Ein Gespräch über Leben, Stadt und Zwischenmenschliches mit Jonas Marquardt. Der 56-Jährige ist nach 23 Jahren als Pfarrer der Evangelischen Kirchengemeinde in Kaiserswerth im Mai dieses Jahres zum Theologischen Vorstand der Kaiserswerther Diakonie berufen worden.
Wer sind Sie – in einem Satz?
Ich bin nicht nur Ehemann und dreifacher Vater, sondern auch Theologe. Theologie ist für mich nicht nur eine Glaubenswahrheit, sondern eine Form des Lebens und des Tuns, der ich zutiefst verbunden bin.
Was verbindet Sie mit Ihrem Stadtteil – und was würde Ihnen fehlen, wenn Sie wegziehen müssten?
Nach so vielen Jahren als Pfarrer kann ich sagen, dass hier viel Tradition auf ebenso viel Gegenwart stößt. Das macht die Menschen hier aus. Das Privileg des Wohlstands, der uns umgibt, gibt uns auch die Möglichkeit sowie die Verpflichtung, am Gemeinwohl zu arbeiten. Und genau das findet hier statt. Das schätze ich sehr, und es würde mir fehlen.
Welche Facette an Ihnen überrascht andere am meisten?
Mein Äußeres strahlt es bereits aus – ich bin durch und durch konservativ. Doch die rheinländische, oftmals pragmatische, unbürokratische Art, einfach mal zu machen, gefällt mir. Also habe ich mir einen gesunden Anarchismus im Interesse der Menschheit angeeignet. Damit rechnen die meisten nicht.
Wenn Sie an Ihre Kindheit denken – welches Bild taucht zuerst auf?
Ein achtjähriger Junge, der eine fremde Sprache und Schlips binden lernt. Meine Eltern sind mit uns damals nach England gezogen. Im Nachhinein war es eine wunderbare und lehrreiche Zeit.
Was wollten Sie als Kind einmal werden – und was ist daraus geworden?
Aus einer Pfarrerfamilie kommend, stand für mich früh fest, dass ich genau diesen Beruf erlernen möchte, was ja auch gelungen ist. Aber als ganz kleiner Junge war es mein Traum, einen Bauernhof mit Tieren zu haben. Denn vor meiner Zeit in England lebte meine Familie in einem kleinen Dorf in Hessen, wo es fast nur Bauern gab. Ich fand es großartig.
Was begeistert Sie an dem, was Sie heute tun – beruflich oder privat?
Beruflich freue ich mich, etwas bewegen zu können, und dass ich, was ich glaube, was für mich zentral ist, so in der Gesellschaft wirken lassen kann.
Privat sind es meine Kinder, auf die ich sehr stolz bin und die mir unendlich wichtig sind.
Gab es einen Wendepunkt in Ihrem Leben, der alles auf den Kopf gestellt hat?
Seit etwa fünf Jahren wird unsere Weltauffassung auf den Kopf gestellt. Wir dachten, dass wir einer sicheren und lösungsorientierten Zukunft entgegenschauen. Unser Frieden ist absolut infrage gestellt.
Wenn Sie der Welt eine einzige Frage stellen könnten – welche wäre das?
Wer gewinnt durch die Toten irgendetwas? Welche Nation, welche Religion? Nur im Leben, als Lebende im Zweifel gegeneinander bestenfalls miteinander können wir etwas bewegen, etwas verändern.
Von wem würden Sie als nächstes an dieser Stelle lesen?
Gundi Schuster – ich schätze sehr ihre großzügige Art.
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