Auf einen Kaffee mit … Schwester Emmanuela

Schwester Emmanuela freut sich stets, neue Menschen kennenzulernen. Foto: cj
Schwester Emmanuela freut sich stets, neue Menschen kennenzulernen. Foto: cj

Wer an Nonnen denkt, hat oft Bilder von verschrobenen oder strengen Frauen im Kopf. Wer jedoch Schwester Emmanuela (Kohlhaas) begegnet, erlebt das genaue Gegenteil. Die Hausoberin des Angermunder Benediktinerinnenklosters ist eine Frau der Wissenschaft, der Musik und der Tat – und eine Frau, die mit 65 Jahren eine beeindruckende Dynamik ausstrahlt. Schwester Emmanuela ist eine echte Generalistin.

Die gebürtige Neusserin promovierte in Musikwissenschaft und studierte zudem Theologie, Psychologie sowie Vergleichende Religionswissenschaften. Doch damit nicht genug: Später absolvierte sie einen Master in Coaching und Organisationsberatung. Seit 1982 lebt sie als Benediktinerin, lehrte jahrelang an der Musikhochschule Köln und leitete als Priorin das dortige Kloster, bevor ihr Weg sie nach Angermund führte.

uf ihr neues Zuhause, das die Benediktinerinnen im Spätsommer 2022 bezogen haben, ist sie sehr stolz. Wenn sie erzählt, huscht oft ein verschmitztes Lächeln über ihr Gesicht – man merkt sofort: Diese Frau ist weltoffen und hat viel zu sagen. Schon mit 19 Jahren wusste sie genau, wo ihr Platz im Leben ist.

Wer sind Sie in einem Satz? Ich bin Tochter, Schwester und Tante, zugleich Ordensschwester, Musikwissenschaftlerin und Coachin.

Was verbindet Sie mit Angermund? Und was würde Ihnen fehlen, wenn Sie gehen müssten? Die Angermunder haben uns sehr herzlich empfangen, und unsere Gemeinschaft wächst stetig – das ist toll. Ich liebe es, hier mitten in der Natur zwischen den Metropolen Düsseldorf und Duisburg zu leben. Angermund ist für mich wie eine Insel. Es gibt hier alles Lebensnotwendige, inklusive einer wunderbaren Eisdiele. Mir würde das Radfahren an der Anger fehlen und die Abstecher zum Rhein, der mich schon mein ganzes Leben lang begleitet.

Welche Facette an Ihnen überrascht andere am meisten? Meine Vitalität und mein Temperament. Das gängige Klischee einer Nonne schwankt irgendwo zwischen Tradition und Historie – und dann komme ich. Sobald ich den Mund aufmache, passe ich in keine Schublade mehr.

Wenn Sie an Ihre Kindheit denken: Welches Bild taucht zuerst auf? Wie wir mit 14 Personen am Esstisch sitzen, und ich trotzdem das Gefühl hatte, es könnten noch mehr sein. Ich bin mit fünf Geschwistern, einer Pflegeschwester, Tanten und Onkeln aufgewachsen. Obwohl mein Vater starb, als ich erst neun war, hatte ich durch diesen starken Familienzusammenhalt eine sehr schöne Kindheit.

Was wollten Sie als Kind werden? Ganz ehrlich? Ich habe jedem erzählt, ich werde „Professor“. Mein Vater war Physikprofessor und das war für mich damals das Größte.

Was begeistert Sie an Ihrer heutigen Aufgabe? Die Lebendigkeit und die Vielseitigkeit. Ich arbeite in der Verwaltung, bin Autorin, spiele sonntags die Orgel, koche, schreibe einen Blog und coache. Da ich sehr früh wusste, welcher Weg der richtige für mich ist, führe ich heute ein sehr erfülltes und glückliches Leben.

Gab es den einen Moment, der alles verändert hat? Als ich als junges Mädchen über Ostern ein paar Tage im Kloster verbrachte. Das war mein „Aha-Moment“. Da stand für mich fest: Das ist die Spur, der ich folgen möchte. Ich war mir zu 100 Prozent sicher.

Wenn Sie der Welt eine Frage stellen dürften – welche wäre das? Was können wir tun, um das endlose Töten und Zerstören zu beenden? Wie finden wir zu einem Frieden ohne Gewalt und zu einem respektvollen Miteinander durch Kompromisse?

Was wünschen Sie sich für die nächste Generation? Ich wünsche mir vor allem etwas für sie: Dass die jungen Menschen Raum bekommen, um ihre eigene Spur zu finden und ihr Leben authentisch leben zu können.

Weitere Informationen zum Kloster und zu ihrem Blog gibt es unter: https://www.benediktinerinnen-angermund.de

NORDBOTE-Newsletter
Neuste Nachrichten für Düsseldorf-Nord und Duisburg-Süd, Events und Angebote jeden Dienstag- und Freitagmorgen direkt in Ihr Mail-Postfach!

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert