Es gibt Läden, die sind mehr als nur eine Verkaufsstelle für Waren. Sie sind Treffpunkte, Ankerpunkte der Kindheit und Orte, an denen Träume in Regalen stehen. „Hotzenplotz“ war genau so ein Ort. Doch nun ist Schluss: Nach fast zwei Jahrzehnten zieht Inhaberin Ingrid May Ende März den Schlussstrich.
Was auf kleiner Fläche begann, entwickelte sich schnell zum Herzstück – gerade als auch noch Lindenlaub’s Buchhandlung nebenan war. Waren die Erwachsenen dort, verabschiedeten sich die Kinder gerne schon mal nach nebenan, um sich die neuesten Spielsachen anzuschauen. Vor knapp zehn Jahren folgte die Vergrößerung – ein mutiger Schritt, der den Erfolg und die Beliebtheit des Geschäfts unterstrich. Die 59-Jährige Inhaberin Ingrid May sorgte mit ihrer Auswahl und ihrer persönlichen Art für unzählige strahlende Kinderaugen. Für sie selbst war es eine Berufung. „Es war auf jeden Fall der schönste Job, den ich bislang gemacht habe“, resümiert sie rückblickend.
Doch die Realität des Einzelhandels ist in den letzten Jahren härter geworden. Trotz der emotionalen Bindung der Kunden fehlte zuletzt die Wirtschaftlichkeit. Die Rentabilität sank, bis May schließlich sogar eigene Ersparnisse zuschießen musste, um den Betrieb aufrechtzuerhalten. Eine schmerzhafte Entscheidung, die zeigt, dass Herzblut allein gegen veränderte Marktbedingungen oft nicht ausreicht. Mit dem „Hotzenplotz“ geht einer der letzten Orte, an denen persönlicher Service und die Freude am Spiel im Vordergrund standen. „Ich war immer gern für meine Kunden da und habe mich gefreut, sie zu beraten“, sagt May, die auch gerne noch bis zur Rente in ihrem eigenen Laden gestanden hätte. Aber die Vernunft hat gesiegt. Damit einher geht auch die Schließung des GLS-Standortes – den May aber so oder so aufgegeben hätte, da es ein sehr mühseliges Geschäft gewesen ist. Lediglich in der Corona-Zeit hat dieser Zusatz und die damit verbundene Möglichkeit, an der Ladentür auch mal Spielzeug zu verkaufen, ihr beim Überleben geholfen.
Auch wenn die Nachricht vom Aus schwer wiegt, gibt es für Ingrid May einen Lichtblick. Die Leidenschaft für Spielwaren wird sie nicht aufgeben. Sie hat bereits eine neue Aufgabe in Aussicht, bei der sie ihrer Branche treu bleiben kann. Das Wichtigste für sie: Der Kontakt zu den jüngeren Kunden bleibt bestehen. Jener Kontakt, der ihr über all die Jahre die größte Freude bereitet hat, wird sie auch in ihre berufliche Zukunft begleiten.
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