Vor 40 Jahren entstand in Kaiserswerth ein Viertel, das bis heute als gelungenes Beispiel für urbane Planung mit menschlichem Maß gilt: das Klemensviertel. Was als mutige Idee des Düsseldorfer Architekten Walter Brune begann, ist heute ein lebendiger Mikrokosmos aus Wohnen, Einkaufen, Arbeiten und Begegnen. Zum Jubiläum 2026 blickt das Viertel auf vier Jahrzehnte voller Wandel, Nachbarschaft und architektonischer Kontinuität zurück.
In den frühen 1980er-Jahren suchte die Stadt Düsseldorf nach neuen, lebensnahen Wohnkonzepten im Norden. Der renommierte Architekt Walter Brune, der auch Projekte wie das Kö-Center oder die Schadow-Arkaden plante und selbst für den Schah von Persien aktiv war, brachte eine klare Philosophie ein: Architektur müsse sich am Menschen orientieren, nicht an der Masse. Ein Makler hatte Brune damals eine Fläche am Klemensplatz angeboten. Auf der Fläche stand früher die Veranstaltungshalle des Restaurants Tonhalle, in der vor dem Zweiten Weltkrieg Hochzeiten und Feste gefeiert wurden. Daran anschließend befanden sich einige Schrebergärten, die sich bis zur nördlichen Grenze über ein größeres Gelände von etwa 14.000 Quadratmetern erstreckten.
Statt anonymer Hochhäuser plante Brune ein Viertel mit Gassen, Plätzen, Arkaden und individuellen Gebäuden, die an gewachsene Altstädte erinnern. Sein Ziel war ein harmonisches, kleinteiliges Stadtbild mit hoher Aufenthaltsqualität – eine „Stadt in der Stadt“. Doch bis schließlich gebaut werden durfte, vergingen 15 Jahre. Es war ein zäher Kampf mit der Stadt, den Anwohnern und den damaligen Geschäftsleuten, die die Sorge hatten, dass das neue Zentrum der eigentlichen Mitte – dem Kaiserswerther Markt – zusetzen könnte. Für zusätzliche Diskussion sorgte eine mittig auf dem Gelände stehende alte, wunderschöne Kastanie, die für das Bauvorhaben gefällt werden musste. „Doch am Ende konnte mein Vater in den wohl zähen und langwierigen Verhandlungen überzeugen. Die Kastanie wurde gefällt und stattdessen vier Eichen gepflanzt“, erzählt Christopher Brune. Der 37-jährige Sohn leitet mittlerweile die Brune Immobilien GmbH, die unter anderem bis heute Vermieterin der Geschäfts- und Wohneinheiten des Klemensviertels ist. Doch was so einfach klingt – mal eben vier Eichen gepflanzt – war deutlich komplizierter. Für das kleine Geschäftszentrum war es nötig, ausreichend Parkplätze zu schaffen. Deshalb wurde auch eine Tiefgarage – halb öffentlich, halb für Anwohner und Mieter – geschaffen. Da jedoch auf der Decke der Tiefgarage keine Bäume gediehen wären, wurden vier Löcher von jeweils 1,50 Meter Durchmesser in der Betondecke der Parketage freigelassen und langstämmige Eichen einfach eine Etage tiefer direkt in das Erdreich gepflanzt. Genauso tauschte Walter Brune mit einem kleinen Aufpreis die der Stadtsparkasse gehörende Tonhalle mit einem von ihm nebenan gekauften Grundstück, sodass die Tonhalle wieder zu einer Gaststätte werden konnte. „Diese Dinge waren meinem Vater immer sehr wichtig. Er war mehr Künstler als Architekt. Den Aufenthaltswert an Orten zu steigern, stand stets im Mittelpunkt seiner Arbeit“, so Christopher Brune.


Ein Viertel mit Herz: Glockenspiel und Brunnen
Zentrum des Viertels ist bis heute der Klemensplatz, den Walter Brune als belebten Mittelpunkt entwarf. Hier treffen sich Bewohner, Nachbarn und Besucher – ob beim Einkauf, auf einen Kaffee, beim Abendessen oder einfach auf einen Plausch. Im Mittelpunkt dieses Platzes plätschert der Klemensbrunnen, ein modernes, geometrisch gestaltetes Wasserspiel, das Ruhe und Bewegung zugleich vermittelt. Brune verstand Wasser als „architektonisches Bindeglied“ – ein Medium, das Menschen verweilen lässt und Atmosphäre schafft. Ein weiteres Kunstobjekt ist der Zeitturm mit Glockenspiel, an dem der Aachener Bildhauer Professor Benno Werth beteiligt war. Der Ablauf der Zeit, ihr Fortschreiten und ihre scheinbare Bewegung wird dem Betrachter auf unterschiedliche Weise nahegebracht. Das Glockenspiel ist dann das i-Tüpfelchen: Es sollte dem Viertel einen Klang und ein Stück Seele geben. Die Melodien – teils klassisch, teils rheinisch – ertönen mehrmals täglich und sind längst zum akustischen Wahrzeichen geworden. Was wohl nicht jeder weiß: Auf jeder Glocke ist der Teil einer Ballade, die die Hürden und Schwierigkeiten des Baus wiedergibt, eingegossen. Die „Glocken-Ballade“, die Walter Brune selbst geschrieben hat, ist hier nachzulesen:
Die Glocken-Ballade
Die Häuser zu hoch und zu breit, ein Dach zu flach und eins zu steil.
Fenster zu dunkel, Schiefer zu schwarz, zu viele Flächen, viele Geister zu schwach?
Bis alle Ämter meinen, so kann man es richten, sind 15 Jahre nutzlos verstrichen.
Doch immer noch waren da die Träume, nun störten nur noch die Bäume.
Politiker noch nicht genügend einbezogen, fühlten sich zunächst erst mal betrogen.
Nun drohen weitere 15 Lenze, und damit das Ende wohl zur Gänze.
Doch der Regierungspräsident gibt grünes Licht ganz vehement.
Nachbarn und Beamte kämpfen mit Spießen, sie wollen ihren Neid genießen.
Lass er doch das Bauen sein, dann werden wir auch keine Feinde, nein.
Arbeit und Brot kommen nicht vom Himmel her, Mensch habe Kraft, setze Dich zu Wehr!
Gott ist treu, so doch er schweigt, auch Kirchen schweigen, obwohl sie doch geneigt.
Selbst Freunde haben es nicht so leicht, hilf dir selbst, so wird es auch erreicht.
Dann wuchs sie doch, die kleine Stadt, wie der Bauherr sie ersonnen hat.
Schritt für Schritt und Stein auf Stein, die Menschen können dort fröhlich sein.
Häuser, Straßen, ein Brunnen, eine Uhr, prägen für ewig die Struktur.
Menschen kommen, Menschen gehen, die kleine Stadt, sie bleibt bestehen.
Und die Moral von der Geschichte, sei stark, so trägst du auch die Früchte.
Die Glocken läuten jahraus, jahrein, die Geschichte weiß nur die Turmuhr allein.
Vier Jahrzehnte Wandel – und Beständigkeit
Heute, vierzig Jahre nach der Grundsteinlegung, ist das Klemensviertel ein Musterbeispiel für nachhaltige Stadtplanung. Die klare Architektur, das Glockenspiel, der Brunnen – sie sind Symbole einer Zeit, in der Funktionalität und Ästhetik Hand in Hand gingen. Und während sich drumherum die Stadt verändert, bleibt das Klemensviertel seinem Charakter treu – lebendig, überschaubar, mit einem unverwechselbaren Gesicht. „Das Konzept, hier etwas Langlebiges mit zeitloser Architektur zu erschaffen, ist meinem Vater gelungen“, so Christopher Brune. Bis heute lautet die Devise: „Wir wollen einen Ort mit Nachhaltigkeit schaffen, einen Ort, wo Menschen gerne arbeiten, leben und wohnen, anstatt das Maximum an Miete herauszuholen.“ Daher ist der Mietermix, der Anwohnern wie Besuchern einen echten Mehrwert bietet, oberste Priorität. Und der Wochenmarkt tut sein Übriges dazu. Bleibt nur zu sagen: Herzlichen Glückwunsch, Klemensviertel – auf die nächsten 40 Jahre.
Wer tiefer in die Geschichte des Viertels eintauchen möchte, hat dazu im Museum Kaiserswerth Gelegenheit. Dort ist die Ausstellung „40 Jahre Klemensviertel“ mit historischen Fotos, Grundrissen und Luftaufnahmen noch bis Sonntag, 12. Juli, zu sehen, samstags von 14 bis 17 und sonntags von 11 bis 17 Uhr bei freiem Eintritt. Das Museum liegt an der Fliednerstraße 32.
Zusätzlich führt Kurator Karl-Josef Döhler an drei Sonntagen persönlich durch die Ausstellung, am 28. Juni sowie am 5. und 12. Juli, jeweils um 14 Uhr. Da die Teilnehmerzahl begrenzt ist, bittet der Heimat- und Bürgerverein Kaiserswerth um rechtzeitige Anmeldung per E-Mail an info@hbv-kaiserswerth.de oder telefonisch unter 0211 403614 (Anrufbeantworter).






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Ein Kommentar
Mein Gott, was für eine Geldmaschine….
Aber schön wars trotzdem …..
Ist es ja immer noch …..
Heino würde sagen : “ Junge … „““