Bewährungsprobe unterzogen. Amerikanische Truppen hatten das linke Rheinufer erreicht und richteten mit Artillerie sechs Wochen lang erhebliche Schäden an. Es gab Tote und viele Verletzte. Ostern 1945 verbrachten Kaiserswerther im Bunker – ängstlich und dicht gedrängt. Josef Richrath und „Schmitz Backes“, ein Kaiserswerther Bäcker, fertigten darüber ein eindrucksvolles Gedenkblatt („Heilige Not“) an.

Franz-Josef Vogel mit einem Granatsplitter und Ursula Lösch mit dem Gedenkblatt Kaiserswerth Ostern 1945 – „Heilige Not“. Foto: Karl Döhler
Franz-Josef Vogel mit einem Granatsplitter und Ursula Lösch mit dem Gedenkblatt Kaiserswerth Ostern 1945 – „Heilige Not“. Foto: Karl Döhler

Dr. Annett Büttner berichtete über den Röhrenbunker am Kuhtor und den „Notbunker“ unter dem Parkplatz zwischen Diakonie-Nervenklinik und Zepenheimer Weg. Als die schlimmsten „Relikte“ des Krieges verortete sie verschiedene Gräberfelder von Soldaten und zivilen Kriegsopfern, einschließlich der hier tätigen Fremd- und Zwangsarbeiter.

Genau 80 Jahre nach Ende des Krieges mag manchem Gast des sehr gut besuchten Filmabends zur Frage, ob der 8. Mai 1945 ein Tag der Niederlage oder der Befreiung war, in den Sinn gekommen sein, dass es auf jeden Fall ein Tag der Befreiung von den Schrecken eines unsinnigen Krieges war.

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