Es war warm am Samstag, fast zu warm für ein Fest – doch die Kaufleute des Klemensviertels ließen sich davon nicht beirren. Der Brunnen sprudelte endlich wieder, Lampions zierten den Platz und Tische und Bänke mit weißen Hussen luden zum Verweilen ein. Mit viel Engagement sorgten die Kaufleute dafür, dass es trotz der Hitze gemütlich wurde. Spätestens am Abend füllten sich der Platz dann auch zusehends: Kaiserswerth feierte sein Klemensviertel, das in diesem Jahr 40 Jahre alt wird.
Den Auftakt machte am Nachmittag das Museum Kaiserswerth an der Fliednerstraße 32. Zur Eröffnung der Ausstellung „40 Jahre Klemensviertel“ füllten sich die Räume rasch, unter den Gästen Oberbürgermeister Dr. Stephan Keller und Mitglieder der Familie des Architekten Walter Brune. Kerstin Döhler vom Vorstand des Heimat- und Bürgervereins begrüßte die Anwesenden, bevor Keller in seinem Grußwort den Bogen von der über 1.300-jährigen Geschichte Kaiserswerths bis zu diesem vergleichsweise jungen Kapitel spannte.
Jung – und keineswegs unumstritten. Mitte der 1980er Jahre war das Klemensviertel ein Streitfall: Bereits Anfang der 1970er Jahre hatte Architekt Walter Brune erste Pläne entwickelt, ein großes, baumbestandenes Gelände östlich des Klemensplatzes mit mehrstöckigen Wohnhäusern und einem integrierten „Dorfplatz“ zu bebauen. Die Idee stieß über Jahre auf Protest der Anwohner und scharfe Kritik. Am 27. Mai 1986 wurde schließlich Richtfest für den rund 5.000 Quadratmeter großen Platz gefeiert, am 4. Oktober desselben Jahres eröffnete Brune das fertige Quartier.
Heute zeigt sich, so Keller, ein lebendiges, gut angenommenes Viertel zwischen Freibad, Friedhof und Stadtbahnstation. Der Oberbürgermeister zog Parallelen zu anderen einst umstrittenen Düsseldorfer Projekten wie der Arena oder der Rheinuferpromenade und nannte das Klemensviertel ein Beispiel dafür, dass man manchmal offen sein sollte für Neues. Besonderen Dank richtete er an den Heimat- und Bürgerverein: Dessen ehrenamtlicher Einsatz trage maßgeblich dazu bei, dass Kaiserswerth lebenswert bleibe.
Die fachliche Einordnung übernahm anschließend der Architekt und Stadtplaner Dr.-Ing. Just Gérard, ebenfalls im Vorstand des Vereins. In seinem Impulsvortrag verortete er das Klemensviertel in der städtebaulichen Idee der „Stadt in der Stadt“. Die Ausstellung selbst zeichnet die Entstehung mit historischen Fotos, Grundrissen aus den verschiedenen Planungs- und Bauphasen, Luftaufnahmen und einem Stadtmodell nach – und macht so sichtbar, welch langer Weg hinter dem heute selbstverständlich wirkenden Platz liegt.


Während im Museum die Vergangenheit aufgearbeitet wurde, war im Viertel selbst längst Gegenwart angesagt. Unter dem Motto „Shoppen, dine & wine“ hatten die Geschäftsleute von 10 bis 22 Uhr ihre Türen geöffnet. Organisatorin Andrea Dahmen vom Bekleidungsgeschäft Maison de fil hatte das Fest bewusst klein und fein gehalten: Ein DJ sorgte für Musik, die Gastronomen tischten Kulinarisches auf, eine Fotobox und ein Glücksrad luden zum Verweilen ein, und am Getränkestand des Restaurants Tonhalle am Klemensplatz kühlten sich die Gäste bei der Hitze ab. Im Anschluss an die Ausstellungseröffnung schaute auch Oberbürgermeister Keller beim Fest vorbei.
Das Engagement der Kaufleute zahlte sich aus. Was bei sommerlichen Temperaturen zunächst zögerlich begann, entwickelte sich zum Abend hin zu einem belebten Treffpunkt – ein kleines Abbild dessen, was Keller schon am Nachmittag beschrieben hatte: ein Viertel, das einst umkämpft war und heute einfach nur gerne genutzt wird.





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