Schöner hätte das Wetter am Donnerstag, 26. Februar, für diese Jahreszeit kaum sein können: Knapp 20 Grad und Sonnenschein – perfekt, um auf der Terrasse mit lieben Freundinnen und Freunden Geburtstag zu feiern. Einen ganz besonderen Geburtstag: den 100. von Else Keutsch. Auch Bürgermeisterin Edeltraud Klabuhn gratulierte ihr herzlich.
Viele Jahre lebte die Jubilarin in Bissingheim, anfangs mit ihrem Mann, der sie nach ihrer Flucht im Krieg nach Duisburg geholt hatte. Seit einem Sturz vor vier Jahren wohnt sie in einem Seniorenzentrum in Großenbaum. Hier feierte sie nun ihren runden Geburtstag – und da durfte Kuchen von Dobbelstein nicht fehlen, auch wenn sie selbst mittlerweile lieber ein Brot isst. Denn mit der Konditorei sind viele Erinnerungen für sie verbunden, dort war sie früher oft Kaffeetrinken.

Ihre Betreuerin und ehemalige Arbeitskollegin Sabine Becker-Klunder erzählt: „Else hatte nie viel Geld. Sie hat jeden Pfennig dreimal umgedreht und konnte so etwas zusammensparen. Weiterhin wichtig war ihr neben guter Wäsche auch Porzellan, das sie Gedeck für Gedeck kaufte.“ Die 100-Jährige empfing ihre Gäste in einer adretten Bluse, mit Perlen besetzt – so wie sie es gewohnt war.
Ihr Mann starb früh an Morbus Crohn, wie später auch ihr Sohn. Else Keutsch arbeitete dann im Einzelhandel und entdeckte das Reisen für sich. Beispielsweise fuhr sie als über 80-Jährige nach Japan. „Sie sprach kein Englisch, bewegte sich aber sicher mit öffentlichen Verkehrsmitteln – das hatten wir geübt“, erzählt Sabine Becker-Klunder lachend. Auch Russland, Indien und China zählten zu ihren Zielen. Beim Reisen entstanden Freundschaften. Und so war zum Kaffeetrinken in Großenbaum nun sogar Besuch aus Hamburg zum Gratulieren gekommen.
„Sie hatte einen starken Willen“, beschreibt Sabine Becker-Klunder die Jubilarin. Sie nahm kaum Medikamente, achtete auf Vitamine, nutzte die Sauna sowie Ayurveda und bewegte sich viel: Jeden Morgen ging sie im See schwimmen.

Im kleinen Kreis zu feiern, tut Else Keutsch gut. Durch ihre Demenz fällt es ihr nicht leicht, sich auf viele Menschen einzulassen. So hat sich die Geburtstagsgesellschaft aufgeteilt – einige sitzen in der Küche, einige neben ihr in der Sonne auf der Terrasse. Ihre Schwiegertochter, die in Herford lebt, war leider erkrankt und konnte nicht kommen. Gemeinsam mit Bürgermeisterin Edeltraud Klabuhn liest sie selbst die Glückwünsche von Oberbürgermeister Sören Link und Ministerpräsident Hendrik Wüst laut und flüssig vor. Ihre feste Stimme hinterlässt Eindruck.
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